Amman, Tag 2

Im Lonely Planet habe ich von einem schönen Walk durch das Altstadt-Viertel gelesen, der einen durch die ganzen kleinen Lädchen führt. Überall wuseln Menschen auf der Straße, allerdings ohne aufdringlich zu sein. Niemand versucht einen in seinen Laden abschzuleppen, man wird nicht belästigt, auch wenn man halb-interessiert stehen bleibt und schaut. Das ist absolut angenehm und habe ich von anderen arabischen Großstädten wie Kairo anders gelesen. Diese Vielfalt der angebotenen Waren ist überwältigend, die unterschiedlichen Gerüche einfach nur phänomenal. Als andere Toursiten stehen bleiben und die Szenerie fotografieren, denke ich mir, dass ich das auch machen kann.

Ich genieße diesen Anblick, vor allem weil ich mit ganz wenigen Ausnahmen ziemlich der einzige Tourist bin, der unterwegs ist.

Der Walk führt mich weiter zu einer Ausgrabungsstätte, die nur 50 m weiter ist als der Ort, an dem die letzten Fotos entstanden sind. Dieses uralte Nymphäum ist also mitten in der Stadt gefunden worden, ein Zufall, dem viele Ausgrabungen in Jordanien zu Grunde liegen. Laut des Schildes stammt sie aus dem 2. Jahrhundert vor Christus, eine Zahl, die mir tiefen Respekt vor dem Alter der Stadt einflößt.

Die römische Bauweise ist deutlich erkennbar und sie stellte im antiken Amman den Hauptbrunnen dar. Auch vermutet man, dass es hier ein 600 m² großes Becken gegeben haben soll, heute ist davon aber nicht mehr viel zu sehen.

Der Walk führt dann fast unweigerlich zu einem der Hauptattratktionen Ammans: Das direkt in den Fels gehaue römische Amphitheater, das Platz für bis zu 6000 Menschen bietet und sogar heute noch für Großereignisse genutzt wird. Der Eingangsbereich wird von einige Säulen gesäumt.

Am Eingang werde ich von einem Mann angesprochen, der sich als offizieller Führer vorstellt und sagt, dass er eine Lizenz hätte und zeigt mir stolz seinen Fotoausweis. Er fragt mich, ob ich nicht gerne eine Führung durch das Theater wünsche, und wenn er schon dabei wäre, könne er mir auch noch die Zitadelle zeigen. Ich frage ihn, was das denn kosten soll und er nennt einen Preis von 30 Euro für ca. 2 Stunden. Ich lehne das zunächst ab, frage ihn aber, was er denn für die Führung nur hier im Theater haben möchte. Für 7 Euro würde er mir eine halbstündige Tour geben. Da er nett wirkt, nehme ich das Angebot an und er fängt direkt an, mir etwas zu dem komischen roten Ständer zu erklären, der mitten auf der Bühne des Theaters steht. Er bittet mich, mich neben diesen Ständer zu stellen und laut etwas zu rufen, um zu zeigen, dass dies der Punkt ist, von dem eines das ganze Theater am besten hören soll. Ich stelle mich und etwas zögerlich fällt mir nichts besseres ein, als „Salem Aleikum“ zu rufen. Ich habe das Gefühl, dass mich doch der ein oder andere etwas seltsam anschaut, ich stehe aber m al darüber, da mein Guide mir auf die Schulter klopft. Dann meint er, ich solle mal die Treppen rauflaufen und von ganz oben schauen. Ich steige die ersten Stufen hoch und entscheide mich zu einem ersten Foto.

Ich steige weiter die steilen Stufen hoch und komme so langsam aus der Puste. Perfekter Zeitpunkt seine Erschöpfung mit einem Fotostopp zu überspielen.

Die Pause dauert etwas länger und so entschließe ich mich zu einem weitere Foto.

Oben angekommen setze ich mich erstmal hin und ruhe aus. Die vielen Stufen waren für mich schon anstrengend, aber der Blick von oben ist diese Anstrengung einfach wert. Hier oben sieht man auch, dass dieses Theater einfach so in die Bergwand reingeschlagen wurde. Ich meine auch irgendwo gelesen zu haben, dass dies das größte je auf diese Art gebaute Amphitheater ist.

Nach einer gewissen Zeit steige ich wieder herunter, wobei ich merke, dass die Stufen nach unten sogar noch etwas gefährlicher sind, als ich fast abrutsche und hinfalle. Ich kann mich aber noch fangen und gehe von nun an doch mit etwas mehr Respekt die Stufen runter. Ich habe ja noch viel vor mir und darf nicht schon am zweiten Tag verletzt ausscheiden! Unten empfängt mich dann auch schon mein Guide und führt mich in das zum Theater gehörende Museum, wo einige Mosaike…

und tradionelle Trachten ausgestellt sind.

Wir verlassen das Theater durch den Haupteingang und ich dachte schon, die Tour wäre vorbei, als mein guide mir noch einige Inschriften an den Säulen erklärt. Ich frage ihn, ob er etwas dagegen hat, dass ich ihn fotografiere. Er verneint das und so schieße ich dieses Foto:

Nach den Erklärung an den Säulen führt er mich zum Abschluss zum Odeon, einer Miniaturausgabe des großen Theaters, das für Generalproben oder Proben aller Art gedacht ist.

Mein Guide und ich nehmen voneinander Abschied, aber nicht bevor er mich noch durch einen Souvenierladen „eines Freundes“ geführt hat. Ich sehe eine witzige Tasse, die ich dann kaufe und mitnehme. Danach treibt mich der Hunger zu einem Restaurant, das einen tollen Panoramablick über Amman haben sollte. Ich steige eine Treppe neben dem Amphiteater hoch und suche bestimmt 45 Minuten nach diesem Restaurant, bis ich es endlich finde. Der Ausblick war wirklich toll und genieße das Essen. Auf dem Rückweg nach unten bieten sich weitere tolle Aussichten.

Als letztes Highlight des heutige Tages mache ich auf den Weg zur Amman Citadel, der Zitadelle auf dem Jabal al-Qal’a. Hier oben finden sich Anzeichen von frühstester Besiedlung, Fundstücke mit einem Alter bis zu 7000 Jahren. Am Eingang der Zitadelle stehen 3 Steine hochkant und zeugen von der immens beweghten Geschichte Ammans, die mehrfach im Laufe der Jahrtausende den Namen unter den wechselnden Herrschern änderte. Die frühsten Fundstücke wurden auf 5000 vor Christus datiert. Damals kannte man die kleine Siedlung unter ihrem auch in der Bibel erwähnten Namen „Rabbath-Ammon“. Unter nabbatäischer, römischer und bzyantinischer Herrschaft trug Amman den Namen „Philadelphia“, übersetzt soviel wie „die Stadt der brüderlichen Liebe“. Unter dem Kalifat der Umayyaden wird die Stadt schließlich in Amman umbenannt, um diesen Namen auch unter der türkischer Herrschaft zu behalten. Hier ist der Stein, der bis in die Gegenwart reicht.

Die Zitadelle befindet sich auf dem L-förmigen Hügel. Für einen besseren Überblick habe ich den Lageplan mal fotografiert:

Ich gehe einen Weg entlang und achte dabei aber eigentlich eher auf die tolle Aussicht von diesem doch hohen Hügel, der ziemlich im Zentrum der Stadt liegt. Ringsrum sind benachbarte Hügel, zwischen diesen Hügel und der Zitadelle tiefe Täler, die aber auch mehr oder weniger komplett bebaut sind. Diese Vielzahl von Häusern ist einfach beeindruckend und fasziniert mich immens.

Plötzlich erhebt sich vor mir dieser Prachtbau und es stellt sich als ein Hammam heraus, ein Bad, was unter den Ummayaden erbaut wurde.

Neben dem Hamman sind Übbereste des ummayadischen Komplexes, zu dem auch das Hammam gehört, zu sehen. Leider steht davon nicht mehr allzuviel.

Auch wenn von der Kollonadenstraßen ebenfalls nicht mehr viel übrig ist, lassen die Überreste dennoch besser erahnen, wie es wohl mal ausgesehen haben mag.

Von der Audienzhalle „Iwan“ und dem Thronsaal stehen leider auch nur noch die Grundmauern, daher versuchen Schilder bildlich zu rekonstruieren, wie das Gebäude in seiner Blütezeit aussah.

Ich erreiche das nordöstliche Ende des Hügels und bin abermals von der Aussicht tief erfüllt.

Auf dem Weg zurück führt mich der Rundweg über den Hügel an den Grundmauern einer Moschee vorbei, die auch zu dem ummayadischen Komplex gehört. Auch hier ist deutlich zu erkennen, wie die Säulen einmal angeordnet waren. Der Vorstellungskraft ist es nun überlassen, sich eine traditionelle Rundkuppel darüber vorzustellen.

Als ich den Komplex hinter mir gelassen habe und mich auf den Weg zum archäologischen Museums mache, bietet sich mir ein weiterer toller Ausblick auf den etwas grüneren Ostteil der Stadt.

In dem Museum sind Fundstücke ausgestellt, die hier auf dem Hügel während der Ausgrabungsarbeiten gefunden wurden. Auch das Gebäude selbst kann sich sehen lassen, vor allem der grüne kleine Vorgarten links vor dem Gebäude.

Ich entschließe mich aufgrund einer größeren Reisengruppe, die gerade das Museum betritt, eine kleine Pause in dem kleinen Garten zu machen, was sich wirklich ein sehr gute Idee heraustellen sollte. Die gemütlich Bank, die tolle Aussicht, der kühlende Schatten der Bäume und die tollen Farben der Blumen. Ein ganz kleiner Garten Eden, ein wirlicher Genuß.

Alles in allem ist das Museum dann aber eher enttäuschend, vielleicht kommt hinzu, dass ich nicht so ein Museumsmensch bin. Ich finde nur die gefunden Sarkophage für erwähnenswert.

Als letztes Highlight wartet nun noch der Tempel des Herkules auf mich. Wie der Name schon verrät, handelt es sich hierbei um die Überreste eines römischen Tempels erbaut zu den Zeiten des Kaisers Marc Aurels.

Der Tempel macht sich vor allem vor dem Hintergrund des Nachbarhügels hervorragend.

Hier mal die Größenverhältnisse zum Abschätzen der tatsächlichen Höhe der Säulen. Wenn ich mich recht erinnere, war die Frau Italinierin, also max 1,60 m groß 😀 !

Als Abschluss für einen wunderschönen, aber auch anstrengenden Tag drücke ich einer französischen Touristin meinen Fotoapparat in die Hand und lasse mich vor der schönen Kulisse fotografieren.

Ich verlasse das Gelände durch den Haupteingang und steuer auf ein Taxi zu und frage einer der Fahrer, ob er mich zu meinem Hotel fahren kann. Ich bin erfreut, dass er das Hotel kennt und ich folge ihm zu seinem Auto. Ich frage ihn, ob er Wechselgeld hat, da ich nur etwas größere Scheine bei mir habe. Er sagt, es wäre kein Problem und die Fahrt würde 2 Euro kosten. Ich steige fröhlich ein und fahre mit ihm zu meinem Hotel, ich dachte, dass ich dieses Mal ziemlich viel richtig gemacht habe. Ich lehne allerdings seine Angebote für weitere Touren wie die Desert Castle Tour (die für morgen auf dem Plan steht) oder einen Ausflug nach Jerash ab. Wir kommen am Hotel an und er sagt, ich solle ihn bezahlen. Als er mir anstatt 48 Euro 45 Euro zurückgibt, bestehe ich darauf, dass wir 2 Euro gesagt hätten und merke aber schon, dass ich auf verlorenem Posten stehe (er hat sein Geld ja!). Er sagt noch frech „Für Freunde hätte es 2 Euro gekostet, für dich kostet es jetzt 5!“. Sehr verärgert steige ich aus dem Taxi und rufe ihm noch ein paar deutsche Worte hinterher, die hier nicht hingehören. Ich gehe dann noch etwas essen und dann verabrede ich noch den Transport zurück zum Flughafen, wo ich morgen meinen Mietwagen abholen werde. Das alles klappt wunderbar, die Rechnung ist bezahlt und ich gehe das letzte Mal im Hotel Farrah schlafen.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 2: Amman

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