Desert Castle Tour

Heute lasse ich mich nach dem Auschecken aus dem Farrah Hotel zum Flughafen fahren, um dort meinen Mietwagen abzuholen und dann meine Tour durch die östliche Wüste Jordaniens, die sogenannte Desert Castle Tour, anzutreten. Meine in damals in Deutschland gefällte Entscheidung, in Amman kein Auto fahren zu wollen, war wohl eine der besten, die ich je getroffen habe. Umso aufgeregter bin ich aber, als ich am Autoschalter das Auto übernehme. Die Übergabe geht schnell, ein paar Kratzer werden aufgeschrieben, die uns auffallen. Ich setze mich ins Auto und fahre mit klopfendem Herzen los. Seitdem ich in Hamburg lebe, hatte ich das Auto abgeschafft und bin dementsprechend nicht mehr viel Auto gefahren. Und jetzt auch noch in einem fremden Land, wenn das mal gut geht :) !

Meine Tour soll mich über die Route 15 zurück Richtung Amman führen, dann auf die Route 40 Richtung Azraq. An dieser Straße liegen mehrere Burgen aus ganz unterschiedlichen Zeitepochen. Als Abschluss steht der Besuch der ehemals üppigen Oase Azraq an. Ich fahre also herunter vom Flughafengelände und rauf auf die Route 15 Richtung Amman. Nach ca. 20 Minuten fahre ich an einem Schild vorbei, dass mich darauf auf einen Abzweig Richtung Azraq hinweist. Ich verpasse aber aus unverfindlichen Gründen die Ausfahrt, habe aber auch etwas Angst, umzudrehen. Ich hoffe einfach, dass es nicht die letzte Abfahrt sein wird. Ich fahre also erstmal wieder Richtung Amman, halte mich dann aber östlich und fahre so dann Richtung Norden. Als ich schon nicht mehr daran glaube, dass hier noch eine Abzweigung kommt und ich kurz davor stehe, doch den Wagen zu wenden, fahre ich an einem Schild mit dem Aufdruck „Route 30 Azraq“ vorbei. Erst jetzt bemerke ich, wie weit ich nach Norden gefahren bin, da dies ja eigentlich meine Rückreiseroute sein sollte. Ich denke mir: „Sei’s drum, fahre ich halt andersrum“ und stelle den Reiseplan direkt um. Nun erwartet mich also zunächst der Besuch im Azraq Wetland Reserve und danach die Burgen.

Ich biege rechts also ab und nach nur ca. 15 Minuten Fahrt lasse ich endlich das durchaus dicht bebaute Umland Ammans buchstäblich links liegen. Ich bin sehr angetan von der kargen Schönheit der ostjordanischen Wüste.

Wüstenlandschaft östlich von Amman, Route 30

Der Blick zurück auf der Route 30 Richtung Amman:

Straße in Wüstenlandschaft östlich von Amman, Route 30

Auf dem Weg nach Azraq bemerke ich viele Militärflugzeuge am Himmel und plötzlich steigt in mir das Bewusstsein auf, dass die ja der Nahe Osten ist und dass dies hier wohl normal ist. Dennoch bleibt ein ungutes Gefühl. Dann erreiche ich eine Kreuzung, nach Osten geht die Route 5 nach Azraq und irgendwann kommt dann der Irak (auch dies hinterlässt ein ungutes Gefühl in mir), nach Südwesten biegt die Route 40 ab, die Route also, die ich auf dem Rückweg nehmen muss. Ich fahre gen Osten und erreiche kurze Zeit später den Parkplatz des Azraq Wetland Reserve. Der Anblick des Besucherzentrums lässt einiges hoffen.

Besucherzentrum des Azraq Wetland Reserves

Ich gehe hinein, bezahle den Eintritt und betrete zunächst ein Raum mit Informationen über das Reserve, dessen Bedeutung für die Frischwasserversorgung Ammans und die daraus resultierenden Probleme. Der wachsende Wasserbedarf Ammans und die Tatsache, dass Jordanien eines der trockensten Länder der Erde ist, führte dazu, dass das Wasserreservoir Azraqs angezapft wurde. Dies führte fast dazu, dass die einst üppige und grüne Oase komplett ausgetrocknet ist und damit eines der bedeutensten und größten Feuchtgebiete des Nahen Ostens verschwand. Durch eine Einigung wurde dem Reserve eine Mindestwasserbestand zugesichert und somit konnten die Reste des Feuchtgebietes erhalten bleiben. Allerdings ist das Gebiet mittlerweile so erschreckend klein, dass kaum noch Zugvögel den Rastplatz zur Mauser benutzen.

Nach diesen aufrüttelnden Worten sind meine Sinne geschärft und betrete das Feuchtgebiet, durch den sich ein ausgezeichneter Weg schlängelt.

Panorama kurz nach Betreten des Azraq Wetland Reserves

Hier sieht trotz der Höllenhitze alles noch recht üppig aus, aber schon nach knapp 5 Minuten beginnt sich das grüne Feuchtgebiet deutlich zu verändern.

Ehemaliges Überschwemmungsgebiet des Azraq Wetland Reserves

Trotz der Büsche und Bäume sieht man, wie ausgetrocknet der Boden ist, wo früher Wasser mit bis zu 2 Metern Wassertiefe stand.

Graslandschaft trifft auf dürren Boden, Azraq Wetland Reserve

Ich bin tief beeindruckt, aber auch sehr schockiert, waren mir diese extremen Wasserprobleme in Amman nicht wirklich bewusst geworden. Als ich weitergehe, vergesse ich aber schnell wieder das trockene Land, da ich zu meiner Linken die restlichen Teiche des Feuchtgebiets und die Vogelbeobachtungsstation sehe.

Vogelbeobachtungsstation am Rande der letzten Teiche im Azraq Wetland Reserve

Der Holzsteg zieht sich über den größten Teich innerhalb des Reserves.

Holzbrücke über die letzten Teiche des Azraq Wetland Reserves

Dann erreiche ich den Anfang des Stegs und zögere keine Minute, ihn auch zu betreten.

Ich betrete den Holzsteg, der zur Vogelbeobachtungsstation führt, Azraq Wetland Reserve

Mir bietet sich ein schöner Ausblick über das Feuchtgebiet und lässt erahnen, wie üppig und grün es hier noch vor 70 Jahren war. Ein paar Wasservögel schwimmen  auf dem Teich.

Wasservögel vor der Vogelbeobachtungsstation des Azraq Wetland Reserves

Der Teich bietet anscheinend aber auch einiges an Futter für die Wasservögel, die hier mausern bzw. fressen wollen. Kleine Fische lassen sich zu Hauf an der Wasserobefläche blicken.

Kleine Fische in einem Teich des Azraq Wetland Reserves

Etwa in der Mitte der Holzstegs bleibe ich stehe und genieße die grüne Abwechslung nach der 1-stündigen fahrt durch die doch recht karge Wüstenlandschaft Ostjordaniens. Plötzlich setzt sich auch eine neugierige Libelle direkt mir auf den Steg und scheint mich anzuschauen.

Libelle setzt sich neben mir auf den Holzsteg, Azraq Wetland Reserve

Sie bleibt sogar so ruhig, dass ich mal den Markomodus an der doch recht einfachen Kamera ausprobieren kann.

Nahaufnahme einer Libelle neben mir auf dem Holzsteg, Azraq Wetland Reserve

Leider wirken die Bilder mit dem Digitalzoom immer etwas schwammig und unscharf, da man die Kamera komplett ruhig halten muss. Nun ja, Notiz für den nächsten Urlaub: Bessere Kamera kaufen! Ich betrete das Vogelbeobachtungshäuschen und sehe schon nach kurzer zeit einen recht großen Vogel über den Bäumen.

Graureiher im Anflug auf das Feuchtgebiet, Azraq Wetland Reserve

Der Graureiher kommt wirklich in meine Richtung geflogen und ich bin völlig aufgeregt, als er am Ufer gegenüber den Beobachtungsstation landet.

Graureiher aufgenommen aus der Vogelbeobachtungsstation des Azraq Wetland Reserves

Ich versuche mit unzähligen Fotos und Zoomeinstellungen den Graureiher zu fotografieren. Mir gelingt aber kein wirklich scharfes Bild.

Nahaufnahme eines Fischreihers am Ufer eines Teichs im Azraq Wetland Reserve

Nach ca. 20 Minuten mache ich mich dann wieder auf den Weg und gehe Richtung Ausgang. Ich komme noch an diesem Baum vorbei, der mich spontan an den „Weißen Baum“ in Minas Tirith aus Herr der Ringe erinnert.

Baum, der an den »Weißen Baum« aus Herr der Ringe erinnert, Azraq Wetland Reserve

Kurz bevor ich das Besucherzentrum erreiche, gehe ich über eine kleine Brücke und sehe, wie zwei Libellen ihre Eier ins Wasser legen. Fasziniert versuche ich es zu fotografieren.

Zwei Libellen legen Eier in einen Teich, Azraq Wetland Reserve

Neben dem Besucherzentrum ist sogar ein kleiner Kinderspielplatz, den ich kurz überquere, da ich mir den Teich dahinter auch noch anschauen wollte, um eventuell noch einen Blick auf den Graureiher zu erhaschen. Ich sehe ihn zwar, allerdings gelingt mir kein gutes Bild mehr. Also halte ich den kleinen Teich als Panorama fest.

Panorama eines kleineren Teichs, der an die Vogelbeobachtungsstation angrenzt, Azraq Wetland Reserve

Ich verabschiede mich beim Hinausgehen vom freundlichen Staff und steige in mein Auto, um zum nahegelegenen Qasr al-Azraq, der ersten und wohl berühmtesten Burgen auf der Desert Castle Tour. Es ist jenes verfallene Fort, was Lawrence von Arabien als Hauptquartier diente, als arabische Stämme mit seinem Zutun gegen die türkischen Besatzer auflehnten und die Osmanen im 1. Weltkrieg aus dem arabischen Raum vertrieben.

Eingang des Qasr al-Azraq (Azraq Castle), Desert Castle Tour

Lawrences Aufenthalt ist auf einem Hinweisschild eines Eckpfeilers des Forts dokumentiert.

Hinweisschild an einem Eckpfeiler des Qasr al-Azraq, Desert Castle Tour

Das Qasr al-Azraq ist schon in einem recht schlechten Zustand, dennoch ist der Gedanke sehr faszinierend, dass hier an diesem Ort alte und neueste Geschichte aufeinandertreffen, wie sonst wohl nur selten. Der Innenhof hat allerdings beträchtliche Ausmaße und nötigt mir ein großes Panoramabild ab.

Panorama des Innenhof des Qasr al-Azraq, Desert Castle Tour

Ich gehe in den Innenhof und schaue zurück auf den Eingang.

Eingangsbereich des Qasr al-Azraq vom Innenhof aus, Desert Castle Tour

Durch einige dunkle Eingänge in den Festungsmauern kann man einige Räume betreten.

Außenaufnahme einer Tür zu einem Innenraum, Qasr al-Azraq
Innenraum in einem der Pfeiler, Qasr al-Azraq

Als ich diesen geschichtsträchtigen Ort verlassen, fällt mir erst jetzt der kleine Garten auf, der mit viel Liebe vor dem Eingang ins Fort angepflanzt wurde.

Panorama des kleinen Gartens vor dem Eingang zum Qasr al-Azraq

Die Farbenpracht drängt mich dazu, auch hier wieder mit dem Makromodus der Kamera zu spielen.

Nahaufnahme von Blumen im kleinen Gartens vor dem Eingang zum Qasr al-Azraq
Nahaufnahme von Blumen im kleinen Gartens vor dem Eingang zum Qasr al-Azraq
Nahaufnahme von Blumen im kleinen Gartens vor dem Eingang zum Qasr al-Azraq

Ich steige wieder ins Auto und mache mich auf den Weg zur Route 40, um zwei weitere Burgen zu besichtigen. Nachdem ich von den Route 5 links auf die Route 40 abbiege, erreiche ich nach ca. 15 Minuten eine kleinere Burg, das Qusair ‚Amra („Kleiner Palast von Amra“).

Qusair 'Amra mit Restaurierungsbauten, Desert Castle Tour

Das Qusair ‚Amra wird derzeit restauriert und ist von außen mit einem Baugerüst umgeben, sodass eine schöne Nahaufnahme nicht wirklich möglich ist.

Nahaufnahme des Qusair 'Amra, Desert Castle Tour

Dieser kleine Palast ist für seine Fresken im Inneren bekannt, die schon ziemlich beeindruckend sind.

Aufnahme der Frisken an den Wänden im Inneren des Qusair 'Amra

Die Restaurierung beschränkt sich nicht nur auf die Fassaden, sondern die italienischen Restauratore kümmern sich liebe- und mühevoll um die Fresken, die leider zum Teil Vandalen zum Opfer gefallen sind oder beschädigt wurden.

Italienische Restauratoren bei der Arbeit an den Fresken im Qusair 'Amra

Das ganze Innere des Gebäude ist mit diesen Fresken überzogen, selbst die Decke.

Nahaufnahme der Deckenfresken im Qusair 'Amra

Die Fresken zeigen viele unterschiedliche Szenen, Personen oder auch Tiere, die keinem Muster folgen, daher ist nicht wirklich bekannt, was sie zu bedeuten haben. Nachdem ich die Szenerie ausreichend auf mich habe einwirken lassen, verlasse ich das Innere des Palastes und finde eine Sanitäranlage,…

Sanitäranlage außerhalb des Qusair 'Amra

sowie den tiefen Brunnen, der die Anlage mit Wasser versorgt hat.

Brunnenanlage des Qusair 'Amra, Desert castle Tour

Der Blick in den Brunnen:

Brunnenschlund des Qusair 'Amra, Desert Castle Tour

Ich verlasse die Anlage und kehre zum Auto zurück. Die letzte Burg für heute ist nicht weit weg, ich schaffe es dennoch, zunächst daran vorbei zu fahren. Beim Wendemanöver mache ich Bekanntschaft mit dem hohen Abstand zwischen Teerstraße und Gravelstraßenrand, mein Auto setzt auf, da ich zu schnell auf den Seitenstreifen fahre. Ich hoffe, dass ich das Auto nicht beschädigt habe. Nach dem kleinen Schreck parke ich das Auto und bezahl den Eintritt. Der Anblick dieser Burg lässt den Schrecken sofort vergessen.

Frontalansicht des Qasr Kharana, Desert Castle Tour

So hatte ich mir die Burgen eigentlich vorgestellt und ich muss schon zugeben, dass mich die anderen Burgen etwas enttäuscht haben. Das Qasr Kharana aber macht alles wieder gut. Der Haupteingang ist schon beeindruckend.

Nahaufnahme des Eingangs des Qasr Kharana, Desert Castle Tour

Dieser Burg ist auch deutlich sein Zweck anzusehen, die Schießscharten sind langhin sichtbar.

Nahaufnahme des Schießscharten des Qasr Kharana, Desert Castle Tour

Ich betrete die Burg durch seinen Haupteingang und stehe nach ca. 10 Metern im Innenhof der Burg.

Innenhof des Qasr Kharana, Desert Castle Tour

Der Blick zurück zum Eingang:

Eingangsbereich des Qasr Kharana vom Innenhof aus, Desert Castle Tour

Ich finde eine Treppe und komme auf die zweite Ebene und kann den Innenhof nochmal aus einer anderen Perspektive sehen.

Innenhof des Qasr Kharana von der oberen Etage aus, Desert Castle Tour

Ein Erkundungsstreifzug durch das Innere der Burg folgt und ich finde immer wieder interessante Räume.

Innenraum des Qasr Kharana, Desert Castle Tour

Auch ein Blick aus einer Schießscharte darf nich fehlen.

Blick aus den Schießscharten des Qasr Kharana auf das Besucherzentrum, Desert Castle Tour

Nach dieser sehr interessanten Burg entscheide ich mich trotz der recht frühen Zeit (es ist ca. 14 Uhr) zu meinem heutigen Tagesziel zu fahren, nach Madaba. Da ich nicht genau weiß, wie lange ich fahre und wie lange die Sonne scheint, ist das wohl eine gute Entscheidung. Ich komme überraschend schnell voran und die Orientierung auf den Straßen fällt mir recht leicht. Ich merke allerdings, dass es vielleicht nicht die beste Idee war, nur die Karten aus dem Lonely Planet zu verwenden. Dennoch finde ich den Weg nach Madaba und auch den Weg zu meinem Hotel fast auf Anhieb. Der Verkehr ist allerdings in den Städten wirklich gewöhnungsbedürftig. Generell gilt: Es wird dort gefahren, wo Platz ist. Das muss ich wohl noch lernen…

Ich checke im Hotel Black Iris ein. Der Inhaber ist ein recht junger Mann, der mich sehr freundlich begrüßt und mir einiges über den Ablauf des Hotels erklärt. Ich frage ihn nach WLAN-Access, die er mir gerne gibt. Wir kommen auch etwas ins Gespräch, was ich denn so hier vorhätte, da ich vier Tage das Zimmer gebucht habe. Er erklärt mir, dass Madaba innerhalb eines halben Tages besichtigt ist und dass ich unbedingt nach Umm er-Rasas fahren müsste, einem UNESCO-Weltkulturerbe, wo man die bislang größten Mosaike ausgegraben hat. Außerdem gibt er mir noch zwei, drei andere Tipps, die ich wohl beherzigen werde. Ich bedanke mich und verabschiede mich von ihm, gehe etwas in der Stadt essen und gehe nach diesem langen Tag schlafen.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 3: Desert Castle Tour

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