King’s Highway, Kerak, Wadi Dana

Beim Frühstück treffe ich wie geplant Nick wieder, wir frühstücken gemeinsam und reden über die Route, die vor uns liegt. Ich erzähle ihm vom Wadi Mujib und dem traumhaften Anblick, der noch vor uns liegt.Ich bin gespannt auf das Wiedersehen mit Jordaniens Grand Canyon, der mich so tief beeindruckt hat. Nach einer reichlichen Mahlzeit – wichtig für den langen Tag, der vor uns liegt – checken wir aus. Das Hotel war bislang extrem toll und als ich dann 100 Euro für ingesamt 4 Übernachtungen zahle, tut es mir fast weh, diesen Ort hinter mir lassen zu müssen. Doch der Inhaber schafft es wieder einmal, mich von ihm, seinem Hotel und Jordanien als Ganzem zu begeistern, indem er mir richtig schmackhaft macht, was vor uns liegt. Er nennt das Wadi Dana einen der schönsten Orte ganz Jordaniens und er sollte recht behalten.

Wir machen uns auf, Nick steigt in mein Auto ein und kurze Zeit später befinden wir uns auf der Nationalstraße 35, auch bekannt als der „King’s Highway“. Dass diese Straße seinen Namen nicht zu unrecht trägt, weiß ich ja bereits seit der tollen Straße durch das Wadi Mujib. Als wir den Parkplatz an der Ausguckstelle an der Nordseite des Wadi erreichen, merke ich schon wieder dieses erhabene Gefühl der Erfurcht eines Reisenden. Auch Nick ist sichtlich beeindruckt und fotografiert tüchtig. Nach ca. 20 Minuten des Genießens dieses Augenblicks steigen wir wieder ins Auto und fahren nach und nach die Stellen ab, die ich schon kannte: Ausguckpunkt auf die Staumauer, Fotostopp auf der Mauer und Panoramastelle auf den Stausee an der Südrampe. Wir setzen die Fahrt fort, die uns als nächstes zum noch gut erhaltenen Kerak Castle führen soll.

Nach ca. 1 Stunde Fahrt durch eher unspektakuläre Landschaft erreichen wir den Abzweig Richtung Kerak, wir verlassen den King’s Highway also vorerst. Als wir uns der Stadt Kerak nähern, wird es wieder sehr hügelig und die Altstadt selbst liegt auf einem Hügel nur kurz unter bzw. neben der Burg. Die Straße schlengelt sich etwas um die Hügel, welche dann ganz plötzlich den Blick freigeben auf die auf einem Hügel thronende Burg. Der Anblick ist im wahrsten Sinne des Wortes majestätisch, atemberaubend.

Ostseite von Kerak Castle

Etwas näher dran:

Ostseite von Kerak Castle

Das lässt ja schon viel erwarten. Ich fahre das Auto die steilen Straßen hoch und parke unmittelbar vor dem Eingang des Schlosses. Wir kaufen unsere Eintrittskarten an einem Schalter und betreten durch ein eher unscheinbares Tor die Burg. Nach ein paar Stufen stehen wir im unteren Hof mit Ausblick auf die riesige Außenmauer der Burg.

Hauptmauer der Ostseite von Kerak Castle

Das Mauerwerk ist wirklich noch gut erhalten und die Mauern sind sehr hoch.

Blick auf den Südostturm von Kerak Castle

Im ganz schön gemachten Burgmuseum wird klar, wieso die Burg so gut erhalten ist. Die Burg wurde zwar durch Saladins Armee belagert, allerdings wurde sie am Schluss kampflos nach 2 Jahren Belagerung übergeben, ohne dass die Armee Saladins einen Stein aus den Mauern brechen musste. Der obere Innenhof offenbart dann doch den ein oder anderen Schaden.

Blick auf den Innenhof von Süden Richtung Norden

Wir durchqueren den Innenhof und dann bietet sich auf der Außenmauer, die wir gerade von unten gesehen haben, ein wunderschöner Panoramablick Richtung Nordwesten.

Panorama mit Blick Richtung Nordwesten

Der Ausblick Richtung Osten wird von einem Hügel blockiert, auf dem damals Saladins Armee stand und die Burg belagert hat. Jetzt wird auch klar, wieso diese Belagerung erfolgreich war: Der Hügel ist fast genauso hoch wie der Hügel, auf dem Kerak Castle thront.

Panorama des Hügels östlich von Kerak Castle

Der Nordteil der Burg liegt etwas höher und ist begehbar. Sie bietet einen schönen Blick auf den Innenhof, den wir gerade durchquert haben.

Blick auf den Innenhof von Norden Richtung Süden

Nach unserem Erkundungsgang durch die engen Burghallen, lasse ich mich von Nick vor einem Ausblickspunkt fotografieren.

Ich vor dem Aussichtspunkt Richtung Westen

Mit dem Gefühl, einen geschichtsträchtigen Ort besichtigt und den Hauch der Geschichte in sich aufgenommen zu haben, verlassen wir das Burgareal und steigen wieder ins Auto. Wir  müssen spätestens um 17 Uhr am Besucherzentrum des Rumana Camps im Wadi Dana sein, um dort einzuchecken. Beim Herausfahren aus der Alstadt biege ich falsch als, wir fahren nicht Richtung King’s Highway sondern Richtung Totes Meer. Ich merke es aber bald und drehe um. Wie so oft in solchen Situationen bin ich dankbar, dass ich solche Fehler mache, denn es bietet sich von hier ein ebenso toller Anblick, wie die Burg auf dem Hügel thront.

Westseite von Kerak Castle

Mit mehr Zoom:

Nahaufnahme der Westseite von Kerak Castle

Nach ein paar Minuten biegen wie also dann doch wieder auf den King’s Highway Richtung Süden ab und fahren kurze Zeit später durch eine wunderschöne, hügelige Landschaft. Immer wieder halten wir an, um die Landschaft zu genießen und natürlich ein paar Fotos zu machen. Wir fahren an einem weiteren Stausee vorbei,…

Panorama der wüstenhaften Landschaft mit Blick auf einen Stausee entlang des King's Highway

an Plantagen, die in dieser öde scheinenden Landschaft deplatziert wirken, aber einen tollen Kontrast bieten,…

Panorama der wüstenhaften Landschaft entlang des King's Highway

vorbei an kahlen Berge, deren Farbe eine tolle Kombination mit dem blauweißen Himmel eingehen,…

Panorama einer Hügellandschaft entlang des King's Highway

und alles mit meinem kleinen Flitzer:

Mein Auto vor einer Hügellandschaft entlang des King's Highway

Nach 2 Stunden Fahrt sehen wir ein braunes Schild, auf dem auf das Naturreservat Wadi Dana und das Rummana Camp hingewiesen wird. Wir folgen dem Schild und müssen dazu über eine Schotterstraße fahren, die anscheinend zu einem Steinbruch führt. Nach 20 Minuten Durchgeruckeltwerden wird die Straße zwar deutlich schmaler allerdings ist sie wieder geteert. Weitere 15 Minuten später erreichen wir das Besucherzentrum des Camps und wollen einchecken. Der Mann am Schalter scheint schnell überfordert, da er uns anscheinend nicht richtig verstanden hat. Er hat immer nach 2 Besuchern gesucht, ich hatte allerdings im Vorfeld nur für mich gebucht, und zwar schon lange im Voraus. Nick hatte allerdings keine Vorreservierung, da er sich ja erst gestern dazu entschlossen hat, hier her zu fahren. Nach ca. 20 Minuten Konfusion geht dem Mann allerdings ein Licht auf und schaut schnell nach, ob er noch ein Zeltplatz frai hat. Er fragt mich, ob ich etwas dagegen habe, dass wir uns ein Zelt teilen. Ich verneine das natürlich umgehend und damit sind wir offiziell eingecheckt. Der Mann bittet uns, draußen auf das Shuttle-Fahrzeug zu warten, der uns in das Camp fährt. Von der Veranda vor dem Besucherzentrum bietet sich ein atemberaubender Ausblick über das Hochplateau, auf dem sich das Camp befindet.

Panorama des Wadi Dana Nature Reserve

Als das große Fahrzeug mit Pickup-Fläche vor dem Zentrum hält, schlägt mein Herz höher. Wir laden unser Gepäck auf die Ladefläche und setzen uns auf die Bänke. Der Fahrer bittet uns, uns gut festzuhalten, da die Fahrt etwas wackelig werden wird. Auch das steigert meine Vorfreude auf das, was uns erwartet. Die im oberen Teil der Serperntinen geteerte Straße führt hinab auf die Hochebene und ist wirklich abenteuerlich, allerdings bieten sich tolle Ausblicke. Nach ca. 15 Minuten Fahrt erreichen wir Camp. Uns wird unser Zelt gezeigt, erklärt, wann und wo es Abendessen geben wird und wo wir uns danach hinsetzen und uns unterhalten können. Ich frage nach, ob man heute noch eine kleine Wandertour machen könnte. Dies wird bejaht und uns wird erklärt, wo sich der Anfang des kürzesten der zahlreichen Wanderpfade auf dem Hochplateau befindet. Wir schnappen uns unsere Kameras und gehen sofort los, da es schon recht spät ist und es langsam dunkel wird. Die Ausblicke auf die Hügellandschaft des Wadi Dana sind einfach nur traumhaft schön und ich verstehe langsam den Inhaber des Black Iris. Ich sehe jetzt schon, dass dies ein wirklich wunderschöner Teil Jordaniens ist.

Hügellandschaft im Wadi Dana Nature Reserve

Der Pfad führt in einer kleinen Schleife um das Camp herum, immer entlang des Abhangs zum Wadi Dana. Man schaut also eigentlich von überall in das Wadi hinein und so bieten sich auch an allen Ecken und Enden ganz tolle Panoramaanblicke.

Kleines Panorama der Hügellandschaft im Wadi Dana Nature Reserve

Die Gegend hat aber nicht nur Hügel und Stein zu bieten, das Plateau ist auch hier und da mit Gras bewachsen, sodass eine Gras- und Buschlandschaft auch das Bild der Hochebene ziert.

Gras- und Hügellandschaft im Wadi Dana Nature Reserve

Als die Dämmerung anbricht, entschließen wir uns, zum Camp zurückzugehen. Wir kommen mehr oder weniger pünktlich zum Abendessen, was in Form eines Büffets dargeboten wird. Das Essen ist frisch zubereitet, was hier in diesem abgeschiedenen Camp wirklich eine Leistung ist, und es schmeckt einfach vorzüglich. Es sind recht viele Deutsche bzw. Deutschsprachige hier, ich entscheide mich aber, weiterhin mit Nick englisch zu sprechen. Nach dem tollen und sättigenden Abendessen versammeln sich alle Besucher in einem in L-Form angeordneten Beduinenzelt, allerdings ist so viel Platz, dass man sich nicht auf die Pelle rückt. Es verteilt sich recht gut. Es wird nach Sonnenuntergang um diese Jahreszeit recht schnell kalt, daher wird ein großes Lagerfeuer angezündet, um das ich mich dann auch geselle. Nick geht es anscheinend nicht so gut, er zieht sich bald mit Magenschmerzen zurück ins Zelt. Ich unterhalte mich mit einem Päarchen aus Münster (wie klein die Welt ist, habe ja auch lange in MS studiert) und einer Familie aus Österreich. Gegen 23 Uhr gehen dann langsam alle in ihre Zelte. Auch ich gehe Richtung Zelt, aber nicht ohne den wunderbaren Sternenhimmel zu bestaunen. Wieder einmal geht ein toller Tag zu Ende, allerdings ist die Vorfreude auf den nächsten Tag sehr groß.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 7: Kerak, Wadi Dana

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