Madaba, Umm ar-Rasas, Wadi Mujib

Das Hotel Black Iris entpuppt sich immer mehr zu einer echten Perle. Für 25 Euro die Nacht bekomme ich ein Zimmer mit Doppelbett und einem schönen, großen und modernen Badezimmer. Das Badezimmer ist sauber, das Bett wirklichgemütlich und so erwache ich gut ausgeschlafen und nach der Dusche frisch für den langen und unternehmensreichen Tag. Das ebenfalls im Preis enthaltene Frühstück ist typisch für die jordanischen Hotels dieser Preiskategorie. Es gibt Kaffee und unterschiedliche Säfte, allerdings als einizges Brot das typisch arabische Fladenbrot mit Aprikosen-Marmelade. Da ich hier die nächsten vier Tage nächtigen werde, freue ich mich also nicht allzu sehr auf das doch recht einfach Frühstück, aber ich bin ja recht pflegeleicht in dieser Beziehung.

Ich unterhalte mich noch kurz mit dem Hotelbesitzer über meine heutige Tour: Ich werde erst die Stadt erkunden und nachmittags einen Abstecher in die Umgebung zu machen, und zwar nach Umm ar-Rasas, dass ich gänzlich nicht auf der Rechnung hatte. Außerdem wird mir vor dem Weg über den King’s Highway zurück nach Madaba eine Stipvisite zum Wadi Mujib, „Jordaniens Grand Canyon“, und nach Mukawir, wo die Überreste von Herodes‘ Burg (Machaerus) stehen, ans Herz gelegt. Ich sauge die Tipps meines Gastgebers dankend auf. Ich bedanke mich bei ihm und mache ich auf den Weg in die Stadt.

Nach ca. 5 Minuten Fußweg stehe ich bereits an einer Kreuzung, von der aus man die christlich/muslimische Geschichte der friedlichen Koexistenz sieht.

St. Georsgskirche und islamische Moschee von Madaba

Madaba ist eine Stadt, in der Religionsfreiheit und Toleranz seit Jahrhunderten gelebt wird. Mit einer christlichen Gemeinde von 30.000 Menschen ist sie die größte in Jordanien. Die Stadt zählt 70.000 Einwohner, sodass etwas mehr als ein Drittel diese „Minderheit“ ausmacht. Zu einer der bekanntesten christlichen Einrichtungen im gesamten mittleren Osten zählt die St. Georgskirche mit ihrer Mosaik-Landkarte von Palästina aus dem 6. Jahrhundert. Madaba ist die Stadt der Mosaike und nirgends wird dies deutlicher als hier in dieser Kirche.

Kircheninnenraum der St. Georgskirche, Madaba

Der Fußboden vor dem Altar der Kirche ist abgesperrt, da sich dort das riesige Mosaik befindet. Im Lonely Planet steht eine Beschreibung der Karte, wie man sie richtig liest. Ich verstehe es allerdings nicht so richtig und kann den Ausführung dementsprechend nicht so richtig folgen. Dennoch ist der Anblick eines so alten Monuments tief beeindruckend.

Mosaikkarte vor dem Altar der St. Georgskirche, Madaba

Hier nochmal die Fassade der St. Georgskirche:

Außenansicht der St. Georgskirche, Madaba

Als nächstes Highlight steht der archäologische Park von Madaba, der sich mehr oder weniger im Stadtzentrum befindet. Der Fund war so typisch für die Ausgrabungen in Jordanien: Höchst zufällig bei einem Neubau eines Komplexes stießen Bauarbeiter auf alte Bausubstanz, die sich als eine alte Kirche herausstellte. Also wurde der gesamte Bereich abgesperrt, der Neubau abgebrochen und die Ausgrabungsspezialisten ans Werk gelassen. Heute sieht das dann so aus:

Archäologischer Park von Madaba

Ausstellungsstücke sind zum großen Teil wieder Mosaike.

Mosaik im archäologischen Park von Madaba

Dann nähere ich mich einer Halle, in der sich offensichtlich weitere Ausgrabungen befinden.

Hippolytus Hall von außen im archäologischen Park von Madaba

Hierbei handelt es sich um die sogenannte „Hippolytus Hall“, auf die später der Vorhof der Jungfrauen-Kirche gebaut wurde. Der Mosaikboden ist wirklich riesig und schon eine Augenweide. Ich mag mir garnicht vorstellen wollen, wie viel Arbeit dort drin steckt.

Hippolytus-Mosaik im Archäologischen Park von Madaba

Es gibt noch viele kleinere Mosaike zu bestaunen, ich verlasse dann aber bald den Park und weiß jetzt, dass Madaba zurecht die Stadt der Mosaike ist. Mein Weg führt mich zur nächsten Kirche, der St. Johanneskirche.

Baptistische Kirche St. Johannes in Madaba

Die Kirche steht auf einem kleinen Hügel und hat einen Kirchturm, den man auch besteigen kann und von dort soll sich ein toller Ausblick auf Madaba und das Umland bieten.

Kirchturm der baptistischen Kirche St. Johannes in Madaba

Ich gehe aber zunächst in den Empfangssaal und werde sehr herzlich von einem Mitarbeiter der Kirche begrüßt. Er zeigt mir das große Mosaik, das in den Fußboden der Eingangshalle eingelassen ist.

Mosaik im Ausstellungsraum der baptistische Kirche St. Johannes in Madaba

Es zeigt viele Motive, die der Mitarbeiter mir beharrlich erklärt. Dann geht er mit uns in die Katakomben und zeigt mir einen alten Brunnen, der aber immer noch Wasser führt.

Brunnen in den Katakomben der baptistischen Kirche St. Johannes in Madaba

Danach steige ich den Kirchturm hinauf, eine ziemliche kraftraubende und hier und da buchstäblich „enge“ Angelegenheit. Ich schaffe es aber und bin froh, dass dort an einem sehr schmalen Weg um den Glockenturm ein recht hohes Gitter ist, an dem ich mich festhalten kann. Ich muss mal wieder merken, dass mir Höhe schon echt etwas ausmacht, auch wenn ich das nicht als Höhenangst bezeichnen würde. Mir gelingt aber von jeder Seite des Glockenturms ein Bild auf Madaba und das schöne Umland. Die Aussicht ist fantastisch.

Es bietet sich ein toller Blick nach Osten,…

Blick nach Osten vom Kirchturm der baptistische Kirche St. Johannes in Madaba

nach Süden,…

Blick nach Süden (King's Highway links) vom Kirchturm der baptistische Kirche St. Johannes in Madaba

nach Westen…

Blick nach Westen vom Kirchturm der baptistische Kirche St. Johannes in Madaba

und nach Norden.

Blick nach Norden vom Kirchturm der baptistische Kirche St. Johannes in Madaba

Der Anblick der Moschee von hier oben ist wirklich umwerfend.

Nahaufnahme der Moschee vom Kirchturm der baptistische Kirche St. Johannes in Madaba

Nach dem Abstieg vom Glockenturm bedanke ich mich herzlich bei dem Mitarbeiter der Kirche, spende noch etwas Geld für die tolle Führung (die komplett kostenlos war!) und gehe wieder Richtung Hotel, um das Auto zu holen und meine Fahrt ins Umalnd anzugehen. Ich qäule mich wieder durch den jordanischen Stadtverkehr, der wirklich gewöhnungsbedürftig ist. Denn es wird dort gefahren, wo Platz ist, auch wenn so aus einer eigentlich zweispurigen Straße eine 3,5 spurige macht. Aber ich schaffe es ohne große Zwischenfälle aus der Stadt und dort wird der Verkehr auf den absolut guten Straßen sehr ruhig, auch wenn man nie ganz alleine ist (was mich immer eher beruhigt). Die Landschaft wird sofort etwas karger, aber sehr schön. Eine wunderbare Mischung aus sandiger Hügellandschaft und Palmplantagen bieten einen tollen Anblick.

Hügellandschaft und Palmplantage südlich von Madaba

Ich bin völlig überrascht und gleichzeitig hingerissen von dieser sanften Hügellandschaft, die sich mir bietet. Ich halte immer wieder an, um Bilder zu machen.

Wüstenhafte Hügellandschaft südlich von Madaba

Nach einem Fotostopp bekomme ich das Auto nicht mehr an und werde etwas nervös. Ich versuche es nochmal und dann klappt es auch wieder. Nach diesem kleinen Schock lasse ich den Wagen immer laufen bei weiteren Fotostopps.

Straße führt einen kleinen Hügel hinauf südlich von Madaba

Die Straße führt sanft einen kleinen Hügel hinauf und als ich die Straße hinauf fahre, bietet sich mir ein echt toller Anblick auf ein kleinen Canyon, der sich sichelförmig durch die Landschaft schlängelt.

Kleiner Canyon vom höchsten Punkt aus gesehen, südlich von Madaba

Ich gehe über die Straße und mache noch ein Foto von der Landschaft, durch die ich gerade gefahren bin.

Blick vom höchsten Punkt einer kleinen Pass-Straße, südlich von Madaba

Der Weg führt mich zur Weltkuturerbe-Stätte Umm ar-Rasas. Ich fahre leider zunächst daran vorbei und werde kurze Zeit später von Soldaten angehalten und gefragt, wo ich denn hin wolle. Ich sage ihnen, dass ich nach Umm ar-Rasas wolle, woraufhin sie erwidern, dass ich schon zu weit wäre. Ich müsse einfach umkehren und die nächste Straße rechts abbiegen. Nach weiteren 200 Metern solle dann schon das Besucherzentrum zu sehen sein. Ich bedanke mich bei den Soldaten und drehe das Auto um. Und tatsächlich kommt es so, wie die beiden Männer es mir gesagt hatten und ich stehe vor dem Besucherzentrum.

Besucherzentrum von Umm ar-Rasas

Ich betrete das Gelände durch das Tor und bezahle den Eintritt. Mir wird ein Mann der sogenannten „Tourist Police“ zugeteilt. Er spricht leider nur sehr rudimentär Englisch und ich frage mich, wieso er mich begeleitet. Ist es hier unsicher? Ich bin der einzige Gast auf dem Gelände, was mich einerseits ehrt, diesem tollen Monument der Geschichte aber leider garnicht gerecht wird. Mein Blick wandert über so viele Trümmer, die noch ausgegraben und sortiert werden müssen, ein Weltkulturerbe im Rohdiamantzustand. Der Mann zeigt auf ein großes Gebäude und ich interpretiere es als eine Aufforderung, diese Ausgrabungsstätte zu besichtigen. Vor dem Gebäude ragt noch eine Bögenstruktur auf.

Bögen der St. Paulus-Kirche und St. Stephanus-Kirche dahinter, Umm ar-Rasas

Wir halten aber erst bei der sogenannten Löwenkirche an, die nicht ganz so gut erhalten ist wie die beiden anderen Kirchen.

Überreste des Innenraums der Löwenkirche, Umm ar-Rasas

Allerdings liegt unter Folien ein riesiger Mosaikfußboden, der toll erhalten ist.

Noch nicht freigelegte Mosaike auf dem Boden der Löwenkirche, Umm ar-Rasas

Aber auch für diese Stätte gilt das gleiche wie bei anderen Ausgrabungsstätten auf diesem Gelände: Sie müssen noch gemacht werden, es gibt bestimmt noch so viel zu entdecken. Ich betrete nun den Komplex, unter dem der ausgegrabenen Stephanuskirche Schutz vor der Witterung geboten wird. Die schiere Größe des Mosaikfußbodens ist atemnberaubend. Er ist so groß, dass ich ihn nicht auf ein Bild bekomme und leider kein Panoramabild daraus machen konnte.

Mosaikboden in der Stephanus-Kirche, Umm ar-Rasas
Mosaikboden in der Stephanus-Kirche, Umm ar-Rasas

Die vielen Abbildungen am Rand des Mosaiks zeigen Städte von Palästina, unter anderem auch Madaba und Jerusalem. Die Halle, die über der Stephanuskirche gebaut wurde, ist schon beindruckend.

Komplex, in der sich die St.Stephanus-Kirche befindet, Umm ar-Rasas

Wir verlassen die Halle, in der sich das größte jemals in Jordanien ausgegrabene Mosaik befindet und mein Blick wandert zurück auf die vielen Trümmer. Ich frage mich, was für wundervolle Funde darunter noch schlummern mögen.

Blick auf noch nicht ausgegrabene Bereiche von Umm ar-Rasas

Am Ausgang will sich der Polizist von mir verabschieden, ohne dass er Ansprüche auf ein Trinkgeld anmeldet. Ich finde diese Zurückhaltung wirklich bemerkenswert, kann das aber einfach nicht so stehen lassen und gebe ihm ein sattes Dankeschön. Er bedankt sich bei mir und wir verabschieden uns voneinander.  Ich steige wieder ins Auto, mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Ich fühle mich einfach wohl in diesem wunderschönen Land. Allein wie oft ich schon „Welcome to Jordan!“ gehört habe, treibt mir das Lachen ins Gesicht. Ich fahre auf die Kreuzung zu, an der ich vorhin falsch abgebogen war und fahre dieses Mal in die richtige Richtung, und zwar Richtung Wadi Mujib. Meine Erwartungen an den „Jordaniens Grand Canyon“ sind hoch, mal sehen, ob er sie halten kann.

Nach ca. 20 Minuten Fahrt erreiche ich ihn dann, den Wadi Mujib. Ich steige oben am Rand des Canyons aus und enterne mich etwas von der Straße. Der Anblick ist einfach traumhaft, er übertrifft alle meiner Erwartungen. Einfach nur Wahnsinn, denke ich mir so, als ich mit dem Fotografieren anfange.

Panorama vom Wadi Mujib
Panorama vom Wadi Mujib

Ich sehe einen Ausguckpunkt, an den anscheinend ein Touristenbus steht, übrigens der erste seiner Art, den ich außerhalb Ammans gesehen habe. Ich genieße dieses Gefühl, ein besonderes Land zu einer besonderen Zeit besucht zu haben. In einer Zeit der Unruhe im mittleren Osten wegen des arabischen Frühlings, die viele Touristen abschreckt, dieses wundervolle Land zu besuchen. Dieses Gefühl will ich mir so lange wie möglich bewahren, daher sehe ich mit Freude, dass der Bus auch schon wieder losfährt. Ich setze mich also wieder ins Auto und fahre die 300 Meter bis zum Parkplatz und ich sitze alleine auf einer Mauer und bestaune diesen grandiosen Anblick.

Blick auf den King's Highway vom Aussichtspunkt, Wadi Mujib

Ich bin so emotional berührt, dass ich eine Gänsehaut bekomme und mir die Freudestränen in die Augen steigen. Diesen Moment werde ich nie in meinem Leben vergessen, dies war ein vollkommener Moment, von denen es ja nicht so viele gibt. In diesem Moment fühlt sich alles richtig an, alle Entscheidungen der letzten Wochen und Monate erweisen sich als gut. Ich sitze 30 Minuten einfach nur so da und genieße den Augenblick.

Panorama vom Wadi Mujib und Stausee

Dann steigt irgendwie in mir der Drang auf, mich in diesem Moment fotografieren zu wollen, was aber leider nicht geht. Ich suche und finde einen Souvenirverkäufer, der still in seiner Hütte sitzt und frage ihn, ob er Englisch spricht. Er bejaht die Frage und ich frage ihn, ob er von mir ein paar Fotos von mir vor dieser Szenerie machen kann. Er meint, es wäre kein Problem und wir machen einige Fotos von mir. Er erweist sich als guter Fotograph und ich bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden.

Ich vor der atemberaubenden Kulisse des Wadi Mujib

Ich bedanke mich bei ihm und steige dann in mein Auto, um in den Canyon reinzufahren. Von oben habe ich einen Stausee gesehen und den will ich mir mal aus der Nähe ansehen.

Staumauer im Wadi Mujib

Der Blick zurück zur nördlichen Passhöhe, von der ich gerade komme:

Blick zur nördlichen Passhöhe des Wadi Mujib

Als ich mich der Staumauer weiter nähere, merke ich erst jetzt, dass der normale Weg durch den Canyon über die Staumauer führt und auf der anderen Seite wieder hinauf. Ich entscheide mich daher, über die Staumauer zu fahren und ein paar Bilder zu machen. Allerdings stehen am Anfang und am Ende der Mauer Polizisten, sodass ich mich nicht traue, anzuhalten. Ich fahre also ohne anzuhalten über die Mauer, bleibe dann aber nach der ersten Serpentine stehen, um weitere Bilder von diesem Naturschauspiel zu machen.

Blick nach Osten entlang des Wadi Mujib

Auf dem Weg nach oben, fahre ich plötzlich an einem Mann vorbei, der wohl gerne mitfahren würde. Ich bin etwas perplex und fahre weiter. Beim nächsten Mann bin ich nicht mehr so perplex und als er die Hand ausstreckt, halte ich von schlechtem Gewissen getrieben an. Der junge Mann spricht kaum Englisch, ich weiß nicht genau, wohin er will. Ich fahre aber einfach erstmal los, er wird sich schon bemerkbar machen, wenn er aussteigen will. Ich versuche noch zwei Mal, ein Gespräch zu beginnen, was aber aufgrund mangelnder Kenntnisse seitens meines Mitfahrens scheitert. Wir erreichen gemeinsam die Passhöhe, ich fahre noch ca. 1 km weiter, als er plötzlich hektisch winkt. Ich interpretiere dies als das Zeichen zum Anhalten und tue genau dies. Er macht ein Zeichen, was ich als eine Einladung zum Teetrinken erkenne, fasse mir auf die Brust und lehne kopfschüttelnd und „Shukran“murmelnd ab. Er lächelt dennoch und nickt mir zu. Ich drehe das Auto um und fahre wieder zurück zum Wadi Mujib. Beim Weg nach unten fällt mein Blick auf den Stausee.

Blick von der südlichen Passhöhe auf den Stausee

Ich erreiche wieder die Staumauer und sehe in der Mitte ein Auto stehen und die Passagiere munter fotografierend auf dem Straßenrand der Staumauer stehend. Ermutigend von diesem Verhalten halte ich einige Meter weiter auch und mache ein paar Schnappschüsse.

Blick auf den südlichen Teil des Stausees von der Staumauer aus

Ich schaue auf die Uhr und es ist schon recht spät. Auch in Jordanien gilt: „Vermeide Autofahren im Dunkeln“ und ich will mich daran halten. Daher fahre ich zwar entwas schneller, möchte aber dennoch den Abstecher Richtung Mukawir wagen, um mir dort Machaerus, eine der Burgen des Herodes anzusehen. Als ich nach knapp einer Stunde Fahrt dort ankomme, werde ich leider am Tor abgewiesen. Der Mann sagt, es wäre schon zu spät für eine Besichtung der Burgruine. Etwas frustriert akzeptiere ich, dass ich umkehren muss,  auf dem Weg zurück, halte ich aber nochmal an, um wenigstens ein Foto von den Ruinen zu machen. Leider gelingt mir nur ein recht unscharfes Bild, auf dem aber die noch stehenden Säulen der Burg zu erkennen sind.

Die Burg Machaerus von Herodes, Mukawir

Ich fahre ein Stück weiter und bleibe an einer Stelle stehen, von der man trotz des Dunstes das tote Meer erahnen kann. Ich steige aus und mache ein Foto.

Blick auf das tote Meer von Straße nach Mukawir aus

Als ich dann an einer Kreuzung stehe, auf der steht „Totes Meer links“ und „Madaba rechts“, passiert das, was so oft in meinem Kopf passiert. Hätte ich die Burg besichtigen dürfen, hätte ich dem Drang links Richtung totes Meer abzubiegen widerstanden. Jetzt aber, in einer Situation, wo ich nicht das bekommen habe, was ich wollte, bin ich anfällig für Verlockungen solcher Art. Ich biege also links ab und freue mich über die tolle Landschaft, durch die diese Straße führt. Leider gelingen mir nur absolut unbrauchbar, verrauschte Bilder, da die Kamera über kein vernünftiges Nachtprogramm verfügt. Dennoch macht mir die Fahrt extrem viel Spaß, da es viel auf und ab geht. Als ich allerdings an einer Kreuzung stehe, an der es dann zum toten Meer hinuterführt und sich die Straße als die Panoramastraße entpuppt, die für den morgigen Tag ansteht, entscheide ich mich, die Fahrt Richtung Madaba anzutreten. Mittlerweile ist es auch schon recht duster und ich komme im Dunkeln in Madaba an. Die Straßen sind etwas leerer, der Verkehr dennoch anspruchsvoll.

Ich erreiche das Hotel, stelle das Auto und trete ein. An der Rezeption steht der Hotelbesitzer und schaut mich mit großen Augen erwartungsvoll an. Ich erzähle ihm, was für einen tollen Tag ich hatte und was ich alles erlebt hatte. Er freit sich sichtlich für mich und das rechne ich ihm sowas von hoch an. Er unterstreicht dies, in dem er sagt, dass er größte Freude dabei empfindet, Fremden sein Land und seine Kultur näher zu bringen. Ich sage ihm, dass er dies wirklich wunderbar macht und dass er bei mir vollen Erfolg hatte. Ich erzähle ihm von dem Moment am Wadi Mujib und dessen Bedeutung für mich. Ich merke, dass er mich nur zu gut versteht, indem er sagt, dass nur die Geburt seiner Kinder größere Momente waren als diese Art von Momenten, die er auch schon zu Hauf hatte. Dieses tolle Gespräch rundet den Abend für mich ab, ich surfe etwas im Internet und poste noch ein paar Bilder auf Facebook.

Als ich im Bett liege, bemerke ich erst mein Lächeln, das sich anscheinend in mein Gesicht eingebrannt hat. Mein letzter Gedanke, bevor ich einschlafe, ist: „Genau dafür reisen wir, für genau diese Momente!“

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 4: Madaba, Umm ar-Rasas und Wadi Mujib

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