Mount Nebo, Umm Qais, Ajloun

Das gewohnt gute Frühstück verschlinge ich heute etwas schneller, da ich mir für heute viel vorgenommen habe. Nach einem Besuch des Mount Nebo, dem Berg, von dem Moses das gelobte Land erblickt haben soll und zu dessen Ehren dort um 400 nach Christus eine Kirche erbaut wurde, soll mich mein Weg den Jordan entlang nach Norden führen, bis an die isrealisch-syrisch-jordanische Grenzgebiet. Dort gibt es eine römische Ausgrabungsstätte namens Umm Qais, von wo sich einer toller Blick auf die Golanhöhen und den See Genezareth bietet. Danach geht’s nach Jerash, einer der größten römischen Fundstellen, die es weltweit gibt. Als letzte Station steht dann noch Ajloun Castle auf dem Programm, einer Burg, die dem Ansturm der christlichen Kreuzügler standgehalten hat und damit mitentscheidet für das Scheitern des Kreuzzugs war. Als ich mit dem Hotelbesitzer über diesen Plan rede, meint er, dass es viel zu viel Programm für einen Tag wäre bzw. ich schon viel früher hätte losfahren müssen. Er rät mir,  den Schlenker nach Umm Qais nicht zu machen, und zwar aus zweierlei Gründen: Erstens bietet Jerash viel bessere und viel mehr römische Ruinen und zweitens ist die Sicht einfach zur Zeit sehr schlecht und der See Genezareth würde bei der diesigen Luft nicht sichtbar sein.

Obwohl ich mich nicht für besonders gläubig halte, treibt mich dennoch irgendwie ein Gedanke aus meiner Jugend dazu, den Rat vom Hotelbesitzer nicht zu befolgen. Aber zunächst steht ja eh Mount Nebo, eine für Christen sehr heilige Stätte auf dem Spiel. Die Fahrt von Madaba zum Mount Nebo dauert nur ca. 20 Minuten und ich merke mal wieder, wie toll dieser Ort sich als „Basecamp“ für den gesamten Nordwesten Jordaniens eignet. Allerdings bin ich nicht der einzige, der sich so früh auf den Weg gemacht. Als ich das Auto auf den Parkplatz stelle, sehe ich drei Reisebusse, die eine Unmenge an indisch-pakistanisch sowie japanisch aussehenden Touristen ausspucken. Ich warte noch kurz, als mich ein jordanischer Taxifahrer anspricht. Ich erkenne ihn nicht wieder, er entpuppt sich allerdings als der Taxifahrer, der mich an meinem letzten Abend in Amman in den Westen Ammans gefahren hat. Wir unterhalten uns kurz und dann betrete ich das Gelände. Am Eingang steht ein Gedenkstein, der auf auf die Bedeutung dieses Ortes hinweist.

Gedenkstein am Mount Nebo

Ich sehe, wie vor mir die vielen anderen Touristen sich auf den Füßen stehen, daher entscheide ich mich, mich etwas von der „gängigen Route“ abzusetzen und stattdessen etwas den Ausblick vom Mount Nebo zu genießen. So finde ich eine Stelle, von der sich ein tolles Panorama anbietet, das ich dann natürlich auch direkt fotografiere.

Panorama mit Blick Richtung Jordantal, Mount Nebo

Dann gehe ich zurück und stelle mich mit immer noch einigen Touristen in ein Zelt, das einen riesigen Mosaikfußboden bedeckt. Das Mosaik ist so groß, dass ich es wieder nicht auf ein Bild bekomme.

Mosaikboden auf dem Mount Nebo
Mosaikboden auf dem Mount Nebo
Mosaikboden auf dem Mount Nebo

Als ich die Ende des 3. Jahruhunderts erbaute Kirche betreten will, weißt ein Schild daraufhin, dass die Kirche gerade wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Ich bin etwas verwundert, wieso dennoch 300 Menschen auf diesen Hügel gefahren werden, wenn die Reisevearanstalter hätten wissen müssen, dass die eigentliche Hauptattraktion wegen Umbaus geschlossen ist. Sei’s drum, ich begebe mich also zum Hauptaussichtspunkt, von dem sich bei guter Sicht ein Blick bis Jericho bieten soll. Allerdings habe ich wie bisher an allen Tage zuvor extrem schlechte Sicht wegen der diesigen Witterung.

Blick vom Mount Nebo Richtung Totes Meer

Ich drücke einem Deutschen, der mit einer österreichischen Reisegruppe unterwegs ist, in die Hand und bitte ihn, mich vor diesem Anblick aufzunehmen.

Ich vor dem Ausguckpunkt Richtung Totes Meer, Mount Nebo

Insgeheim wünsche ich mir Regen, damit die Luft klarer wird. Zweifel an meinem Plan, bis nach Umm Qais zu fahren, um den See Genezareth zu fotografieren mehren sich. Dennoch setze ich mich ins Auto und fahre los. Die Fahrt zieht sich wirklich etwas und ist leider nicht so schön, wie ich mir es erhofft habe, da man von der Straße entlang des Jordans den Fluss nie zu Gesicht bekommt. Auch das Westjordanland ist leider nur schemenhaft zu erkennen. Was mein Auge aber dann dennoch erfreut, ist die immer grüner werdende Landschaft. Immer mehr Plantagen reihen sich aneinander.

Plantagengebäude an der Route 65 im Jordantal

Durch das viele Wasser, was dem Jordan hier entnommen wird, leidet das Tote Meer, so viel weiß ich schon. Das vergisst man aber irgendwie schnell, wenn man sieht, wie viele bunte Blumen hier am Rande der Plantagen wild wachsen.

Wildwachsende Pflanzen an der Route 65 Richtung Umm Qais
Wildwachsende Pflanzen an der Route 65 Richtung Umm Qais
Wildwachsende Pflanzen an der Route 65 Richtung Umm Qais
Wildwachsende Pflanzen an der Route 65 Richtung Umm Qais
Wildwachsende Pflanzen an der Route 65 Richtung Umm Qais

Der Weg nach Norden zieht sich lang hin und zu allem Überfluss steigen die Anzahl an Checkpoints, was durch die Nähe zu den palästinensischen Autonomiegebieten, Isreal und Syrien auch nicht weiter verwunderlich ist. Ich erreiche nach einer gefühlten Ewigkeit endlich Umm Qais und kann das Auto abstellen. Beim Betreten der Ausgrabungsstätte spricht mich ein Jordanier an und fragt mich, ob ich Interesse an einer Führung hätte. Er zeigt mir seinen Ausweis, um sich als offizieller Angestellter der Stätte zu identifizieren. Ich erzähle ihm, dass ich eigentlich nur wegen des Ausblicks auf die Golanhöhen und auf den See Genezareth da bin und an keiner Führung interessiert bin. Darauf springt er an und meint, er kenne hier um die Ecke Stellen, von den sich ein wesentlich besserer Blick auf die von mir genannten Orte bieten würde und er könne mich dorthin führen. Dazu müsste man durch etliche Checkpoints fahren, durch die ein Tourist alleine nicht durchkommen würde. Ich bin zwar etwas mißtrauisch, aber ich willige schließlich ein. Wir gehen zu meinem Auto und er weist mich an, zunächst zurück zu fahren auf die Hauptstraße. An einem kleinen Feldweg meint er, ich solle hier reinfahren und schon stehen wir vor einem Checkpoint. Die jordanischen Soldaten schauen argwöhnisch, lassen uns aber durch, als sich mein Mitfahrer meldet. Nach 3 weiteren Checkpoints soll ich das Auto am Feldwegrand stehen lassen, von hier aus müssten wir zu Fuß weiter. Wir gehen ca. 5 Minuten den Berg hinunter und tatsächlich erreichen wir eine Stelle, von der sich ein toller Ausblick bietet. Zwar ist es extrem diesig, dennoch lässt sich der See Genezareth erblicken.

Blick auf den See Genezareth in Israel

Die Golanhöhen sind deutlicher zu erkennen, da sie doch etwas näher sind. Ich fotografiere die Golanhöhen und das Grenzgebiet Jordaniens zu Syrien.

Panorama der Golanhöhen und des Grenzgebietes zu Israel und Syrien

Er fragt mich, ob er Fotos von mir machen soll. Ich bejahre dies und er weist mich an wie ein Fotomodell. Allerdings ist an mir kein Modell verloren gegangen und die altbekannten Posen sind die besten.

Ich vor den Golanhöhen

Nach diesem lohnenden Ausflug fahren wir zurück nach Umm Qais. Ich erkenne die Stätte von unten und halte das Auto kurz an, um ein Bild zu machen.

Blick von unten auf Umm Qais

Auf dem Parkplatz angekommen, verhandeln wir kurz über den Preis und dann verabschiede ich mich von dem mir immer noch etwas suspekt wirkenden Jordanier. Ich eile durch die Ausgrabungsstätte und mache nur wenige Fotos.

Römische Ruinen in Umm Qais
Römische Ruinen in Umm Qais

Ich erreiche den Ausguckpunkt von Umm Qais, von dem aus man bei gutem Wetter den See Genezareth sehen kann, aber der Jordanier von vorhin hatte recht, heute ist nichts zu sehen. Selbst die Golanhöhen sind nicht so gut zu erkennen. Was 15 Minuten Fahrt so ausmachen können… Ich verlasse die Stätte und mache mich auf Richtung Jerash. Die Straßen sind in ganz Jordanien leider nicht wirklich gut ausgeschildert, was gerade für Irbid, Jordaniens zweitgrößte Stadt, gilt. Nach ca. 30 Minuten Fahrt erreiche ich diese große Studentenstadt und verfahre mich nach ca. 10 Minuten, da nicht mehr der geringste Hinweis zu sehen ist, wohin ich fahren muss. Ohne Navigationssystem ist es in dieser Stadt fast unmöglich, sich zurechtzufinden und ich bereue es jetzt wirklich, keinen Plan B für soetwas zu haben. Ich irre weitere 30 Minuten in der Stadt herum, bis ich mich entschließe, mich anhand der Sonne zu orientieren. Ich muss Richtung Süden, es ist Mittagszeit, also muss ich nur Richtung Sonne fahren. Das klapppt tatsächlich, ich finde die Ausfahrt aus der Stadt und bin aber anscheinend auf einer Ausfallstraße, die mich Richtung Amman bringt, und zwar befinde ich mich auf der Route 10. Ich drehe also um und fahre in die Gegenrichtung, ohne zu wissen, dass sie mich wieder zurück auf die Straße im Jordantal bringt. Als ich das bemerke, befinde ich mich allerdings schon wieder Richtung Süden. Da ich nur froh bin, wieder zu wissen, wo ich mich befinde, bleibe ich auf der Straße und fahre zunächst Richtung Süden. Die Entscheidung, Ajloun Castle vorzuziehen und danach nach Jerash zu fahren, kam mir dann recht schnell und biege nach ca. 45 Minuten Richtung Ajloun ab. Die Serpentinen, die hier durch die Berge hochführen, machen ziemlich Spaß, obwohl ich irgendwie Zweifel habe, ob ich hier wirklich richtig bin. Aber nach weiteren ca. 45 Minuten erreiche ich die Vorboten der Stadt Ajloun und sehe auch bald das Schild, das auf Ajloun Castle hinweist und biege entsprechend ab. Bei der Anfahrt Richtung Schloss auf der steilen Straße lässt sich die Burg bereits erkennen.

Blick auf Ajloun Castle

Ich erreiche den Parkplatz, auf dem ich das Auto abstellen kann. Er hat ein extremes Gefälle und als ich aussteigen will, fühlt es sich so an, als würde das Auto auf mich drauf kippen. Es passiert aber Gott sei Dank nichts. „Hoffentlich komme ich hier auch wieder gut weg!“, denke ich mir so. Ich schnappe mir meine Kamera und gehe Richtung Eingang. Kurz vor dem Eingang bietet sich ein toller Anblick auf das Tal, von dem ich gerade hier hinauf gefahren bin.

Blick vom Gelände vor Ajloun Castle zurück ins Tal

Die mächtigen Mauern der Burg sind schon beeindruckend.

Die Burgmauern von Ajloun Castle

Ein paar Souvenirläden lasse ich links und rechts liegen und betrete die Burg durch ein Tor…

Burgeingang von Ajloun Castle

und erreiche bald eine Art Treppenhaus.

Treppenaufgang im Ajloun Castle

Ich entschließe mich aber zunächst dieses Stockwerk zu erkunden und finde ein paar Räume, in denen immer wieder deren Geschichte bzw. die Geschichte der Burg erklärt wird. In diesem Raum wurde bei einem Angriff die Decke beschädigt und wieder instand gesetzt.

Restaurierter Saal im Ajloun Castle

Auch Räume mit offenen Arkaden und schöner Aussicht bietet die Burg.

Arkadengang im Ajloun Castle

Auf der obersten Ebene der Burg wartet aber das Highlight, der Hauptgrund, wieso ich auf Ajloun Castle aufmerksam geworden bin: Die Aussicht auf drei Wadis, die sich hier vereinen und der Burg ihre strategisch herausragende Rolle verlieh. Wer diese Burg sein Eigen nannte, der kontrollierte alle drei Wadis und damit alles Land was nördlich und östlich von hier lag. Damals waren dies Eisenminen, die für die Waffenproduktion wichtig waren. Der Ausblick, der sich von hier bietet, ist wirklich atemberaubend und eines Highlights würdig. Dieser Ausblick bietet sich Richtung Norden,…

Blick Richtung Norden vom Ajloun Castle

dieser Richtung Osten,…

Blick Richtung Osten vom Ajloun Castle

hier der Blick Richtung Süden…

Blick Richtung Süden vom Ajloun Castle

und hier Richtung Westen.

Blick Richtung Westen vom Ajloun Castle

Ich mache mich wieder auf den Weg, da ich ja noch Jerash sehe will. Ich werde das Gefühl allerdings nicht los, dass dies heute nicht mehr möglich sein wird. Als ich den Berg Richtung Ajloun herunterfahre, sehe ich im Rückspiegel, dass der Blick auf die Burg toll ist. Ich bleibe stehe, steige aus und mache nochmal ein Foto.

Blick auf Ajloun Castle

Ich durchquere die Stadt Ajloun und erreiche die Ausfallstraße Richtung Süden und es bietet sich ein wunderschöner Blick auf Ajloun Castle, der nochmal die damalig extrem hohe strategische Bedeutung der Burg für die Region hier unterstreicht.

Blick auf Ajloun Castle von der Route 55 aus

Als ich in Jerash ankomme, erfüllt sich leider meine Befürchtung, dass ich bereits zu spät bin. Die Stätte schließt um 17 Uhr und es ist kurz nach 5. Enttäuscht entscheide ich mich, etwas an den Mauer der Stätte auf und ab zu fahren, um einen Eindruck davon zu bekommen, was mir entgeht. Es sieht leider nach sehr viel aus. Da der Weg nach Madaba noch weit ist, fahre ich schweren Herzens auf die Route 35 Richtung Amman und erreiche Madaba ca. 1 Stunde später in der Dämmerung. Wie immer werde ich vom Hotelbesitzer empfangen, dem ich direkt beichte, dass ich mich nicht an seinen Plan gehalten habe und deshalb für Jerash keine Zeit mehr hatte. Ich schiebe es allerdings auf meine vergeudete Zeit in Irbid, nicht wirklich auf den viel zu weiten Weg. Er meint, ich hätte spätestens kurz nach Mittag in Jerash hätte sein müssen, da man mindestens einen halben Tag dafür benötigt. Ich erwidere, dass ich jetzt einen Grund habe, Jordanien nochmal zu besuchen und er lächelt.

Nach dem Frischmachen in meinem Zimmer gehe ich wieder etwas essen und treffe in meinem gestern kennengelernten Restaurant einen Gast aus meinem Hotel wieder. Er lädt mich ein, mich an seinen Tisch zu setzen. Wir kommen ins Gespräch, er stellt sich als Nick vor und ist aus London. Wir reden und essen viel und irgendwann kommt das Gespräch auf unseren Abreisetermin. Er will wohl auch morgen los, und zwar mit Public Transport. Ich lade ihn daraufhin auf, ihn mit meinem Auto mitzunehmen. Das wäre für ihn doch angenehmer und ich hätte etwas Gesellschaft. Wir stimmen noch unsere Reisepläne ab. Er hat keine wirklich festgelegte Route, da er für 3 Monate den mittleren Osten bereisen will, in Syrien war er schon und ist auf dem Weg Richtung Süden. Ich erzähle ihm vom Wadi Dana, meiner nächsten Station, und er meint, das würde sich interessant anhören. Also verabreden wir uns jetzt schon für morgen zum Frühstück und ziehen weiter zu einem Cafe und rauchen eine Wasserpfeiffe. Gegen 23 Uhr treibt es uns zurück ins Hotel.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 6: Mount Nebo, Umm Qais, Ajloun

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