Totes Meer

Nach einer wegen eine Mückenjagd etwas unruhigen Nacht, wache ich auf, gehe duschen und begebe mich zum Frühstück. Der Morgenkaffee schmeckt wieder ganz gut, das Fladenbrot mit Aprikosenmarmelade auch. Ich begeb mich frisch gestärkt Richtung Lobby und treffe natürlich wieder den Hotelbesitzer, der mich herzlich grüßt und mir direkt wieder zuvorkommt, indem er mich fragt, was ich denn heute unternehmen wolle. Ich teile ihm mit, dass ich diesen Tag dem Toten Meer widmen wollte und dass ich noch offen für Tipps wäre, z.B. wo ich denn am besten schwimmen gehen könnte. Ich erzähle ihm aber zunächst von meinem Plan, einen im Lonely Planet erwähnten Siq Trail an der Mündung des Wadi Mujib ins Tote Meer absolvieren zu wollen. Er sagt, dass ich das unbedingt machen müsse, das wäre wirklich sehr schön. Zusätzlich rät er mir, den Amman Beach als Badestrand zu nutzen, dort gäbe es sowohl Swimmingpools als auch einen schönen Einstieg ins Tote Meer. Dankend nehme ich die Tipps an und mache mich auf den Weg.

Zunächst steht aber die spektakuläre Panoramastraße auf dem Programm, deren oberen Teil ich ja schon am Tag zuvor Richtung Madaba gefahren bin. Heute werde ich sie in die andere Richtung fahren und habe mir ein paar Fotostopps vorgenommen. Als ich Madaba verlassen habe, steigt meine Vorfreude, da sich die Landschaft ziemlich schnell verändert.

Straße von Madaba zur Panoramastation am Toten Meer

Ich schaue zurück auf das Stück, was ich bereits gefahren bin und ich sehe das wunderschöne Farbspiel zwischen den irdenen Tönen der kahlen Berge, den vereinzelte weißen Wolken und dem blauen Himmel.

Blick zurück zur Straße nach Madaba, Totes Meer

Ich erreiche die Kreuzung, an der ich gestern nicht Richtung Totes Meer und Panoramastation abgebogen bin und sehe die Straße, die ich gestern gefahren bin.

Blick auf die Straße nach Mukawir, Totes Meer

Ich steige wieder ein und fahre dieses Mal Richtung Totes Meer und erreiche nach ein paar Minuten die Panoramastation, die sich kurz vor einem Checkpunkt befindet. Ich biege links ab und stehe vor dem Eingang. Hier muss Eintritt bezahlen, ich bezahle brav und fahre auf den Parkplatz. Die Panoramastation bietet ein umfassendes Museum über die Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft des Toten Meeres. So erfährt man, dass dem Jordan für die Landwirtschaft so viel Wasser entnommen wird, dass nicht mehr genug davon im Toten Meer ankommt. Daher ist das Tote Meer  dabei, auzutrocken und dabei noch mehr zu versalzen. Wieder einmal traurige Aussichten in diesem so trockenen Land. Wenn ich daran denke, wie oft es in Hamburg regnet, ist das für mich persönlich wirklich kaum vorstellbar, dass es soweit kommen kann.

Die Panoramastation bietet aber auch etwas Erhebendes: Die Panoramaterasse. Als erstes fällt ein Wegweiser auf, der anzeigt, welche Städte in welcher Himmelsrichtung liegen.

Himmelsrichtungskarte an der Panoramastation, Totes Meer

Und dann fällt der Blick auf dieses Panorama:

Panorama des Toten Meeres von der Terasse der Panoramastation

Leider ist es auch an diesem Tag sehr diesig, sodass das Westjordanland und damit das andere Ufer nur zu erahnen ist, obwohl das Tote Meer an dieser Stelle nur ca. 8 km breit ist. Ich fahre runter zum Ufer und bin am tiefgelegensten nicht von Wasser oder Eis bedeckten Punkt der Erde. Diese Erkenntnis ist einfach nur schön, genauso wie der Anblick.

Blick Richtung Süden am Ufer des Toten Meeres

Ich fahre Richtung Süden, dort ist die Mündung des Wadi Mujib (also der Canyon, den ich gestern noch anders gesehen habe) ins Tote Meer und der Start des Siq Trails. Dort angekommen, wird Eintritt fällig und mir wird ein wasserdichter Behälter für eine Leihegbühr von 10 Euro angedreht. Zunächst dachte ich, dass die mich wieder schön abgezogen haben… ! Auf dem Weg zum Flussufer greife ich mir noch eine Schwimmweste und streife mir den Rucksack über. Dann bietet sich mir folgenden Anblick.

Eingang des Wadi Mujib am Ufer des Toten Meer

Ich bin begeistert und fange an, den Fluss hinauf zu laufen. Der Name Siq Trail macht seinem Namen alle Ehre, da die Wände der Schlucht immer enger werden.

Felswände des Wadi Mujib flussaufwärts, Totes Meer

Dann stehe ich auf einmal vor dem ersten Hindernis, einem kleinen Wasserfall. Mit Hilfe des dort hängenden Seils soll man sich dort hoch hangeln, mir ist allerdings noch nicht ganz klar wie das gehen soll.

Erste zu überwindende Stromschnelle im Wadi Mujib, Totes Meer

Vor mir stehen eine Familie Jordanier, die mir aber deutlich machen, dass ich es ausprobieren soll. Ich nehme dankend an und setze meinen linken Fuß auf die Oberfläche des großen Steins, auf dem das Wasser ziemlich heftig herunterfließt und der sehr rutschig aussieht. Spätestens jetzt bin ich extrem froh, dass ich meine Wanderschuhe anhabe, obwohl die natürlich schon pitschnass sind. Das Wasser steht mir bis zur Hüfte und ich merke, dass die Strömung mir den Stand meines rechten Baumes nimmt. Daher entscheide ich mich möglichst schnell, das Seil zu spannen, mich in eine Trapezlage zu begeben und hoffe, dass das Seil das aushält…

Das Seil strafft sich und ächzt unter der extremen Belastung, aber es hält mich, mit beiden Füßen auf dem unteren Rand des großen Steins und in Rückenlage. In dieser Haltung den Stein zu erklimmen ist dann nur noch ein Klacks und komme wohlbehalten oben an.

Kurze Zeit später dann folgt das zweite und letzte Hindernis auf dem Weg zu einem Wasserfall, der das Ende des Siq Trails markiert.

Zweite zu überwindende Stromschnelle im Wadi Mujib, Totes Meer

Im Gegensatz zum Seil am ersten Hindernis wirkt dieses Seil alt und nicht mehr sehr stabil, allerdings ist der Felsen auch weitaus weniger hoch als das vorherige Hindernis. Ich habe beim Erklimmen keine großen Probleme und erreiche nach weiteren Windungen des Flusses den Wasserfall. Ich treffe dort zwei junge Touristen, die mich bitten, ein Foto von den beiden zu machen. Wie gut, dass sie mir den Gefallen direkt erwidern und mich fotografieren können.

Ich vor dem Wasserfall im Wadi Mujib, Totes Meer

Ich lasse das Wasser des Wasserfalls noch einige Zeit auf meinen Kopf regnen und genieße die überraschend große Strömung. Dann mache ich mich auf den Weg zur Mündung und erreiche sie ca. 30 Minuten später. Beim Hinausgehen mache ich noch ein Abschiedsfoto vom Wadi Mujib.

Ausgang der Schlucht des Wadi Mujib, Totes Meer

Ich gebe die Schwimmweste und den wasserdichten Behälter zurück, steige ins Auto ein und fahre jetzt Richtung Norden. Dorthin, wo sich alle Dead Sea Resorts befinden, und auch das Amman Beach. Auf dem Weg halte ich aber immer wieder an, weil die Landschaft einfach wunderschön ist.

Ufer des Toten Meeres auf der Fahrt nach Norden

Dann fällt mir ein Teil des Ufers auf, das vor vertrocknetem Salz ganz weiß ist.

Salzablagerungen am Ufer des Toten Meeres auf der Fahrt nach Norden

Ich lasse die Panoramastraße rechts liegen, muss aber wieder wegen der atemberaubenden Landschaft anhalten.

Ufergebirge des Toten Meeres auf der Fahrt nach Norden

Ich erreiche die Resort Area, in der sich die ganzen Luxusresorts befinden. Was sofort auffällt, sind die festungsartige Sicherheitsschleusen, die den Eingang zu den Luxushotels bieten. Ich bin ganz froh, dass ich mich für den Amman Beach entschieden habe, kommen hier doch eher Tagestouristen und Einheimische hin. Die Pool-Landschaft bietet für jeden etwas.

Swimmingpool vom Amman Tourist Beach, Totes Meer
Blick auf das Tote Meer vom Amman Tourist Beach aus

Zunächst halte ich es für einen komischen Gedanken, in einen Pool zu gehen, wo doch eines der berühmtesten Meere sich in unmittelbarer Nähe befindet. Daher steige ich die überraschend vielen Stufen hinab zum Ufer des Toten Meeres und begebe mich in die Fluten. Ich habe diese „Zeitunglesen beim Schwimmen“-Bilder nicht glauben wollen. Ich habe wirklich geglaubt, das wäre übertrieben dargestellt. Als ich mich aber im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser setze, merke ich sofort diesen enormen Auftrieb, den das extrem hohe Salzgehalt verursacht. Ich lasse mich etwas treiben, dann paddel ich etwas Richtung Mitte des Meers, um etwas Ruhe zu haben. Ich strecke mich, aber das Meer zwingt einen nach kurzer Zeit wieder in eine gemütliche Sesselposition. Einfach Wahnsinn! Als ich dann mit meiner rechten Hand über meinen linken Arm streiche, merke ich, wie glatt sich die Haut anfühlt. Jetzt verstehe ich, wieso Totes Meer-Salz gut für die Haut sein soll. Das Gefühl auf der Haut und das Gefühl der Haut ist einfach unbeschreiblich.

Als ich an Land gehe, wollte ich mich erst direkt zum Pool begeben, ändere aber meine Meinung und suche mir eine österreiche Touristin aus. Ich bitte sie, ein Foto von mir im Toten Meer zu machen. Ich gehe rein und sie macht Fotos.

Ich treibe auf der Oberfläche des Toten Meeres

Nach der Fotosession bedanke ich mich bei der Frau und erklimme die Treppen Richtung Poolbereich. Dort angekommen, springe ich erstmal in Becken und schwimme etwas. „So schwer kann man sich also im Waasser fühlen“, denke ich mir, aber dieses Gefühl hält nicht sehr lange an. Ich lasse mich von der Sonne trocknen und merke irgendwann, dass die Sonne schon ziemlich tief steht.

Sonne steht tief über dem Amman Tourist Beach, Totes Meer

Wieder ist ein toller Tag fast vorbei, ich mache mich auf den Rückweg. Allerdings hoffe ich auf ein schönes Sonnenuntergangsfoto von der Panoramastraße, allerdings zieht der Himmel genau dort zu, wo die Sonne untergehen soll. Ich fahre die Serpentinen Richtung Madaba hinauf, bemerke aber dann, dass der Himmel doch noch kurz aufreißt.

Sonnenuntergang am Toten Meer von der Panoramastraße nach Madaba aus

Ich erreiche Madaba kurz vor der Dunkelheit und bin froh, dass die Stadt nicht dunkel ist. Als ich das Hotel wieder betrete, empfängt mich auch bereits der Hotelbesitzer. Er erkundigt sich nach meinem Tag und ist sehr erfreut, als ich mit strahlenden Augen von meinen Erlebnissen erzähle. Ich komme mir fast vor, als erzähle ich meine Geschichten einem guten Freund. Dieses Hotel und vor allem sein Besitzer sind wirklich ein Volltreffer. Ich nutze noch etwas das WLAN am Abend und gehe dann ins Bett.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 5: Totes Meer

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