Wadi Dana

Die Nacht im Wadi Dana zu dieser Zeit ist sehr kalt, was man am Lagerfeuer nicht so richtig merkt. Im Zelt war ich dann aber froh, dass jeder zwei Decken gestellt bekommt, sonst hätte ich bestimmt gefroren. Am Morgen, wenn die Sonne dann ihr Werk tut, wird es schnell wieder sehr angenehm und das Frühstück lassen wir uns schmecken. Nick und ich sehen, wie andere Gäste ihre Sachen zusammenpacken und auf das Shuttle-Fahrzeug hieven. Deren Zeit ist bereits vorbei, unsere steht uns noch bevor und wir fragen in freudiger Erwartung einen Mitarbeiter, welche Wanderwege es gibt und wie lange die jeweils dauern würden. Erst hier wird mir klar, dass wir den Trail durch den Wadi Dana an sich nicht erreichen können, da er im Dorf Dana anfängt und der Ort wäre 8 km weit weg. Man hätte sich zwar vom Shuttle hochfahren lassen können und mit dem eigenen Auto dann ins Dorf, von da bis zur Feynan Eco-Lodge und dann wieder ein Shuttle zurück ins Camp. Das wäre aber viel zu aufwändig, sodass wir uns für den gestern wegen Dunkelheit abgebrochenen kurzen, ca. 1,5 Stunden dauernden Trail entscheiden, um danach über weitere Aktivitäten zu diskutieren. Nick scheint es zwar etwa besser zu gehen, aber er wirkt noch angeschlagen.

Wir machen uns also auf den Weg und sobald wir diese Aussicht haben, bin ich wieder im totalen Genußmodus. Die Szenerie ist einfach nur wunderschön.

Blick hinaus aus dem Wadi Dana Richtung Südwesten

Wir sind am südlichen Ende des Hochplateaus und stehen vor einem Abgrund, der zwar nicht besonders steil, dennoch nicht begehbar, Richtung Wadi abfällt. Der  Ausblick auf das Ende des Wadi lädt zum Träumen ein.

Blick hinaus aus dem Wadi Dana Richtung Südwesten an einer anderen Stelle

Der Weg, den man eigentlich nur anhand von Aufhäufungen von Steinen erkennt, führt dann Richtung Norden entlang des Abhangs. Das Ende des Wadi bildet das Dorf Dana, was etwas oberhalb des Tals liegt und an dessen Ortsausgang der Trail durch das schnurgerade Tal beginnt. Immer wieder bieten sich tolle Panormausblicke auf das Tal und immer wieder erwische mich bei der Frage, wie es unten wohl aussehen müsse und wie der Blick die Berge hinauf wohl sein muss. Hier und da bietet sich sogar ein Blick bis zum Talboden.

Blick hinein ins Wadi Dana
Hügel- und Buschlandschaft am Rand des Wadi Dana

Das wohl markanteste Merkmal an dieser Landschaft sind die Kalksteinfelsen, die von Wind und Wetter ziemlich skurille Formen angenommen. Die Erosion und die Natur haben wirklich ein Phäbel für Skurilles.

Kuriose Felsformationen auf dem Hochplateau

Immer wieder bieten sich tolle Ausblicke auf diese wunderschöne Berglandschaft.

Fels- und Buschlandschaft am Abhang zum Wadi Dana

Als Panorama:

Panorama vom Blick Richtung Südwesten hinaus aus die Ebene

Und um diese Augenblicke auch wirklich genießen zu können, sollte man sich auch viel Zeit nehmen. Vorteilhaft ist auch, wenn ein Begleiter einen dabei fotografieren kann, um den den Moment des Genusses auch im Bild einzufangen.

Ich vor der atemberaubenden Kulisse des Wadi Dana

Das wirklich Gute daran, sich Zeit dafür zu nehmen, die Landschaft und Ausblicke in sich aufzusaugen, ist, dass man ab und zu dafür belohnt wird und man eine seltene Beobachtung machen darf. Beim Schwelgen in die Ferne erkenne ich ein Tier, was wie der Herr über diese Landschaft thront. Ich vermute, es ist ein nubischer Steinbock.

Ein nubischer Steinbock steht auf einem Felsvorsprung, Wadi Dana

Der Anblick des steilen Abhangs hinter diesem Stein, auf dem ich gerade sitze, ist chwindelerregend. Ich merke mal wieder, dass ich zumindest nicht ganz schwindelfrei bin.

Blick von dem Stein aus hinein in eine tiefe Schlucht, Wadi Dana

Ich genieße diesen Anblick so ausgiebig, dass Nick sich genötigt fühlt, mich nochmals vor dieser atemberaubenden Szenerie abzulichten.

Ich vor der atemberaubenden Kulisse des Wadi Dana

Die kuriosen Steinformation bieten nicht nur tolle Aussichtspunkte, sie sind auch tolle Fotomotive.

Buschlandschaft vor seltsam geformten Sandsteinen, Wadi Dana

Als ich einen Blick zurück wage, merke ich, dass wir nach 3 Stunden Fußmarsch schon recht weit gekommen sind.

Blick zurück zum Rummana Camp und dessen Hausberg, Wadi Dana

Diese recht karge Busch- und Hügellandschaft bietet nicht vielen Tieren ein passendes Habitat. Nur sehr angepasste Überlebenskünstler können hier existieren. Dazu gehört auch diese Eidechse.

Echse auf dem Hochplateau des Rummana Camp, Wadi Dana

Die Landschaft ist einfach atemberaubend, ich entschließe mich ein Panoramabild zu machen. Diese Farbwechsel zwischen dem zarten Sandton der Felsen, der teilweise sehr grünen Stellen des Hochplateaus unter diesem wundervollen weißblauen Himmel sind grandios.

Panorama der Schlucht des Wadi Dana

Der Wanderweg führt uns zurück zum Camp, daher entschließe ich mich, ein letztes Foto vom nordöstlichen Teil des Wadi Danas zu machen.

Blick auf den nördöstlichen Teil des Wadi Dana
Blick auf das Dorf Dana oberhalb des Wadi Dana

Wir gehen dann gemeinsam Richtung Camp zurück, Nick scheint es wieder etwas schlechter zu gehen. Als wir das Camp erreichen, steht auch schon das Mittagessen bereit. Nach der Sättigung zieht sich Nick zurück, ihm geht’s wirklich nicht gut, hat etwas am Magen. Ich entschließe mich dazu, noch eine Wanderung zu machen, allein. Bei meinen Recherchen habe ich etwas von einem Weg zu den Bruthöhlen von im Wadi beheimateten Geiern gelesen, worauf ich einen Mitarbeiter  anspreche. Er erklärt mir, dass dieser Weg auf halber Strecke des Wanderwegs zum Dorf Dana am nordöstlichen Ende des Wadi Dana liegt. Ich lasse mir erklären, wie ich den Weg finde und breche dann sobald auf. An einem kleinen Schild erkennt man die Abzweigung vom Hauptweg, das sollte aber das letzte Schild sein, was mir begegnet. Ich mache mein erstes Bild ungefähr von dem Ort, bis wohin wir heute vormittag gekommen sind.

Tiefe Schluchten durchziehen das Wadi Dana

Ich laufe und laufe und hoffe, dass sich irgendwie erkennen lässt, wann ich die Höhlen erreiche. Der Mitarbeiter hat mir erklärt, dass irgendwann der Weg zu den Höhlen von dem Weg zu Dorf Dana abzweigt. Da allerdings die Wege schwer zu erkennen und auch nicht ausgeschildert sind, fällt es mir schwer, den richtigen Weg zu finden. Ich laufe aber weiter und weiter, da mir die Landschaft so toll gefällt und mir es eigentlich egal ist, wo ich rauskomme. Ich mache mir keine Sorgen, obwohl es schon recht spät ist. So gegen 16 Uhr bemerke ich das schöne Licht, was in das Wadi einfällt.

Blick auf das Dorf Dana im Abendlicht, Wadi Dana

Da ich das Dorf schon sehen kann und ich anscheinend die Höhlen nicht finde bzw. vermutlich schon daran vorbei gelaufen bin, entschließe ich mich, den Weg durchzuziehen, ohne mir Gedanken zu machen, wie ich wieder zurückkomme. Ich mache noch eine Nahaufnahme von Dana…

Nahaufnahme des Dorfs Dana im Abendlicht, Wadi Dana

und gehe dann weiter. Auch in diesem Teil des Wadi gibt es immer wieder diese seltsam, von der Erosion so geformten Steinformationen.

Seltsame Felsformationen, Wadi Dana

Nach einer weiteren Stunde wachsen langsam meine Sorgen, es ist schon nach 17 Uhr und es fängt an zu dämmern. Ich kann nicht wirklich abschätzen, wie weit es noch ist und wie lange ich noch brauchen würde. Es ist schon recht dunkel, sodass meine Kamera kein vernünftiges Bild vom Wadi hinbekommt.

Blick entlang des Wadi Dana in der Abenddämmerung Richtung Südwesten

Als ich das letzte Bild gemacht habe, bemerke ich eine kleine Gruppe von Menschen. Ich habe sie gehört und versuche sie nun zu finden, da ich mir erhoffe, dass sie mich ins Dorf führen kann. Die Gruppe besteht aus einem älteren Jordanier, ein Einwohner des Dorfes, und einer jungen, hübschen Belgierin. Wir stellen uns kurz vor und sie uns ich kommen ins Gespräch. Sie ist sehr nett, kann mich aber leider nicht mehr an ihren Namen erinnern. Wir gehen gemeinsam zurück in ihr Hotel und den ganzen Weg über denke ich mir, wie froh ich bin, diese beiden getroffen zu haben. Ich hätte hier nicht zurückgefunden, vor allem nicht im Dunkeln. Als wir dann in ihrem Hotel ankommen, fragt mich der Hoteleigentümer, wie ich gedenke, wieder zurück zum Rummana Camp zu kommen und ich sage, dass ich es nicht wisse. Er bietet mir an, mich für ein kleines Entgelt zum Besucherzentrum zu fahren. Ich nehme das Angebot dankend an, wohl wissend, dass damit leider die schöne Bekanntschaft ein jähes Ende findet.

Der Eigentümer fährt mich als mit seinem Auto zum Camp zurück, wo auch schon das Shuttle und ein mies gelaunter Mitarbeiter mich in Empfang nimmt. Mir werden die Leviten gelesen, dass normalerweise im Dunkeln keiner mehr ins Camp fährt und was ich mir bei diesem Stunt gedacht hätte. Ich muss leider zugeben, dass ich mir recht wenig dabei gedacht habe und dass es hätte auch anders enden können. Ich schüttele den Gedanken aber ab und bin pünktlich zum Abendessen wieder an unserem Zelt. Nick geht es anscheinend auch wieder etwas besser und fragt mich aus über diesen Trip. Ich erzähle ihm alles und am Lagerfeuer des Camps lassen wir den Tag unter dem tollen Sternenhimmel ausklingen.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 8: Wadi Dana

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