Ai-Ais, Aussenkehr und Aus

Etwas verkatert wache ich auf, gehe nach einer Dusche aber gutgelaunt in den Essensraum und beginne sogleich zu essen. Zwei Tische weiter erblicke ich die Jungs von gestern und grüße freundlich. Sie grüßen freundlich zurück, auch ihnen ist der gestrige Abend etwas ins Gesicht geschrieben. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns voneinander und brechen in genau unterschiedliche Himmelsrichtungen auf, die 5 fahren nach Norden Richtung Windhoek, ich fahre zunächst nach Süden Richtung Ai-Ais und vor Aussenkehr dann die C13 (oder auch D212) durch den Ai-Ais/Richterfeld-Transfrontier-NP, dann wieder nach Norden an Rosh Pinar vorbei nach Aus (Klein Aus Vista ins Desert Horse Inn). An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an die Mitglieder dieses Forums, diese Strecke habe ich nur deswegen in Erwägung gezogen, da ich hier gelesen habe, wie toll die Landschaft sein soll.

Mit entsprechend hohen Erwartung und genügend Zeit breche ich auf, nur um dann immer wieder anzuhalten, auszusteigen und die Landschaft zu forographieren. Diese Landschaft ist für Panorama-Verrückte wie mich eine wahrhafte Goldgrube. Ich glaube, ich habe in den letzten zwei Tage nur ein Bild gemacht, was für sich alleine stehen kann. Rundum den Canyon ist die Landschaft noch sehr hügelig, wie man hier

Hügellandschaft an der C13 vor dem Fish River Canyon

und hier erkannen kann.

Großes Panorama der Hügellandschaft am Fish River Canyon, C13

Dann ändert sich die Landschaft mal wieder, wieder ohne Vorwarnung. Eigentlich eine Frechheit, aber ich genieße es dermaßen, dass ich schon wieder aussteigen muss und diesen seltsamen Hügel fotographieren muss, der sich als einziger gegen die flache Ebene zur Wehr setzt.

Großes Panorama einer flacheren Ebene mit alleinstehendem Berg, C13

Dann stehe ich an einer Kreuzung, nehme den richtigen Abzweig (ich liebe Namibia schon jetzt für die gute Ausschilderung. Jordanien, nimm Dir ein Beispiel daran!) und sehe zurück in die Ebene, die ich gerade durchfahren habe. Ich kann nicht anders als wieder auszusteigen und diese tolle Landschaft nochmals aufzunehmen.

Der Blick zurück entlang der D316 auf die Hügellandschaft am Gamchab
Die D316 und der alleinstehende Berg umgeben von Sandebene

Ich sauge diese wüstenhafte Landschaft in mich aus, als ich an einem merkwürdig geformten Hügel vorbeifahre, der aussieht, als hätte hier ein Riesen-Italiener 4 Eiskugeln aus Sand und Stein in die Wüste gesetzt. Ich entschließe mich, auszusteigen und den Hügel zu besteigen, da ich erahne, dass der Blick von da oben vielleicht „ganz nett“ sein würde.

Urteilt selbst:

Panorama der Bergkette am Fuße des Gamchab Rivers mit Blick nach Westen

Nach dem kleinen „Ausflug in Berge“, erreiche ich die Abzweigung nach Aussenkehr bzw. Rosh Pinar. Auch hier begrüßt mich die Landschaft mit einem tollen Anblick.

An der Kreuzug der C37 und der C13/D212 mit Blick nach Norden

Die Straße führt um die im Bild zusehenden Hügelketten und erreicht dann den Orange-River, der Wasser führt. Ich denke, „Juchu, endlich mal ein Fluss, der Wasser führt“ und muss das natürlich sofort fotographieren.

Großes Panorama vom Orange River entlang der D212

Nach ca. 10 km entlang des Flusses entfertnt sich Straße etwas vom Fluss und überlässt dem Mt. Stromberg den Platz am Fluss. Aber nach weiteren ca. 10 km vereint sich das, was zusammengehört und dort mündet dann der Fish River in den Orange River. Der Fish River sieht um diese Zeit des Jahres wirklich bemitleidenswert aus und ich bemerke erste Zweifel daran, dass dieses jämmerliche Rinnsal jemals einen so großen Canyon schmieden konnte.

Fish River-Überquerung im Ai-Ais Nationalpark entlang der D212
Ufer des Fish Rivers und die Brücke darüber im Ai-Ais Nationalpark

Ich entdecke einen weißen Fischreiher und bete, dass er auch genug zu fressen findet. Als ich an den Fluss trete, um ihn zu fotographieren, sehe ich viele kleine Fischchen im Wasser und bin erleichtert.

Fischreiher am Fish River im Ai-Ais Nationalpark

Aber nicht nur tierisches Leben profitiert hier von dem ganzjährig genährten Fluss, auch bunte Blumen zieren immer wieder den Straßenrand.

Blumen- und Buschlandschaft vor Hügel im Ai-Ais Nationalpark

Die Landschaft ist so wunderschön, dass ich mich frage, wieso dieser Nationalpark komplett kostenlos ist. Ich bin mehr als froh, dass ich dem Wärter beim Reinfahren dennoch zumindest etwas Geld (ich glaube 30 Nam$) gespendet habe. Ja, das waren seine Worte: „Eintritt frei, aber Sie können gerne etwas spenden!“. Dieser Bitte kam ich nach und bin froh, dass ich es gemacht habe.

Zur späten Mittagszeit erreiche ich dann Rosh Pinar, halte an der Tankstelle, um mir eine Erfrischung und etwas zu essen zu kaufen. Die Würstchen im Schlafrock lass ich mir dann auf der frischgeteerten Straße schmecken und erreiche Aus gegen 16 Uhr. Ich checke ins Klein Aus Vista Hauptgebäude ein und erfahre, dass heute keine Nature Drives mehr gemacht werden, da es keine anderen Interessenten gibt. Stattdessen erzählt er etwas von den Walking Trails in die Aus Mountains. Ich entscheide mich aber dafür, ein bisschen selber über das Farmgelände zu fahren und das war eine tolle Entscheidung (wenn ich mich mal selber loben darf 😀 !).

Zunächst erreiche ich die Geisterschlucht, in der sich eine Lodge für Selbstversorger befindet. Der Blick von einer etwas erhöhten Stelle zurück auf die Ebene war atemberaubend.

Blick zurück auf die Ebene vor der Geisterschlucht, Klein Aus Vista

Danach halte ich an dem Auto an, das am Eingang zur Geisterschlucht liegt, und denke mir, „Das ist bestimmt ein tolles Motiv, aber ist bestimmt schon 1000 Mal so fotographiert worden!“.

Sonnenuntergang am Auto vor der Geisterschlucht, Klein Aus Vista

Ich fahre nur ein kleines Stückchen weiter und bemerke, wie toll diese sehr flache Grasebene zusammen mit den wenigen Bäumen im Abendlicht aussieht und habe weitere Motive gefunden.

Panorama von der Abendstimmung einiger Bäumen in der Graslandschaft, Klein Aus Vista

Am Horizont ist ein leichter Hauch von Nebel zu erkennen und ergibt mit den leicht versetzten Hügel eine wunderbare Farbstimmung, die ich mit dem Zoom einzufangen versuche.

Nahaufnahme des Abendlichts in der ebenen Gras- und Hügellandschaft, Klein Aus Vista

Auf dem Weg zurück zum Haupthaus sehe ich im Rückspiegel, wie anscheinend der Horizont in Flammen steht.

Landschaft in Abendröte nach Sonnenuntergang, Klein Aus Vista

Im Dunkeln erreiche ich mein Chalet und stelle das Auto ab. Es hat für heute genug gearbeitet und ich bin ihm dankbar, wie er mich heute durch die wunderbare, aber extrem einsame Gegend getragen hat, ohne irgendwelche Zicken gemacht zu haben. Ich mache mich essensfertig und betrete den Essensraum. Hier erlebe ich zum ersten Mal seltsame Blicke von allen Anwesenden. Ich erkenne Unverständnis (oder gar Mitleid), dass ich alleine bin. „Ich brauche Euer Mitleid nicht, ich fühle mich wohl!“, denke ich mir und setze mich an meinen Einzeltisch. Das üppige Abendessen wird als Büffet serviert und nehme natürlich nochmal nach. Das leckere Oryx im Blääterteigmantel musste einfach verspeist werden… ! Nach einem kleinen Besuch in der wirklich gemütlichen Bar (die allerdings komplett leer war!) und im Internet, gehe ich zurück in mein Chalet, aber nicht ohne Betthupferl. Außerdem versuche ich abermals den tollen Sternenhimmel zu fotographieren und als ich das Ergebnis sehe, bin ich begeistert.

Sternenhimmel über meinem Zimmer im Desert Horse Inn kurz nach Sonnenuntergang

Dann ist das letzte Bier getrunken und der Herr, der es getrunken hat, entsprechend müde. Ich schmiede noch den Plan, morgen den langen Trail (ca. 10 km) zu nehmen, quasi als Dankeschön für diesen tollen Tagesabschluss.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 5: Ai-Ais - Aus

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