Anib Kalahari Lodge bis Ketmanshop

Ich quäle mich um 5:30 aus dem Bett, ich hasse den Wecker schon jetzt, ist mir doch wohl bewusst, dies wird definitiv nicht das letzte Mal sein, dass ich so früh aufstehen muss. Ich bin halt doch eher ein Spätmorgentyp :) ! Ich entscheide mich für eine kurze Dusche und komme pünktlich um kurz vor 6 zur Rezeption. Ich erschrecke mich kurz, da niemand da ist. An der Bar treffe ich dann ich jemanden und erkundige mich nach dem morgendlichen Game-Drive. Der nette Mann von der Bar geht kurz weg, um nachzusehen, ob sie überhaupt stattfindet. Er kommt mit der Hiobsbotschaft zurück, es gäbe keine Reservierungen. Ich mache deutlich, dass ich ihn am Vortag gebucht habe und dass ich ihn gerne auch machen würde, da ich schon den abendlichen Game-Drive verpasst hatte. Der Mann versucht, einen willigen Guide zu finden und zu meiner großen Freude findet er jemanden, der dann auch nach ca. 10 Minuten vorfährt. Er begrüßt mich sehr herzlich und lädt mich ein, mich vorne in die Kabine zu ihm zu setzen anstatt hinten auf dem Overlander Platz zu nehmen. Es hat halt seine Vorteile, alleine auf einen Game-Drive zu gehen und ich sage, dass ich ihm sehr dankbar bin, dass er sich die Zeit nimmt, alleine mit mir rauszufahren. Erschreckend logisch meint dann zu mir, dass er wesentlich lieber rausfährt als in seiner Butze zu sitzen und sich zu langweilen. Das nenn ich mal eine klassische Win-Win-Situation 😀 !

Um 6:30 fahren wir dann los, es wird zwar schon hell, die Sonne hat es aber noch nicht über den Horizont geschafft. Wir fahren auf eine Düne und kaum sind wir da, lässt sich die Sonne auch schon blicken. Ich muss allerdings noch lernen, wie man das fotographiert… :) ! Der Guide, dessen Name ich auch leider wieder vergessen habe *grummel*, reicht noch passend zu den 6-7°C eine heiße Schokolade, bevor wir von der Düne runterrollen und über das Gelände der 10.000 Hektar großen Farm fahren. Auch im sanften Morgenlicht sieht die Landschaft einfach nur fantastisch aus. Uns laufen zahlreiche Tiere über den Weg…

Springbock beim morgendlichen Game-Drive, Kalahari Anib Lodge

und ich sehe endlich meinen ersten Strauß.

Weiblicher Strauß beim morgendlichen Game-Drive, Kalahari Anib Lodge

Wie mir der Guide erklärt, ist es ein Weibchen, zu erkennen an dem gräulichen Gefieder, im Gegensatz zu dem schwarzen Gefieder der Männchen. Es ist schon sehr witzig, alleine mit dem Guide zu fahren, denn er scheint sehr viel zu wissen. Ich erkundige mich, woher er sein Wissen hat und ich erfahre verwundert, dass man „Tourguide“ in Namibia studieren kann. Finde ich aber klasse und wir plaudern darüber, was alles dazu gehört und dass Seminare (so wie ich sie von der Uni kenne) sich halt meistens draußen abspielen. Das ist echt der Hammer, man lernt sogar 4×4-Fahren. Immer wieder halten wir an, wenn wir Tiere sehen.

Kuhantilopen beim morgendlichen Game-Drive, Kalahari Anib Lodge

Ich konnte auch ein bisschen mit meinem Zoom arbeiten, obwohl das kaum nötig war.

Nahaufnahme des Oryx, Kalahari Anib Lodge

Dann fahren wir in einen kleinen Seitenweg hinein und bleiben in etwas stehen, was wie ein Wendekreis aussieht. Ich sehe an einer Seite viele große Eier liegen und mir wird erklärt, es handele sich um Straußeneier. Ich frage ihn, ob es sich um verwaistes Nest handeln würde, was er bejahte. Als er mich dann bat, ich solle ihm meine Kamera geben und mich auf die Eier drauf stellen, zögere ich kurz und frage, ob er sich damit sicher sei. Ich wusste zwar, dass Straußeneier sehr stabil sind, aber ob sie mich aushalten würden, wagte ich doch zu bezweifeln. Aber er meint, er wäre sich da sicher und er machte einen sehr sicheren Eindruck dabei, also tu ich, wie mir geheißen wurde.

Ich stehe auf den Straußeneiern. Mensch, sind die stabil!

Wir steigen wieder ein und fahren weiter, bis wir einen breiten, ausgetrockneten Fluss erreichen. Darin treiben sich ein paar Strauße rum, werden von uns aufgeschreckt und laufen vor uns weg.

Fliehende Strauße beim morgendlichen Game-Drive, Kalahari Anib Lodge

Kurze Zeit später taucht ein Gnu auf und der Guide murmelt: „Wo sind denn Deine Freunde“, nach weiteren 2 Minuten haben wir sie gefunden und ich sehe meine erste (kleinere) Gnu-Herde.

Nahaufnahme einer Gnus und einer Kuhantilope

Der morgendliche Drive neigt sich langsam dem Ende zu, es ist schon fast 9 Uhr. Mir wurde vorher versichert, dass das Frühstück für alle Teilnehmer des Drives nicht verfällt und ich habe auch einen Mordshunger, als der Guide mich vor der Lodge absetzt. Ich frühstücke ordentlich und ausgiebig, sitze dabei alleine im Essensraum, da alle schon gefrühstückt haben. Danach checke ich aus und fahre Richtung Ketmanshoop.

Die B1 zwischen Mariental und Ketmanshoop ist ziemlich langweilig. Ich überlege, ob ich zum Brukkaros-Vulkan fahre und entscheide mich dagegen, da ich befürchte, dass es nach der Wanderung zum Kraterrand zu spät werden könnte, Ketmanshoop im Hellen zu erreichen. Stattdessen fahre ich zur Pension Gessert und will erst dort einchecken. Mitten in Ketmanshoop steht an einer Ampel ein Polizeiwagen neben mir und lässt dann kurz die Sirene aufheulen und deutet mir an, ich solle ihm folgen. Ich denke, „Shit, was habe ich denn jetzt falsch gemacht?“, fahre ihm aber hinter her, praktischerweise direkt vor das Polizeirevier. Ich halte an, ein Polizist steigt aus und schreibt mir einen Strafzettel auf seinem Auto, aber ohne mir zu bedeuten, dass ich aussteigen bzw. mich rechtfertigen soll. Ich steige aus und gehe auf ihn zu, grüße ganz freundlich und frage, ob er mir erklären könne, was ich denn falsch gemacht hätte. Er sagt, ich hätte an der Ampel auf einer gekennzeichnete Fläche gestanden, auf der ich nicht hätte stehen dürfen. Es sollte mich 750 Nam$ kosten, wie gut, dass ich gerade erst Geld geholt hatte. Der Polizist bittet mich, direkt in der Station bezahlen zu gehen. So sehe ich also meine erste Polizeistation von innen. Das Ausfüllen der Formulare und das Bezahlen geht recht schnell, blöd nur, dass ich nur 800 Nam$ geben konnte und kein Wechselgeld in der Kasse ist. So ist der Polizist gezwungen, irgendwo Wechselgeld aufzutreiben und dies dauert länger als der ganze organisatorische Kram. Nun ja, das ist wohl auch Afrika :) !

In der Pension Gessert angekommen, erzählt ich dem Gastgeber diese Geschichte, die er empört mitanhört. Er zeigt mir das Zimmer, ich entlade meine Sachen und lese im Lonely Planet vom Giant’s Playground. Da es noch recht früh ist, entscheide ich mich, dort hinzufahren. Ich wandere ein bisschen in der „Bauklötzen der Riesen“ umher, empfinde es aber nicht als überspanned.

Panorama vom Giant's Playground mit Köcherbäumen, Ketmanshoop
Panorama vom Giant's Playground inklusive Hügellandschaft, Ketmanshoop

Allerdings finde ich die Köcherbäume doch spannender und vor allem fotogener als erwartet. Mit dem blauen Himmel im Hintergrund spielt dieser Baum wirklich perfekt.

Köcherbäume im Giant's Playground, Ketmanshoop

Nach dem Ausflug zum Giant’s Playground soll noch die Fütterung der aufgefangenen Geparden stattfinden, also fahre ich zurück zum Hauptgebäude des Rest Camps. Nach kurzem Warten geht’s dann ins erste Gehege zu zwei männlichen, recht jungen Geparden, die sich gierig über das Fleisch hermachen und uns nicht beachten.

Zwei männliche Geparden bei der Fütterung, Quivertree Forest Rest Camp

Im zweiten Gehege befinden sich zwei weibliche Geparden, die auch schon hungrig vor dem Eingangstor auf und ab marschieren. Allerdings scheinen sich weibliche Geparden nicht so gut zu vertragen wie ihre männlichen Pendants. Drum darf immer nur eine auf das Podest zum Fressen.

Nahaufnahme der Gepardin bei der Fütterung, Quivertree Forest Rest Camp

Nachdem die Fütterung vorbei ist, fahre ich zurück nach Ketmanshoop und frage den Gastgeber, wo ich denn etwas essen könne. Er empfiehlt mir das Schützenhaus. Ich bedanke mich für den Tipp und fahre dort hin. Ich bestelle mir einen Game-Spieß (weiß nicht mehr genau was) und bekomme eine Riesenportion, die sogar mich an meine Grenzen bringt. Nach diesem üppigen Mal falle ich müde ins Bett, surfe noch etwas dank des WLANs und freue mich auf den nächsten Tag, denn da steht das erste wirkliche Highlight auf dem Programm, der Fish River Canyon. Obwohl ich mich bereits jetzt frage, wie viel schöner die Landschaft noch werden soll.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 3: Kalahari Anib Lodge - Keetmanshoop

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