Cape Cross Seal Reserve

Etwas länger geschlafen als die vorherigen Tage, bewege ich mich um 8:15 zum Frühstück, wo schon einiges los ist. Nicole fragt, wie ich meine Frühstückseier haben möchte und ich antworte wie üblich, dass es Rührei sein soll und bedanke mich. Es folgt das übliche Kennenlernspielchen, da ich mich noch nicht mit allen Gästen unterhalten habe. Ich sitze mit einem Päarchen am Tisch, die eine tolle Tour von Botswana zum Ethosha und dann unten rum zurück nach Windhoek machen und schwärmen mir von einer Lodge in Botswana vor. Ich erzähle zum gefühlten 1000. Mal, dass Botswana als oberstes auf meiner Afrikareiseplanung stand, man es aber nicht so gut alleine machen kann etc. Aber die beiden schaffen es, mir Botswana noch schmackhafter zu machen, als es eh schon ist.

Nach dem Frühstück erkundige ich mich bei Nicole nach dem Waschservice. Sie meint, dass sie in dieser Jahreszeit die Wäsche nie trocken bekommt und es deshalb keinen Service gibt. Ich müsse die Wäsche in eine Wäscherei bringen, sie empfiehlt mir auch direkt eine. Die Bekanntschaft vom gestrigen Abend bittet mich, den Familienwäscheberg mitzunehmen, da es ihr nicht gut geht. Ich erkläre mich natürlich bereit dazu und lass mir von Nicole noch kurz erklären, wie ich am besten zur Wäscherei fahre. Ich setze mich also ins Auto und fahre zur Wäscherei. Dort angekommen werde ich auf Deutsch begrüßt und gebe die Wäsche ab. Die Wäscherei liefert die Wäsche direkt ins B&B, was ich grandios finde. Ich bedanke und verabschiede mich. Da das Veronika`s (noch) kein WLAN anbietet, mache ich mich als nächstes auf die Suche nach einem Internetcafe mit WLAN. Vor dem Brauhaus treffe ich Sebastian und Marlies wieder und wir setzen uns ins Brauhaus, um einen Kaffee zu trinken. Was für eine blöde Idee, in einem Brauhaus Kaffe zu trinken…! Aber selbst die unfreundliche Bedienung kann unsere Wiedersehensfreude nichts anhaben und wir verabreden uns für 14 Uhr, um gemeinsam auf eine Tour zu fahren, entweder den Welwitscha Drive oder nach Cape Cross. Denn die beiden müssen mit Air Namibia aushandeln, was es für die beiden bedeutet, dass die Airline mal eben kurz den Flug von einem Nachtflug zu einem Tagflug macht. De facto haben die beiden einen ganzen Tag weniger und das muss natürlich umgeplant werden. Ich find’s echt frech von Air Namibia, dass die sowas überhaupt dürfen und hoffe nur, dass die sowas mit mir nicht machen.

Ich suche aber vorher noch das Internetcafe auf, muss ja in der Heimat mal wieder ein Lebenszeichen von mir geben, sonst machen die sich noch Sorgen. Wie immer muss ich mich extrem anstrengen, meinem Drang, die schönsten Bilder auf Facebook posten zu wollen, nicht nachzugeben. Die Daheimgebliebenen haben das Anrecht auf einen schönen Bilderabend, der schon zur Tradition geworden ist. Ich poste also eins der Bilder aus den Tirasbergen, ohne zu wissen, was dieses Bild auslösen sollte (vgl. Bericht vom 13. September). Die halbe Stunde Internet kostet 20 Nam$, nun ja, das war’s mir aber wert. Sebastian, Marlies und ich hatten ausgemacht, uns vor dem Air Namibia-Büro wieder zu treffen und die beiden sind auch noch drin und diskutieren mit den Mitarbeitern. 20 Minuten später kommen sie sichtlich entnervt, aber dennoch beruhigt aus dem Büro, da wohl alles geklärt ist. Wir steigen gemeinsam in deren Auto und fahren los.

Während der Fahrt entscheiden wir uns dann, nach Cape Cross zu fahren und den Robben dort einen Besuch abzustatten. „Ab in den Mief“, sage ich und alle schmuzeln und befürchten Schlimmstes. Ich bedanke mich schon mal dafür, dass ich das Auto heute stehenlassen und mich einfach mal fahren lassen darf. Ich genieße es auch, zum ersten Mal in einem Hilux zu setzen und merke schon nach wenigen Kilometern, dass dieser Wagen nochmal ganz was anderes in Punkto Fahrkomfort ist als mein X-Trail. Auf der Fahrt stelle ich fest, dass ich von der Landschaft und der Straße etwas enttäuscht bin, da die Straße schon sehr weit weg vom Wasser ist und sich keine schöne Dünenlandschaft Richtung Landesinnere befindet. Dann erkenne ich am Horizont etwas Großes am Strand. Als wir näherkommen, erkenne ich ein Schiffswrack.

Ausgebranntes Wrack auf der Küstenstraße Richtung Cape Cross

Es handelt sich wohl um eine erst vor kurzer Zeit verunglücktes Schiff, bei dessen Unfall es sogar Tote gegeben haben soll. Die Bergung ist – wie das weiße Zelt am Bug zeigt – noch nicht ganz abgeschlossen.

Nach etwas über einer Stunde Fahrzeit biegen wir dann zum Seal Reserve von der Hauptstraße ab und die Landschaft hat sich schon etwas verschönert. Wie mir später erzählt wird, soll’s auch weiter nördlich wieder richtig schön und einsam sein. Nach dem Erwerb des Permits fahren wir noch ein Stück bis zum Parkplatz weiter und als ich die Tür aufmache, bin ich auf das Schlimmste gefasst. Da es aber sehr windig ist – zumindest vermute ich das -, hält sich der Gestank noch sehr zurück. Erst als wir uns den Tieren auf dem Steg nähern, beginnt es zu stinken, aber bei weitem nicht so schlimm, wie wir alle das befürchtet haben. Diese schiere Menge an Tieren beeindruckt mich schon.

Panorama der Robbenkolonie von Cape Cross

Das Faulenzen dieser Tiere ist immer wieder süß.

Mama und Baby Robbe beim Faulenzen, Cape Cross

Und wenn man nicht durch kommt, geht mal hat buchstäblich „drüber weg“:

»Drunter und Drüber« wird hier sehr wörtlich genommen, Cape Cross

Ich weiß nicht, was witziger ist, die Haltung der Mutter oder die des Jungen:

Babyrobbe beim Säugen, Cape Cross

Ich find’s schon toll, wie nah man den Tieren auf dem Steg kommt.

Robbengruppe direkt neben dem Steg, Cape Cross

Da kann man schon von „Aug in Aug“ sprechen, oder?

Anscheinend mag die Robbe die Nähe nicht so ganz, Cape Cross

Die beiden können sich wohl „gut riechen“:

Die beiden Robben können sich sehr gut riechen, Cape Cross

Gruppenkuscheln!

Massenfaulenzen großer und kleiner Robben, Cape Cross
Muss das gemütlich sein: Junge Robben beim Faulenzen, Cape Cross

Die Bullen sind auch schon da:

Dieser Bulle zeigt, dass er schon da ist, Cape Cross

Nochmal zur Veranschaulichung, wie viele Tiere da wohl sein mögen:

Gruppenbild der Robbenkolonie am Cape Cross

Zum Fressen gerne:

Manche Robben haben sich zum Fressen gerne, Cape Cross
Manche Robben verbeißen sich auch in einander, Cape Cross

Es ist doch recht frisch durch den starken Wind und Sebastian schlägt vor, dass wir jetzt wieder zurück nach Swakopmund fahren sollten, sonst schaffen wir es nicht mehr vor der Dunkelheit. Wir steigen also ein und fahren zurück. Kurz bevor wir die Hauptstraße erreichen, hält Sebastian ziemlich abrupt an und wir sehen einen Springbock. Ich wollte schon fragen, wieso er anhält, es sei ja „nur ein Springbock“, da sehe ich was es wohl vorhat und schnappe mir die Kamera:

Springbock verrichtet Geschäft vor dem Reservatgelände am Cape Cross

„Ich würde nicht gerne beim Geschäft fotographiert werden“, denke ich, aber wir lachen uns ziemlich kaputt, zugebebermaßen mit leichtem schlechten Gewissen. Wir biegen auf die Hauptstraße Richtung Süden ab und fahren bald etwas schneller. Dann ruft Marlies plötzlich: „Stopp, halt mal kurz an, bitte!“ und Sebastian bremst ziemlich stark. Sie sagt, sie hätte auf der Beifahrerseite etwas gesehen und ich schaue aus meinem Fenster, da ich auf der Beifahrerseite hinten sitze, und sehe, was Marlies meint: Einen Schakal.

Schakal in der Nähe von Cape Cross

Allerdings ist er ziemlich weit weg und meine Kamera kommt an seine Zoom-Grenze, schlimmer noch, der Schakal entfernt sich von uns.

Schakal entfernt sich von uns in der Nähe von Cape Cross

Nach 50 Fotos von meinem ersten Schakal in freier Wildbahn fahren wir weiter, als rechts von uns ein weiteres Schiffswrack auftaucht. Auf der Hinfahrt haben wir das wohl übersehen, sodass wir jetzt anhalten.

Wrack am Strand der Küstenstraße C34, Cape Cross

Ich frage Sebastian, ob wir nicht näher ranfahren können, er aber entscheidet sich dafür, vernünftig zu sein, da es schon recht spät ist und es nicht mehr lange hell ist. Tatsächlich kommen wir im Dunkeln in Swakopmund an und wir entscheiden uns, direkt etwas essen zu gehen. Wir fahren zum Leuchturm und essen dort ein Oryx-Steak, was im Angebot ist. Es schmeckt ausgezeichnet und ich beschließe schon jetzt, das ich hier nochmal hingehen werde, auch wegen des tollen Ausblicks aufs Meer. Als wir das letzte Bier trinken, ist uns schon wieder klar, dass wir uns erneut Lebewohl sagen müssen, da die beiden morgen früh schon wieder weiterfahren. Wir würden uns frühestens in Etosha nochmal über den Weg laufen oder eher fahren, da wir leider an keinem Tag in der gleichen Lodge sein werden. Wir verabreden lose, Ausschau nach den anderen zu halten und gehen erneut getrennte Wege.

Nach den eher lauen ersten anderthalb Tagen in Swakopmund freue ich mich jetzt aber auf die beiden Touren, die in den nächsten Tagen auf mich warten.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 14: Cape Cross

Leave a comment