Etosha, Tag 5

Heute ist mein letzter ganzer Tag in Etosha und ich will mich kurz vor Sonnenaufgang auf den Weg in die nördlich von Okaukuejo gelegenen Wasserlöcher machen, da dort gestern eine große, 13-köpfige Löwenfamilie gesehen worden ist. Angefixt vom gestrigen Katzenglück werde ich aber schon früh gebremst: Das Tor ist noch zu und ich muss noch warten, bis es aufgeschlossen wird. 20 Minuten später ist es dann so weit und fahre raus, biege nach links ab und sehe einen wunderschönen Sonnenaufgang.

Sonnenaufgang auf dem Weg nach Okondeka, Etosha Nationalpark

Da ich aber keine Minute am Wasserloch Okondeka verpassen möchte, halte ich nicht an, um dieses Foto zu machen. Daher ist es leider nicht ganz so schön wie die Realität. Vor mir fahren einige Fahrzeuge, die wohl auch von den Katzen im Norden gehört haben, denn restlos alle fahren durch nach Okondeka. Ich schließe mich also an und am Wasserloch angekommen, schnappe ich mir mein Fernglas, da das Wasserloch komplett verwiast ist. In den umliegenden Büschen und Bäumen (wovon es nicht viele gibt!) suche ich nach verdächtigen Bewegungen, kann aber nichts erkennen. Nach einer Dreiviertelstunde des Wartens geht mir die Geduld aus, der Hunger übermannt mich und ich fahre zurück nach Okaukuejo, um zu frühstücken.

Nach der frischen Stärkung ist meine Motivation wieder da, auf Löwensuche zu gehen und fahre erneut in den Norden. Dieses Mal bin ich aber deutlich offener für „Nicht-Katzen“-Begegnungen. Als mir diese beiden Erdhörnchen über den Weg laufen, schnappe ich mir die Kamera. Die beiden stellen sich als sehr fotogen heraus.

Zwei Erdhörnchen auf dem Weg nach Okondeka, Etosha Nationalpark

Der eine zeigt mir seine Schokoladenseite,…

Erdhörnchen auf dem Weg nach Okondeka, Etosha Nationalpark

der zweite hält sich da deutlicher „bedeckter“.

Erdhörnchen auf dem Weg nach Okondeka, Etosha Nationalpark

Als ich weiter gen Norden fahre, ist es so, als würde man einer Karawane von Tieren folgen. Auf der linken Straßenseite fahre ich seit gefühlten 10 Minuten an einer Riesenherde Springböcke vorbei, etwas weiter im Hintergrund ziehen viele, viele Zebras in die gleiche Richtung wie ich. Als ich wieder in Okondeka ankomme, sehe ich eine Riesenherde Gnus ankommen. Die schiere Anzahl der „üblichen Verdächtigen“ beeindruckt mich nachhaltig.

Großes Panorama des Wasserlochs Okondeka in der Salzpfanne, Etosha Nationalpark

Auf kein Panorama aus dieser Perspektive passen alle Tiere, sodass ich nur einen Ausschnitt knipse.

Panorama des Wasserlochs Okondeka in der Salzpfanne, Etosha Nationalpark

Meine Planung weißt ab morgen eine flexible, aber mich gerade beunruhigende Leere auf, die ich gerne füllen würde. Der Drang, die nächsten drei Tage zu planen, führt mich zurück nach Okaukuejo, wo ich mir den Lonley Planet schnappe und mich ans Wasserloch setze. Dort begegne ich den Australiern, die ein paar Tierbilder machen wollen. Wir kommen ins Gespräch und sie sagen mir, dass sie erst heute Nachmittag nochmal rausfahren wollen. Ich frage, was sie bis dahin denn so vorhaben und sie antworten, dass sie sich an den Pool setzen wollen. Irgendwie kommt mir der Gedanke komisch vor, sich in einem so tollen Nationalpark tagsüber an den Pool zu setzen, ich schließe mich aber kurz entschlossen an, um eine Entscheidung über die nächsten drei Tage zu fällen.

Am Pool schnappen wir uns 2 noch freie Liegen und machen es uns gemütlich. Nach gut einer Stunde trennen sich für die Mittagszeit kurz unsere Wege, aber als ich wieder an den Pool komme, liegt ein fremder Gast auf einer unserer Liegen. Ich entschließe mich dennoch, die andere liegen in Beschlag zu nehmen. Erst jetzt bemerke ich, dass auf der anderen Liege eine sehr attraktive, braunhaarige Frau mit einer Top-Gun-Sonnenbrille liegt. Ich grüße freundlich und vertiefe mich in den Reiseführer. Ich schlage die Seite mit Rundu auf und das war schon im Vorfeld mein Favorit für die verbleibenden Tage. Die andere Alternative ist der Waterberg, meine Wandermotivation ist aber nahe null. Nach ca. 10 Minuten kommen wir dann ins Gespräch, ihr Name ist Laura und ist Zahnärztin aus Stuttgart. Sie war eigentlich dafür vorgesehen, als eine Art Austauschärztin zu fungieren, was aber durch organisatorische Mängel nicht zu stande kam. Daraufhin entschieden sie und zwei andere Teilnehmer dieses Austauschs sich für eine kleine Rundreise. „Und was machst Du jetzt hier am Pool, solltest Du nicht draußen in der Wildnis sein?“, frage ich sie. „Wir haben unserem Tourguide heute freigegeben, und was machst Du hier? Solltest Du nicht auch da draußen sein?“. Ich entgegne, dass es schon mein fünfter Tag wäre und dass ich ab morgen „planlos“ wäre, wohin ich noch fahren könnte. Sie erzählt mir, dass sie morgen zurück nach Windhoek fahren würde und zwei Tage später nach Süden Richtung Fish River Canyon. „Da war ich schon, das wird Dir bestimmt sehr gefallen!“, meine ich und musste dann alles erzählen, was ich dort erlebt habe.

Unsere Konversation wird irgendwann durch die Australier kurz unterbrochen, die nach ihrer „Siesta“ wieder zurück an den Pool kommen. Ich stelle die beiden Laura vor und erzähle in kurzen Worten, was sie hier macht etc. Die Australier fragen, ob ich mittlerweile wüsste, wohin es mich treibt. Da Laura und ich uns so gut verstehen, reift in meinem Kopf aber noch eine dritte Alternative: Windhoek und dann noch 2 Tage mit ihr verbringen, wenn sie darauf Lust hat. Allerdings ist diese Idee bisher nur in meinem Kopf. Ich frage die Australier, ob sie schon wüssten, wann sie heute Nachmittag noch rausfahren wollten und sie entgegnen zwischen 15 und 15:30 Uhr. Meinen Vorschlag, die Tour in meinem Auto zu machen, finden sie gut und nehmen das Angebot an. Wo wir gerade dabei waren, frage ich auch Laura, ob sie denn auch mitfahren wolle, was sie allerdings zu meinem Bedauern ablehnt. Nach einer schönen Zeit am Pool nähert sich nun die Zeit des Aufbruchs. Wir verabschieden uns von Laura mit dem Hinweis, uns heute Abend am Wasserloch zu treffen. Ich erwähne beiläufig, dass dies bisher bei mir noch nie geklappt hat, aber ich unternehme auch nichts, um das Glück zu forcieren.

Wir einigen uns auf eine kleine Runde über Nebrownii, Gemsbokvlakte, Olifantsbad und zurück. Direkt am ersten Wasserloch haben wir Glück mit Tieren, aber etwas Pech mit dem Autoaufkommen. Nebrownii hat einen sehr kleinen Parkplatz und es sind bestimmt 10 Autos da, aber ich finde noch einen kleinen Spott, sodass wir alles sehen können. Gerade läuft eine uralte Elefantenkuh an uns vorbei zum Wasserloch.

Alte Elefantenkuh am Wasserloch Nebrownii, Etosha Nationalpark

Eine recht große Herde trinkt gerade und dann fällt mein Blick auf ein ganz junges Elefantenjunges.

Elefantenherde beim Trinken am Wasserloch Nebrownii, Etosha Nationalpark

Mutter behütet das Kleine in dem ab und an rauen Getue am Wasserloch.

Elefantenbaby beim Trinken am Wasserloch Nebrownii, Etosha Nationalpark

Ein etwas älteres Elefantenjunges genießt den Schutz und Schatten seines Geschwister und seiner Mutter.

Nahaufnahme eines Elefantenjungen beim Trinken am Wasserloch Nebrownii, Etosha Nationalpark

Das ganz kleine Junge wird sogar noch gesäugt.

Elefantenbaby beim Säugen am Wasserloch Nebrownii, Etosha Nationalpark

Ich hab’s aber leider nicht scharf bekommen, obwohl ich es mehrmals versucht habe. Dann heißt es aber auch schon Abschiednehmen, da Mama weiter will.

Elefantenfamilie macht sich fertig zum Aufbruch, Wasserloch Nebrownii, Etosha Nationalpark

Und da gehen sie.

Elefantenfamilie on the road again am Wasserloch Nebrownii, Etosha Nationalpark

Da wir schon lange am Wasserloch stehen und immer mehr Autos kommen, frage ich, ob es okay wäre, wenn wir weiterfahren würden und die Australier sind damit einverstanden. Ich rangiere das Auto aus dem kleinen Spott, was bei 15 Autos nicht so leicht war. Wie die Geier stürzen sich die anderen Autos auf die freigewordene Lücke. Wir fahren Richtung Gemsbokvlakte. Hier offenbart sich ein ein großer Unterschied in den Tierbeobachtungsinteressen. Ich wäre sofort weitergefahren, die beiden wollen aber die Vögel am Wasserloch fotografieren. Außer ein paar Vögeln ist allerdings kein weiteres Tier dort. Nach 10 Minuten frage ich dann, ob wir weiterfahren können. Nach einem einstimmigen „Ja“ machen wir uns auf den Weg nach Olifantsbad. Als wir vom Hauptweg zum Wasserloch abbiegen, zeige ich den beiden noch kurz den Spott, wo gestern die Löwen am Morgen lagen. Auf dem Parkplatz stehen 3 Autos und beobachten etwas. Es handelt sich um „meine drei Löwen“, die direkt am Wasserloch liegen und ich freue mich, sie wiederzusehen.

Löwen beobachten Impalamännchen am Wasserloch Olifantsbad, Etosha Nationalpark

Sogleich erfüllt mich wieder dieses tolle Gefühl von gestern, dieses Mal allerdings angereichert um das Gefühl, alte Bekannte wieder zu treffen. Meine Jungs liegen am Wasserloch, allerdings nähert sich ein wohl ziemlich durstiges oder mutiges oder dummes Impala. Kumpel Nr. 1 fühlt sich irgendwie nicht respektiert und steht auf.

Löwe am Wasserloch Olifantsbad, Etosha Nationalpark

Mein Herz schlägt höher, als der Löwe kurz andeutet, sich über das Impala herzumachen. Dies reicht auch schon, um es zu vertreiben, allerdings will er wohl seinen Standpunkt und seinen Anspruch auf das Wasserloch unterstreichen und verfolgt es langsam.

Löwen verjagt Impala am Wasserloch Olifantsbad, Etosha Nationalpark

Die beiden anderen Löwen geben sich gänzlich uninteressiert und chillen noch etwas am Wasserloch.

Löwen döst am Wasserloch Olifantsbad, Etosha Nationalpark

Als sich dann aber Impala Nr. 2 dem Wasserloch nähert, regt sich nun auch etwas in Kumpel Nr. 2.

Löwe beobachtet Impalamännchen am Wasserloch Olifantsbad, Etosha Nationalpark

Er hebt den Kopf,…

Löwet beobachtet Impalamännchen am Wasserloch Olifantsbad, Etosha Nationalpark

und noch etwas weiter,…

Löwe beobachtet Impalamännchen am Wasserloch Olifantsbad, Etosha Nationalpark

aber dann verliert er doch das Interesse und das Impala geht zur linken Seite des Wasserlochs. Kumpel Nr. 3 könnte sein Desinteresse nicht besser kundgeben.

Löwen schaut Richtung Touristen am Wasserloch Olifantsbad, Etosha Nationalpark

Es ist dann aber auch schon 17:30 Uhr und in meinen Begleitern regt sich eine gewisse Unruhe. Ich gebe nach und wir machen uns auf den Weg zurück nach Okaukuejo. Auf dem Weg halte ich nochmal an, um ein Foto vom Sonnenuntergang zu machen.

Sonnenuntergang auf dem Weg nach Okaukuejo, Etosha Nationalpark

Nach dem leckeren Abendessen und einer Gesangseinlage bahnt sich auch mit den Australiern der Abschied an. Wir drücken Mitarbeitern die drei Kameras in die Hand, um ein Bild von uns zu machen. Mir ist etwas peinlich, dass ich mich nicht an die Namen der beiden erinnern kann…

Meine Mitstreiter an diesem Tag, ein australisches Päarchen, Etosha Nationalpark

Die beiden haben keine Lust mehr, zum Wasserloch zu gehen, ich bin aber gewillt, nochmal nachzuschauen, ob sich Laura doch noch finden lässt. Wie ich es aber schon befürchtet habe, lässt sie sich in der Masse der Leute nicht auffinden und ich beschließe schweren Herzens, mich zurückzuziehen. Etwas Ärger, dass ich beim Abendessen nicht kurz rübergegangen bin, steigt in mir auf. „Halte beim Frühstück nochmal Ausschau“, denke ich mir und gehe nach dem Sortieren der Bilder zu Bett.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 22: Etosha

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