Etosha und Hoba Meteorit

Die Nacht ist unruhig. Immer wieder wache ich auf und ärgere mich immer wieder, dass ich Laura nicht zumindest mal gefragt habe, was sie denn von der Alternative 3 (nach Windhoek fahren und mit ihr ein paar Tage verbringen) hält. Mir fällt auch immer wieder ein, was sie gestern gesagt („Wir fahren morgen recht früh los nach Windhoek“). Was genau heißt „recht früh“? Besteht noch die Chance, sie eventuell beim Frühstück zu treffen und sie dort mit meiner Idee zu konfrontieren. Meine Hoffnung wächst wieder, dass dazu eine echte Chance besteht, denn niemand bricht ohne Frühstück zu so einer Tour auf. Endlich schaffe ich es, meinen Gedanken zu beruhigen und etwas Schlaf zu finden. Ich stehe gegen 7 Uhr auf und hoffe, dass es nicht schon zu spät ist. Nach der morgendlichen Dusche mache ich mich dann auf zu einem ausgedehnten Frühstück. Immer wieder kicke ich die Gedanken hin und her, was ich machen werde, falls a) ich Laura nicht mehr wiedersehe oder b) sie keine Lust hat, sich mit mir zu treffen. Mein Herz hat für diese Situation die Entscheidung getroffen, nach Rundu zu fahren.

Beim Warten auf mein Rührei und am Frühstücksbüffet verschwinden diese Gedanken immer wieder, aber sobald ich wieder am Tisch sitze, meldet sich der Kopf wieder. „Die sind bestimmt schon weg. Ist ein weiter Weg von hier aus in einem Rutsch nach Windhoek!“, meldet sich eine Stimme in meinem Kopf. „Hör nicht auf den Depp. Trink Dir hier schön noch 2, 3 Kaffee, dann kommen die bestimmt noch! Hab einfach etwas Geduld“, entgegnet eine andere Stimme. Die Stimmen klingen verdammt nach Mr. Vernunft und Mr. Neugier, aber irgendwie auch etwas anders. Die Zeit vergeht quälend langsam, keine Laura in Sicht. Ich entschließe mich, noch einen Kaffee zu holen, der aber auch bald wieder getrunken ist. Danach meldet sich eben jener Kaffee und ich gehe mit schnwindender Hoffnung zurück in mein Zimmer. In diesem Moment meldet sich Mr. Vernunft: „Okay, das war’s wohl. Jetzt erledige Dein Geschäft und danach schnappst Du Dir den Lonely PLanet und versuchst, eine Unterkunft in Rundu telefonisch klarzumachen.“. Gesagt, getan, ich greife mir den Lonely Planet und gehe durch das Restaurant mit der leisen Hoffnung, Laura beim Frühstück zu sehen, zu den Telefonzellen vor dem Souvenirshop. Ich wähle einige Nummern von Lodges, die infrage kommen. Keiner, nicht mal bei einer, erreiche ich jemanden. Vielleicht mache ich ja was falsch und versuch’s erneut. Wieder nichts. Seltsam! Vielleicht ein Zeichen?

Ich gehe zurück zum Zimmer und bring den Lonely Planet weg und lade meine Sachen in mein Auto. „Ich werd’s dennoch riskieren und fahre nach Rundu“, denke ich mir. „Aber vorher vielleicht noch einen Kaffee!“, versuche ich mir selber eine Ausrede zu basteln, doch nochmal im Restaurant vorbeizuschauen. Und als ob es jemand gewollt hätte, sitzt Laura mit einer etwas älteren, blonden Dame (die mir am Tag vorher auch vorgestellt wurde) und dem Tourguide am Tisch und frühstücken. Ich erwische mich bei dem Gedanken, ob sowas als „Auflauern“ bewertet wird, ich verwerfe den Gedanken mit „Ach komm, das nennt sich ‚Das Glück forcieren!'“. Ich nähere mich dem Tisch und meine: „Wen sehen meine trüben Augen denn da?“, in der Hoffnung, das es „überrascht“ klingt. Ich werde freundlich zurückbegrüßt und meine Bitte, mich setzen zu dürfen, wird entsprochen. Wir plaudern locker und als der Guide kurz den Tisch verläßt, halte ich den Moment für gekommen, Laura meinen Plan zu präsentieren. Ich frage sie, ob es für sie okay wäre, wenn ich mit nach Windhoek fahre und wir eventuell etwas unternehmen könnten. Sie schaut mich etwas verblüfft, aber keineswegs irritiert an und meint, dass es eine gute Idee wäre. Ich bin erleichtert und glücklich, dass sie offenbar nicht uninteressiert scheint. Wir wechseln das Thema, aber als der Moment zum Aufbruch gekommen ist, frage ich sie, wie wir denn in Windhoek Kontakt zueinander aufnehmen können. Sie meint, sie hätte ihr Handy dabei und schreibt mir ihre Nummer auf. Heute Abend hat sie allerdings schon Pläne. Wir verabreden uns dann lose für morgen abend, ich möge sie bitte anrufen oder eine SMS schreiben. Ich jubel innerlich und klopf mir für die Flexibilität und meine Ausdauer auf die Schulter. Wir nehmen Abschied voneinander, aber nur für einen Tag.

Alle Gedanken an Rundu sind nun verblasst, frohen Mutes mache ich auf den Weg Richtung Von-Lindequist-Gate, da ich vorhabe, dem Hoba-Meteoriten einen Besuch abzustatten. Ich checke aus dem Okaukuejo-Camp aus und fahre auf den Hauptweg Richtung Osten. Da ich recht schnell fahre, sehe ich nicht besonders viele Tiere, aber als ein Adler über mir kreist, schaue ich ihm dabei zu.

Als er sich entscheidet, sich in einem Baum in der Nähe der Straße – allerdings hinter mir – niederzulassen, bremse ich, lege den Rückwärtsgang ein und fahre zurück. Dabei übersehe ich fast ein anderes Fahrzeug, habe allerdings Glück. Der Fahrer ruft mir wütend etwas zu, ich reagiere aber kaum, da sowas heute an mir abprallt. Woran das wohl liegen mag *pfeiff* 😀 ? Der Adler sitzt in einem Baum und hält Ausschau.

Das sollte aber auch mein letzter Fotostopp sein, der mich in ihren Bann zieht. Ich fahre an den üblichen Verdächtigen vorbei, aber genießen tue ich es doch, auch wenn ich keine Fotos mehr mache. Eine Hyäne zeigt sich, ein einzelner Elefant möchte auch sagen: „Auf Wiedersehen, Helge!“. Ich winke ihm und sage auch ihm: „Wir sehen uns bestimmt bald wieder!“. Ich erreiche nach einer Stunde das Von-Lindequist-Gate und zeige meinen Permit. Ich verabschiede mich von der etwas grimmig dreinschauenden „Torwächterin“ (Ghostbusters-Zitat!) mit den Worten: „You’ve got a beautiful park here!“ und ihre grimmige Miene verzieht sich zu einem Lächeln, „Thank You! Good bye“. Der Asphalt unter meinen Reifen bedeutet mir, dass ich es wohl auch geschafft habe, ohne Platten durch die 4 Wochen Namibia gekommen zu sein. Nach 2 weiteren Stunden erreiche ich dann den Ort, wo der Hoba-Meteorit ausgestellt wird.

Es ist brütend heiß und beim Aussteigen erschlägt mich die Hitze fast. Der Eintritt ist nicht der Rede wert, ich erwarte auch nicht allzuviel. Dieser Brocken lebt von der Vorstellung, dass er mal aus den Weiten des Weltalls einfach so auf die Erde geplumpst ist, aber nicht normal, sondern eher wie ein flacher Stein, der auf der Wasseroberfläche auftitscht. Sonst wäre er wohl auch 10000000000 Teile zerbrochen. So ist er intakt geblieben und ist schon ein bemerkenswertes Stück Metall, was einem definitiv nicht auf den Kopf fallen sollte! Davor wird sogar gewarnt:

Lustig gemeintes Hinweisschild am Hoba Meteoriten

Und hier ist nun das gute Stück.

Nahaufnahme vom Hoba Meteorit

Ich bin aber nicht der einzige Gast, es kommen gerade zwei weitere Besucher zum Meteoriten. Einer davon meint: „Endlich, der Highlight meines Urlaubs!“. Ich stehe ungläubig daneben und schüttel kaum merklich den Kopf. „Wie unterschiedlich Menschen doch sind!“, denke ich mir so. Ich schaue dennoch interessiert zu und bei Nachfragen meinerseits stellt sich heraus, dass er Astrophysiker ist, der Vorlesungen für Kinder hält. Jetzt wird mir einiges klar. Wir unterhalten uns etwas und ich lasse mich von der Fotbegeisterung anstecken und lasse mich auf dem Meteorit stehend ablichten.

Ich stehe auf einem Stück Metall aus dem All, Hoba Meteorit

Ich verabschiede mich dann von den Astro-Nerds und mache mich wieder auf den Weg zurück nach Windhoek. Die Fahrt ist an sich unspektakulär und die Landschaft aber immer ganz schön und abwechslungreich. Da ich aber noch eine ziemlich lange Strecke vor mir habe, halte ich nicht mehr an undd fahre bis Windhoek mit einem kleinen Stopp beim Spar in Otjiwarongo durch. Ich habe in Windhoek natürlich noch kein Zimmer und meine einzige Anlaufstelle ist das Tamboti Guesthouse, wo ich meine erste Nacht auf afrikanischem Boden verbracht habe. Ich schelle und mein Herz schlägt höher, als sich die nette Dame nähert und mich wiedererkennt. Ich entschuldige mich für die späte Störung (es ist schon dunkel und ca. 19 Uhr) und frage hoffend, ob noch ein Zimmer frei wäre. Die Dame weiß es nicht genau aus dem Kopf, meint aber, dass noch ein Zimmer frei sein müsste. Sie geht rein und kommt ca. lange 3 Minuten später wieder raus. Sie meint, das Zimmer wäre aber nur für heute Nacht zu haben, ab morgen sind sie ausgebucht. Ich teile ihr mit, dass das okay für mich wäre: „Hauptsache ich habe ein Zimmer für heute Nacht, der Rest ergibt sich schon!“. Ich gehe in mein Zimmer, packe aus, schnppe mir mein iPad und hole mir ein Bier aus der Bar. Ich surfe etwas im Internet und will ein paar Bilder hochladen, aber das Internet ist sehr instabil und langsam. Aber mit etwas Geduld klappt es aber dann doch. Ich schreibe auch noch eine SMS an Laura und wünsche ihr viel Spaß für heute Abend. Die lange Fahrt hat mich sehr geschlaucht, sodass ich mich recht früh in mein Zimmer zurückziehe und zu schlafen versuche. Ich muss zugeben, dass meine Nervosität von Minute zu Minute steigt, denn der morgige Tag soll ja der Tag werden, an dem Laura und ich etwas zusammen unternehmen wollen. Ich bin schon jetzt gespannt. Obwohl ich leicht irritiert bin, dass Laura nicht auf meine SMS antwortet, schlafe ich dennoch ein.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 23: Hoba Meteorit

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