Kanaan Lodge bis Solitaire

Mein Wecker schellt um 5:30 Uhr, so früh wie noch nie (und so früh wie nicht wieder) in meinem Urlaub. Ich erhoffe mir einen tollen Sonnenaufgang und ein paar wunderschöne Fotos. Gustav wollte eigentlich auch aufstehen, als ich allerdings aus meinem Zimmer trete, ist noch niemand anderes wach. Ich warte noch 10 Minuten, aber als sich immer noch nichts regt und ich niemanden wecken will, schnappe ich mir meinen Rucksack, meine Kamera und mein Kopflicht und stapfe auf den von Hermi empfohlenen Hügel. Es ist noch stockduster, als ich den Fuß des Hügels erreiche. Nach ca. 15 Minuten leichtem Aufstieg fängt es langsam an, hell zu werden. Ich probiere unendlich viele Einstellungen an meiner Kamera aus, es will mir aber nicht gelingen, ein schönes Bild zu machen. Ich lege die Kamera auf den Boden, da ich leider das Stativ vergessen habe und endlich gelingt es etwas besser.

Glühen vor Sonnenaufgang von einem Hügel hinter der Lodge, Kanaan Lodge

Mit etwas mehr Zoom:

Mond und Venus kurz vor Sonnenaufgang von einem Hügel hinter der Lodge, Kanaan Lodge

Es wird nun immer heller und das erste Morgenlicht erreicht die Berge hinter mir.

Morgenröte über den Hügeln der Tirasberge bei Sonnenaufgang, Kanaan Lodge

Das Glühen über den Hügelketten ist einfach nur fantastisch.

Nahaufnahme der Morgenröte über den Hügel der Tirasberge, Kanaan Lodge
Panorama der Morgenröte über den Hügel der Tirasberge, Kanaan Lodge

Die Sonne steigt hinter den Hügeln empor…

Sonne steigt über die Hügel der Tirasberge, Kanaan Lodge

und beleuchtet jetzt immer mehr von der Ebene und wirft lange Schatten. Das Lichtspiel sieht einfach nur grandios aus.

Licht- und Schattenspiel der Berge auf dem Farmgelände der Kanaan Lodge, Tirasberge

Die Schatten werden immer kürzer.

Schatten der Hügel werden kürzer, das Glühen lässt nach, Kanaan Lodge
Hügel liegen voll im ersten Sonnenlicht nach Sonnenaufgang, Kanaan Lodge

Ich steige vom Hügel herab und gehe zurück zur Lodge. Dort treffe ich zunächst auf Gustav, den ich auch direkt frage, ob er nicht auch den Sonnenaufgang hätte sehen wollen. Er sagt, er wäre zu kaputt von der Reise von Südafrika nach Namibia gewesen und hätte schlicht verschlafen. Ich unterhalte mich mit ihm übers Fotographieren, zeige ihm ein paar meiner Bilder und „gestehe“ ihm, dass ich nicht wirklich weiß, wie man Sonnenaufgänge fotographiert. Er zeigt mir ein paar Kniffe und erklärt mir ein paar Grundregeln, so zum Beispiel, dass der Horizont in der Regel entweder 1/3 oder 2/3 des Bildes einnehmen sollte. Diesen Tipp beschließe ich von nun an zu beachten, was ich aber anscheinend schon sehr oft unbewusst gemacht habe. Nach dem Frühstück steht dann die Fahrt nach Solitaire an. Ich bezahle Hermi in Euro, da ich mich mit dem Bargeld etwas verkalkuliert habe und noch eine Tankfüllung bis Solitaire brauche. Ich kann nur hoffen, dass der ATM in Sesriem auch funktioniert…

Ich habe mich hier wirklich extrem wohlgefühlt und bedauere es etwas, schon fahren zu müssen. Hermi macht es mit seiner standesgemäßen Verabschiedung mit einem Ständchen auf der Trompete nicht leichter.

Hermi spielt uns zum Abschied ein Lied auf der Trompete, Kanaan Lodge

Hier werde ich definitiv nochmal vorbeischauen, wenn ich wieder in Namibia bin. Einfach eine wunderschöne Landschaft und ein toller Gastgeber.

Ich setze mich ins Auto und nehme schweren Herzens Abschied, aber auch mit einem unguten Gefühl im Bauch wegen des halbvollen Tanks und den 100 km, die bis zur nächsten Tankstelle in Betta vor mir liegen. Dort sollen meine letzten 200 Nam$ zum Auftanken dienen und hoffentlich reicht der Tank dann bis Sesriem. Aufgrund des Drucks in der Magengegend kann ich kaum den Rest der D707 genießen, halte auch nicht mehr an. In Betta finde ich die Tankstelle recht schnell und mache mein letztes Gold nicht nur sprichwörtlich flüssig. Also auf nach Sesriem und meine Laune bessert sich etwas, da ich nun weiß, dass ich es nicht nur bis nach Sesriem schaffe, sondern auch noch nach Solitaire. Ich kann mich nur nicht mehr erinnern, ob ich für die Lodge auch Bargeld benötige. Ich bin einfach kein Bargeld-Mensch, das muss ich wohl noch lernen in Ländern wie diesen.

Nach einer ereignislosen Fahrt nach Sesriem erreiche ich die Tankstelle der Sossus Oasis Camp Site, parke mein Auto und gehe hinein. Mein Herz setzt einen Schlag aus, als ich das erschreckende Schild am ATM sehe. Das Gerät scheint defekt zu sein, mein Worst-Case-Scenario scheint eingetroffen zu sein. Kein Bargeld mehr in der Tasche, kein ATM (scheinbar) in der Nähe, etwas ratlos, was ich jetzt tun soll. Gut, dass der Tank noch halbvoll ist, das Hungergefühl habe ich meist gut unter Kontrolle. Ich frage bei den Mitarbeitern nach, ob der ATM heute noch repariert wird. Dies wird zwar bejaht, allerdings erst in 3-4 Stunden. Das wäre ja noch absehbar, ich laufe aber glücklicherweise dem französischen Päarchen von Namtib über den Weg und wir unterhalten uns. Nach dem höflichen Austausch über unsere Erfahrungen seit unserem ersten Treffen (die beiden hatten am Vortag Big Daddy bestiegen, ich war auf Kanaan) klage ich mein Leid und die beiden scheinen die Lösung für mein Problem zu haben. Ihr Navigationssystem zeigt die nächsten ATMs an und in der Soussvlei Lodge soll einer sein. Ich erinnere mich an die Lodge, die weit über meinem Budget lag. Meine Hoffnungen steigen und die beiden sind so lieb und fahren vor.

Als die beiden direkt nach 500 Meter links abbiegen, ist mir deren Hilfsbereitschaft fast peinlich, aber ich bin den beiden unendlich dankbar und lasse es sie es auch wissen. Ich gehe zur Rezeption, da ich den Geldautomaten nicht finden kann, und frage nach. Ein hilfsbereiter Mitarbeiter, der sich als der Pilot der Lodge herausstellt, schließt ein Büro auf und zeigt mir den ATM. Ich schiebe meine Mastercard ein, tippe meine PIN ein und wähle den Betrag, den ich ausgezahlt haben möchte. Allerdings keinen der vorgeschlagenen, sondern einen, den ich eingetippt habe. Mein Herz setzt erneut aus, als auf dem Display „Transaction declined. Please contact Your credit card issuer!“ erscheint. Sehr nervös drehe ich mich um und sage, dass ich mal die andere Karte probiere und schiebe die VISA-Karte in den Automaten. Dieses Mal nehme ich einen Betrag, den mir der Automat vorschlägt und ich bin unendlich erleichtert, als die Maschine anfängt, das Geld zu sortieren und auszugeben. Mit frischen Devisen in der Tasche bedanke ich mich bei dem Mitarbeiter und gehe mit den beiden Franzosen zu unseren Autos. Dort angekommen wiederhole ich meine Danksagungen und lass sie noch etwas von ihrem gestrigen Aufstieg auf die Düne erzählen. Die beiden sind wirklich angetan von der Dünenlandschaft im Soussus- und Deadvlei und ich lasse mich von der Begeisterung anstecken. Mit großer Vorfreude auf den nächsten Tag mache ich mich auf den Weg nach Solitaire.

In Solitaire angekommen checke ich in der Solitaire Country Lodge ein und merke erst jetzt, dass ich diese Etappe wirklich schlecht gebucht habe. Ich hatte beim Buchen etwas naiv gedacht, dass ich von Solitaire aus in den Naukluft-Park fahren, dort wandern und dann die nächste Nacht in der Weltevrede-Lodge schlafen, von dort aus ins Soussusvlei und am selben Tag noch nach Swakopmund fahren könnte. Diesen Plan muss ich überdenken und beschließe, dass ich den heutigen Nachmittag (bin um ca. 16:00 in Solitaire angekommen) am Pool verbringen werde und zum Sonnenuntergang noch etwas ins Umland gehen werde. Weiter beschließe ich, morgen schon ins Soussusvlei zu fahren, auch wenn ich es nicht zum Sonnenaufgang über den Dünen schaffen werden. So früh kann man kaum losfahren…! Ich bringe meine Sachen aufs Zimmer, ziehe mich um und setze mich an den Rand des Pools. Ich hatte mir eigentlich geschworen, in keinen Pool zu gehen, aber heute ist es einfach zu heiß für Schwüre. Das Wasser im Pool ist saukalt und ich ziere mich mehr ins Wasser, als freiwillig und frohen Mutes reinzuspringen, wie es sonst meine Art ist.

Nach ein paar Kraulzügen ist es auch nicht mehr so kalt, aber nach ca. 5 Minuten habe ich mich mehr als abgekühlt. Ich setze mich wieder auf den Rand des Beckens und unterhalte mich mit einem älteren Herren, den ich als Deutschen ausgemacht hatte, da er mit anderen Teilnehmern seiner Reisegruppe geredet hat. Wir unterhalten uns nett über unsere Touren, er ist auf einer 4-wöchigen Tour von Südafrika hoch bis Etosha. Ziemlich edle Tour und die eingelegten Stopps klingen definitiv nicht nach einer Hummeldumm-Tour, was ich ihm auch sage. Nach einiger Zeit verabschiedet er sich und ich mache mich bereit für meinen Ausflug auf den Sonnenuntergangstrail, dessen Ausschilderung ich schon bei meiner Ankunft gesehen habe.

Ich gehe über den Camp Site der Anlage, öffne ein Tor in die „freie Welt“ und folge den Schildern. Ich entschließe mich, dem Webervogel-Trail zu folgen, da der Sonnenuntergangsspott nur eine freie Ebene aufweist und ich mir bei den Webervögel Bäume erhoffe, die mir ein tolles Sonnenuntergangsmotiv bieten. Nach 25 Minuten Fußweg erreiche ich endlich Bäume, aber sehe keine Nester. Große Lust weiterzugehen habe ich nicht mehr und entscheide mich, hier auf den Sonnenuntergang zu warten:

Savannen- und Hügellanschaft bei Solitaire

Zur anderen Seite bietet sich dieser Anblick:

Panorama der Savannenlandschaft bei tiefem Sonnenstand, Solitaire
Panorama der Savannenlandschaft ohne direkte Sonneneinstrahlung, Solitaire

Die Sonne sinkt und sinkt, nach 15 Minuten Warterei beginnt das Licht wieder sehr sanft zu werden und taucht die Landschaft in sein unnachahmliches, afrikanisches Flair.

Savannenlandschaft bei Sonnenuntergang, Solitaire
Savannenlandschaft bei Sonnenuntergang, Solitaire

Ein nicht ganz neues Motiv, Bäume und Berge im Abendlicht:

Savannenlandschaft bei Sonnenuntergang, Solitaire
Savannenlandschaft bei Sonnenuntergang, Solitaire

Als Panorama:

Großes Panorama der Savannenlandschaft bei Sonnenuntergang, Solitaire

Und dann versinkt die Sonne hinter dem Hügel:

Sonne versinkt hinter einem Hügel vor Savannenlandschaft, Solitaire

Dieser Sonnenuntergang war überraschend schön, zumindest hatte ich mir von Solitaire nicht wirklich viel erwartet. Ich erinnere mich sogar, irgendwo gelesen zu sehen, dass die Landschaft nicht besonders schön sein soll. Mir hat sie – zumindest im Abendlicht – sehr gut gefallen und dementsprechend gut gelaunt gehe ich zum Abendessen. Ein großes Buffet ist aufgebaut und die Auswahl ist groß. Der Koch legt jedem Gast eine gute Portion Fleisch auf den Teller, ich lasse mir das gute Essen zusammen mit einem kühlen Bierchen schmecken. Am Nebentisch sitzt die Reisegruppe und ich erkenne den Herren wieder, mit dem ich mich unterhalten habe. Wir wünschen uns guten Appetit und lassen es uns schmecken. Etwas übel stößt mir ein Teilnehmer der Reisegruppe auf, der mit einem Deutschlandtrickot am Tisch sitzt, als wäre wir hier auf Mallorca. Da ist mal wieder fremdschämen angesagt…

Nach dem Essen ziehe ich mich dann zurück, da ich heute früh aufgestanden bin und morgen auch nicht zu spät loskommen wollte.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 11: Kanaan Lodge - Solitaire

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