Kanaan Lodge, Tirasberge

Nach dem Frühstück packe ich meine Sache, lade sie in mein Auto ein und treffe dabei Thomas. Ich sage ihm, dass ich etwas enttäuscht war vom Botanical Trail und ob er mir nicht noch etwas besseres hier in der Gegend empfehlen könnte. Ich hatte am Vortag einen Hügel neben der Lodge gesehen, auf dem ein Schild stand und aussah wie eine Ausguckplattform. Thomas sagte mir, dass ich das schon machen könne, er mir aber empfehlen würde, den Trail nochmals halb zu machen und dann bei einem bestimmten Punkt den Trail in Richtung eines noch höheren und dazu noch sehr einfach zu besteigenden Hügels direkt hinter der Lodge zu verlassen. Wir können den Berg vom Parkplatz der Lodge sehen und Thomas zeigt mir genau die Stelle, die er meint. Er verspricht mir eine tolle Aussicht von dort oben. Gespannt begleite ich Thomas an die Rezeption, an der ich erstmal bezahle und ihn frage, ob es in Ordnung ist, dass ich mein Auto auf dem Parkplatz stehen lassen kann. Er bejaht dies und wünscht mir viel Spaß bei der Wanderung.

Mit meinem Rucksack, Wasser, Kamera und Hut ausgestattet begebe ich mich also wieder auf die gleiche Wanderung wie gestern Nachmittag, dieses Mal spurte ich noch mehr, da ich das meiste ja schon gesehen habe. Ich finde die Stelle, die mir Thomas beschrieben hat, relativ leicht und gehe hinunter zum ausgetrockneten Fluss. Dann finde ich einen Baum, in dem eine eigenartige Konstruktion hängt.

Eine Tonne in einem Baum ist schon ein seltsamer Anblick, Namtib Biospährenreservat

Während ich mich noch frage, wofür das wohl sein mag (Regenwasser, Guano???), gehe ich an dem Baum vorbei und stehe plötzlich vor dem Aufstieg.

Der Weg hoch zum Ausguckpunkt, Namtib Biosphärenreservat

Thomas nannte es glaub ich „den Sattel“ oder „den Sockel“ (weiß ich nicht mehr), im Zoom ergibt das auch Sinn:

Nahaufnahme des Ausguckspunkt, Namtib Biosphärenreservat

Ich mache mich also auf den Weg nach oben und meine Vorahnung, dass es von dort wirklich einen tollen Ausblick geben wird, wird stärker. Plötzlich bewegt sich links von mir wieder etwas und ich sehe wieder Klippschliefer, die sich auf einen großen Stein zurückziehen.

Nahaufnahme der wachsamen Klippschliefer, Namtib Biosphärenreservat

Ich entscheide mich, etwas Abstand zu halten und eine etwas steilere Route zu nehmen. Dies erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Tiere nicht verschreckt werden und ich noch einen Schnappschuss von ihnen kriege. Etwas griesgrämig schaut mich dieser Schliefer an:

Nahaufnahme der wachsamen Klippschliefer, Namtib Biosphärenreservat

Als ich nach gut einer halben Stunde oben ankomme, kann ich kaum fassen, was meine Augen dort erblicken. So eine wunderschöne Landschaft sucht seinesgleichen. Es sieht fast unwirklich schön aus.

Blick über die Namtib Desert Lodge bis hin zur D707 und den Dünen

Ein genauerer Blick auf das Tal und die Dünen im Hintergrund:

Nahaufnahme der Ebene hinter der Namtib Desert Lodge, der D707 und der Dünen

Ich verbringe bestimmt weitere 30 Minuten damit, einfach nur in die Weite zu schauen. Dieses Land ist so wunderschön, dass mir Tränen in den Augen stehen und ich eine Gänsehaut bekomme. Für genau solche Gefühle reise ich, dieses sehr bewusste Erleben und Genießen des Moments, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Einfach nur traumhaft.

Ich vor dieser fast surreal wirkenden Szenerie, Namtib Biosphärenreservat

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Kurze, aber heitere Zäsur zu obigem Bild:
Als ich das obige Bild auf Facebook gepostet habe, haben einige meiner Arbeitskollegen sich nicht lumpen lassen und aufgrund des „leicht unecht aussehenden Charakters“ des Bildes einige Scherzbilder als Antwort darauf gepostet, von denen ich hier die Top 2-Bilder posten möchte:
Die Kreativität hat mich geflasht und ich musste sehr laut lachen, als ich das gesehen habe. Das wird aber von anderen Leuten in einem Internet-Cafe in Swakopmund nicht so wirklich verstanden… 😀 ! Wenn man solche Freunde hat,… :) !
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Nach diesem tollen Ausblick bin ich versöhnt und steige mit einem Lächeln auf dem Gesicht Richtung Lodge ab, die ich auch ca. 30 Minuten später erreiche. Ich laufe sofort wieder Thomas über den Weg und sage ihm, wie begeistert ich von dem diesem Wahnsinnsausblick ich war und das dies über einiges hinweggetröstet hat. Zum Abschied gibt er mir noch den Tipp, beim Herausfahren nach ca. 4-5 km vom Hauptweg, der in Richtung D707 führt, zu verlassen, nach ca. einem weiteren km das Auto stehen zu lassen und zum Fuße eines Berges zu laufen. Da man auf dem Weg von der D707 zur Lodge ca. 300 Höhenmeter gewinnt (was man wegen der 12 km langen Fahrt nicht merkt), bietet sich auch von da noch einer guter Ausblick auf das Tal, die Düne an der D707 und die dahinterliegenden Dünen. Dankbar für die Tipps verabschiede ich mich von Thomas, steige ins Auto und fahre los. Immer wieder aufs Tacho schauend finde ich nach ca. 5 km den Weg, biege ab und lasse irgendwann das Auto stehen. Thomas hat auch hier nicht übertrieben.

Panorama des Namtib-Farmlandes und der Düne hinter der D707, Namtib Biosphärenreservat

Ein Blick auf das Tal und den Fuß des Berges.

Mein Auto vor der Felslandschaft der Tirasberge, Namtib Biosphärenreservat

Die kleine Baumgruppe hat’s mir angetan, ich liebe einfach diesen Anblick.

Großes Panorama des Namtib-Farmlandes und der Düne hinter der D707, Namtib Biosphärenreservat

Auf der D707 angekommen, fahre ich der Düne entlang und als sie ein Ende findet, finde ich, dass sie ein Bild verdient hat. Die Ausmaße gehören einfach belohnt.

Panorama vom Ende der Düne entlang der D707, Tirasberge

Mein Weg soll mich jetzt zur Kanaan Lodge führen, mit dessen Gastgeber Hermi ich schon eine vielversprechende Mailkonversation im Vorfeld hatte, die mich ganz besonders neugierig auf diese Unterkunft gemacht hat. Ich biege von der D707 ab, öffne das Tor und fahre auf der Gravelroad nochmal 8 km zur Lodge. Der Weg zieht sich ordentlich, da der Zustand des Weges schon bedenklich schlecht ist. Als ich endlich ankomme, werde ich herzlich von Hermi und einem Freund, Gustav aus Südafrika, empfangen. Wir lernen uns bei einem Bier auf der Veranda der Lodge kennen und warten auf zwei weitere Gäste, um gegen 16 Uhr zu einer Fahrt über das Farmgelände und in die Dünen aufzubrechen. Die beiden Gäste kommen kurz bevor wir beschließen, ohne sie aufzubrechen. Sie stellen sich vor und es stellt sich heraus, dass sie Deutsche sind und aus Berlin kommen. Nach dem Ausladen geht’s dann auch schon los und wir nehmen zu dritt auf der Sitzfläche von Hermis Land Rover Defender Pickup Platz. Der Weg unter diesem mächtigen Fahrzeug wirkt schon nicht mehr so schlimm, der Wagen liegt deutlich ruhiger auf der Straße und die vielen Löcher und größeren Steine machen ihm nichts aus.

Nach einigen Minuten Fahrtzeit bleibt Hermi stehen und erklärt uns einiges zu den Ausmaßes seines Farmgeländes. Wir erfahren, dass die Lodge den Namen Kannan nicht etwa als „Catchphrase“ für die Lodge trägt (was meine Vermutung war), sondern weil der damalige Landvermesser dieses Land so schön fand und es ihn irgendwie an das gelobte Land erinnert hat. Ein schöne Geschichte, wie ich finde. Wir halten noch ein paar Mal an, und Hermi erzählt immer etwas zu den Stellen, darunter eine uralte Feuerstelle der San, an der sie damals gejagt und gegessen haben. Dann fahren wir etwas höher, um einen besseren Ausblick zu erhalten. Die Landschaft ist wirklich atemberaubend schön und ich muss unwilkürlich wirklich ans gelobte Land denken.

Panorama des Farmgeländes der Kanaan Lodge, Tirasberge

Danach fahren wir zurück in die Ebene und es lassen sich die ersten Tiere der Farm blicken.

Ziehende Oryxe hinter einem toten Baum, Kanaan Lodge

Immer wieder berückend schön ist dieses tolle Farbspiel des gelblichen Grases mit dem Grün der Bäumen und den Brauntönen der Berge im Hintergrund. Obwohl ich nicht gläubig bin, möchte man angesichts dieser Schönheit doch sagen: „Danke, lieber Gott, dass Du sowas Schönes für uns Menschen erschaffen hast!“

Panorama des Farmgeländes und der Berglandschaft der Tirasberge, Kanaan Lodge

Hermi hält bei einem Baum an und sagt, er hieße „Karl Friedrich“,…

Toter Baum »Karl Friedrich« vor Berglandschaft der Tirasberge, Kanaan Lodge

und dann bei noch einem Bau und sagt, das sei „Kaiser Franz“,…

Toter Baum »Kaiser Franz« vor Berglandschaft der Tirasberge, Kanaan Lodge

dann kann ich nicht mehr an mich anhalten und frage ihn, ob er uns verkackeiern will. Er lacht und sagt, die Namen wären ein Running-Gag, entstanden durch die unzähligen vorangegangen Fahrten über seine Farm. Ich muss schmunzeln. Hermi ist ein witziger Typ, sein Sinn für die Ästethik dieser Region überträgt sich auf uns und wirkt inspririend.

Über das Dach des Wagens sehen wir, wie Hermi auf eine große Herde von Tieren zuhält und urplötzlich Vollgas gibt, als er sich ein paar Straußen genähert hat. Die Tiere gehen in den Vollsprint über und mir gelingen einige gute Bilder aus kurzer Distanz.

Nahaufnahme eines Straußes, der neben dem Auto läuft, Kanaan Lodge

Hermi dreht ab und wendet sich einer anderen Gruppe Strauße zu, die er vor sich hertreibt. So hält er also seine Tier auf Trab.

Und näher...

Dann passiert mir auf einmal etwas, von dem ich dachte, dass ich aus der Lüderitz-Erfahrung gelernt hätte. Meine Kamerbatterie ist schon wieder leer und dieses Mal habe ich meinen Ersatzakku wirklich nicht dabei, und ich weiß sogar, wo er ist…! Wenigstens war ich dieses Mal so clever und hatte meine Ersatzkamera, eine Nikon Coolpix S2550, dabei. Mit der Kamera entstehen alle weiteren Bilder des heutigen Tages, beginnend mit einem Bild von einer ziemlich großen Oryx-Herde mit Jungen.

Großaufnahme von der Oryx-Gruppe auf dem Farmgelände der Kanaan Lodge, Tirasberge

Nach dem Tier-Training fahren wir jetzt auf die Dünen zu und mein Adrenalinpegel steigt. Die ersten Meter sind noch auf festem Belag, aber am Horizont lässt sich schon eine Düne erahnen.

Die Fahrt in die Dünen jenseits der D707 beginnt, Kanaan Lodge

Wir nähern uns immer mehr dieser Düne, es scheint der Ausgangspunkt für unsere Dünentour zu werden. Der Land Rover hat zum ersten Mal heute nur noch richtig roten Wüstensand unter den Rädern. Hermi hält an ausgewählten Spotts an und bedeutet uns, worauf wir achten sollen.

Panorama der Dünenlandschaft jenseits der D707, Kanaan Lodge

Wir gehorchen ihm und machen dankbar unsere Bilder.

Geschwungene Düne mit tollem Farbspiel der goldgelben Savanne und den braunroten Felsen der Tirasberge, Kanaan Lodge

Der rote Dünensand, in der Spätnachmittagssonne schon leicht glühend, bilden einen tollen Vordergrund vor der vom Gras gelblichen Savanne und den bräunlich-roten Bergen.

Dünenlandschaft vor Savannenlandschaft vor der Berglandschaft der Tirasberge, Kanaan Lodge

Aufgrund des ziemlich regenreichen Jahresanfang sind selbst die Dünen zum Teil komplett von Gras bedeckt,…

Blick entlang einen langezogenen Düne mit Blick auf die Tirasberge, Kanaan Lodge

manchmal schaffen es nur noch Büsche, auf dem sandigen Untergrund zu existieren.

Zwei Dünen schmiegen sich durch die Savannenlandschaft vor der Berglandschaft der Tirasberge, Kanaan Lodge

Der Abend bricht so langsam heran und Hermi drängt an den Fotospotts auf Eile,…

Grasbewachsene, rötlich glühende Dünen vor Berglandschaft der Tirasberge, Kanaan Lodge

damit wir pünktlich auf einer Düne zum Sonnenuntergang stehen können. Ausgesucht haben wir uns diese Düne,…

Die Sonnenuntergangsdüne musste erkommen werden, Kanaan Lodge

ich sehe etwas zerzaust aus nach dem für mich schon anstrengenden Aufstieg auf die 30 Meter hohe Düne. Big Daddy wirft seine Schatten voraus…

Ich habe die Düne erfolgreich erklommen und jetzt heißt es warten auf den Sonnenuntergang

Den Sonnenuntergang genießen wir dann auf dem Kamm sitzend und einem Bierchen in der Hand, eine schöne, kleine Männerrunde.

Sonnenuntergang hinter den Dünen der Namib von der Sonnenuntergangsdüne aus, Kanaan Lodge

Es mag auch an der Kamera liegen, aber dieser Sonnenuntergang war fototechnisch nicht so spektakulär. Ich hab’s dennoch genossen, denn primär bin ich ja für mein Wohlgefallen und meine Erholung da :) ! Dieser Tag hatte so viele Highlights, dass wir den Tag ganz gemütlich ausklingen lassen. Hermi bereitet ein ganz tolles Essen zu, es gibt Oryx Stroganoff, dazu ganz leckeren Weißkohlsalat, in den ich mich reinsetzen könnte, ein Ananas-Möhren-Salat, saulecker. Ich nehme bestimmt alles zweimal nach und bin vollkommen übersättigt. Großes Kompliment, was wir Hermi auch wissen lassen. Wir setzen uns alle nach dem Essen wieder auf die Veranda und trinken einen Post-Dinner Bierchen, die beiden Berliner verabschieden sich ziemlich schnell, Gustav, Hermi und ich bleiben aber noch etwas länger wach. Im Verlaufe der Konversation, die ich sehr genieße, wird mir geraten, morgen sehr früh aufzustehen und den Sonnenaufgang auf einem nahegeliegenden Hügel zu erleben. Das Licht wäre toll zum Fotographieren. Ich entschließe mich beim Zubettgehen, diesen Tipp anzunehmen und morgen früh aufzustehen.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 10: Kanaan Lodge

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