Lüderitz-Halbinsel

Vorwort:
Ich habe jetzt etwas länger überlegt, wie ich die Tage in Lüderitz am besten in den Reisebericht packe, habe mich jetzt zu der peinlicheren, aber authentischeren Variante entschieden. Aber ich zähle auf das Motto „Wer den Schaden hat, muss für den Spott nicht sorgen“, denn dann muss ich nur beschreiben, wie der Tag abläuft und es sollte amüsant für Euch Leser sein :) !

Der Bootstrip stand also an diesem Tag auf dem Programm, das Boot sollte um 8 Uhr ablegen, 15 Minuten Fußweg muss beachtet werden und ich wollte eigentlich ausschlafen. Daher hatte ich am Vorabend eigentlich darum gebeten, diese Tour nicht mitmachen zu müssen. Als ich dann aber um 7:30 wach wurde, dachte ich mir, „Die beiden waren so nett und Boot fahren mache ich eigentlich irgendwie gerne, also fahr doch mit“. Also bin ich aufgestanden, habe die Gastgeber gefragt, ob das noch ginge und sie meinten, es wäre kein Problem. Kein Frühstück, komplett hektisch alles zusammen gepackt und mit Marlies und Sebastian ab zum Hafen. Wir erreichen pünktlich um kurz vor 8 den Pier, werden herzlich vom Kapitän begrüßt und steigen dann auf das Boot. Kurze Zeit später legen wir ab…

Bootsausflug mit dem Segelschiff Sedina im Hafen von Lüderitz

und fahren durch das Hafenbecken.

Blick auf Lüderitz von der Sedina aus

Es ist gutes Wetter, noch fast windstill. Ich habe natürlich meinen Fließpulli vergessen, habe nur meine Strickjacke an. Die Sonne wärmt aber gut, noch…

Ich im morgendlichen Fahrtwind auf der Sedina, Lüderitz

Dann verlassen wir den geschützten, auch vor dem Wind, und es fängt an, richtig windig zu werden, und damit auch kalt. Die Sonne kann sich nicht mehr so richtig gegen den kühlen Fahrtwind und den scharfen Südwest-Wind durchsetzen. Wir fahren Richtung Halifax Island, einer der nördlichsten Pinguin-Populationen Afrikas. Ich freue mich sehr, die kleinen Tiere mit Frack zu fotographieren.

Ich knipse noch etwas in der Gegend herum,…

Dünenmeer trifft auf das richtige Meer, Lüderitz

als plötzlich das geschieht, wovor ich am meisten Angst in diesem Urlaub hatte und eigentlich am besten für vorgesorgt hatte: Die Batterie meiner Kamera ist leer. „Kein Problem“, denke ich, „ich habe ja meinen Ersatz-Akku…“. „NEIN, DAS KANN NICHT SEIN!“, schreie ich auf. Sebastian fragt, was los wäre. Ob er vielleicht einen Ersatz-Akku hätte, frage ich ihn und damit beantworte ich seine Frage mit einer geschickten Gegenfrage, die aber leider verneint wird.

Ich suche nochmal alles durch, aber der Ersatz-Akku bleibt verschollen. Dabei war ich mir so sicher, ihn so eingepackt zu haben, dass ich ihn immer dabei habe (was sich im Nachhinein auch als richtig herausstellte). Auch das Fernglas, dass ich mir extra von meinem Dad ausgeliehen hatte, habe ich in der Eile im Zimmer vergessen. Man sollte nie in Eile aufbrechen, ich ärgere mich, dass ich diesen Vorsatz nicht eingehalten habe.

Kurz bevor wir Halifax Island erreichen, erzählt der Kapitän, dass wir heute leider etwas Pech haben, bisher keine Delphine gesehen zu haben. „Wäre auch noch schöner, gleich taucht bestimmt ein Wal auf und ich habe keine Kamera dabei“, denke ich mir so. Zwar genieße ich bei der Ankunft an der vor Jahren aufgegeben Insel den Anblick von so vielen Pinguinen, dennoch ärgere ich mich maßlos, dass ich davon keine Aufnahmen machen kann. Wir fahren sehr nah ans Ufer ran, gefühlt bis 5 Meter, in Echt bestimmt 20 oder 30 Meter, dennoch ziemlich nah dran. Vermutlich stinkt es durch den starken Wind so gut wie gar nicht… ! Wir fahren mit dem Boot langsam die Küstenlinie der Insel ab und man sieht einige verlassene Häuser. Am Ufer watscheln immer wieder Frackträger ins Wasser, das sieht so umheimlich witzig aus, dass ich wirklich schmunzeln muss. Wenn sie allerdings das Wasser erreichen, sieht die Bewegung nur noch geschmeidig aus. Nach gut 30 Minuten fahren wir zum Ausgangspunkt zurück und genießen einen letzten Blick auf die Insel, bevor das Schiff kehrt macht und wieder Richtung Lüderitz gleitet.

Ich genieße die See, die Luft und auch den Wind, der zwar immer mehr auffrischt, allerdings ist die Sonne mittlerweile wieder im Fahrersitz und wärmt mich doch merklich. Mir ist also wenigstens nicht mehr kalt. Allerdings bleibt die Rückfahrt auch Delphin-frei, was den Kapitän schon sichtlich und merklich ärgert, hätte er sie uns doch gerne gezeigt. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass es gut so ist, da meine Kamera ja nicht betriebsbereit ist und es eh nicht hätte aufnehmen können. Ich verwerfe den Gedanken aber ganz schnell, ist er doch sehr egozentriert und schließlich hätte ich sie auch gerne gesehen… !

Wir fahren in den Hafen, legen an und gehen von Bord. Wir gehen gemeinsam zurück ins Hotel, um dort den weiteren Tag zu planen. Sebastian und Marlies haben vor, Kolmanskop zu besichtigen und von dort aus weiter nach Soussusvlei zu fahren. Ich habe ja noch 2 Tage in Lüderitz vor mir, so trennen sich unsere Wege schon, was ich sehr schade finde. Wir verabschieden uns herzlich, darauf hoffend, dass wir uns auf dem weiteren Weg nochmals über den Weg zu laufen.

Nach der Verabschiedung durchsuche ich mein gesamtes Gepäck nach meinem Ersatz-Akku, der sich natürlich in meiner Tasche findet, die ich auch mit auf dem Boot hatte. Ich ärgere mich noch mehr für einen kurzen Moment. Dann versuche ich den Gedanken abzuschütteln, da der Tag ja noch recht jung ist. Ich frage den Gastgeber daher, ob ich so kurzfristig einen Permit für den Sperrgebiet-Nationalpark bekomme und wenn ja, wo. Er dämpft meine Hoffnung und in mir entsteht der Gedanke, dass heute einer dieser Tage ist… ! Er gibt mir den Tipp, ich solle mal alle Tourveranstalter im Ort anfahren und nachfragen, ob überhaupt Touren veranstaltet werden und ob ich da eventuell mitfahren kann. Gesagt, getan. Aber wie es an diesem Tag halt so ist, gibt es keine Touren am nächsten Tag, und es wäre eh nicht gegangen, so kurzfristig an ein Permit zu kommen. Ich denke mir „Shit, was soll ich denn dann heute und morgen hier machen?“. Für heute habe ich zwar noch die Idee, ins Umland zu fahren, aber meine Planung sah eigentlich vor, dass ich den zweiten Tag im Sperrgebiet verbringe und am Tag danach früh Richtung Tirasberge aufbreche. Muss ich mir wohl was Neues suchen, aber dazu später…!

Zurück im Hafen gehe ich erstmal etwas essen, um mich für die Fahrt ins Umland von Lüderitz zu stärken. Ich habe vor, die ganze Halbinsel vor Lüderitz bis runter zur „Großen Bucht“ zu besichtigen. Nach dem Essen steige ich dann auch ins Auto und fahre los. Immer noch etwas verärgert über meinen Fauxpas, erreiche ich die erste Lagune und urplötzlich bin ich wieder im Namibia-Reise-Modus. Da stehen ca. 30 Flamingos nur 3 Meter vom Ufer entfernt.

Flamingos in der ersten Lagune der Lüderitzbucht

Wegen des sehr starken Windes haben sie größtenteils ihre Hälse in ihrem Gefieder abgelegt, was wirklich niedlich aussieht. Ich freue mich, dass ich endlich wieder fotogrtaphieren kann…

Nahaufnahme von Flamingos in der ersten Lagune der Lüderitzbucht

und auch Panoramas sind dabei 😀 !

Panorama von Flamingos in der ersten Lagune der Lüderitzbucht

Als ich die Straße weiterfahre, reiht sich Lagune an Lagune und Bucht an Bucht. Es ist einfach eine traumhaft schöne, extrem einsame Gegend. Nur schade, dass das Wasser ca. 15 Grad kalt ist…

Panorama der zweiten Lagune der Lüderitzbucht von der Südseite

Flamingos überall, spektakulärer Anblick, besonders wenn sich die ganze Bagage in die Lüfte erhebt.

Flamingos im Flug über der Lüderitzbucht

Nochmal etwas näher.

Nahaufnahme von Flamingos im Flug über der Lüderitzbucht

Von einer der vielen Buchten bietet sich ein bezaubernder Blick auf Lüderitz.

Blick auf Lüderitz von der zweiten Lagune aus

Aus dem Stadtbild sticht die Felsenkirche hervor.

Felsenkirche von Lüderitz von der zweiten Lagune aus

Die Zufahrten zu den vielen kleinen Buchten sind teilweise sehr abenteuerlich, manche dürfen sogar nur mit einem allradfähigen Auto befahren werden, z.B. der Weg zum Angra Point. Ich komme an diese Kreuzung und meine Neugier wächst, der gesunde Menschverstand grätscht dazwischen. „Du hast doch gar keine 4×4-Erfahrung und Du bist völlig allein unterwegs, fahr da lieber nicht rein!“, rast Mr. Vernünftig durch mein Gedankengang. Ich höre auf ihn und fahre geradeaus zu einer Bucht. Auf dem Rückweg komme ich an eben jener Kreuzug erneut vorbei und dieses Mal siegt die Neugier. Ich fahre auf den ersten Hügel, halte an und komme zum Stehen. Ich sehe nur, dass es ziemlich steil runtergeht und sehr, sehr sandig ist. Ich steige aus, entscheide mich nur für ein Foto,…

Offroad-Weg zum Angra-Punkt in der Lüderitzbucht

drehe um und fahre weitere Buchten an. Ich komme dem Diaz Point immer näher.

Blick auf den Diaz-Punkt auf dem Weg zur Sturmvogelbucht

Aber erstmal noch zur Sturmvogelbucht, wo leider keine Sturmvögel sind…

Strand in der Sturmvogelbucht mit Dünen am Horizont, Lüderitz

Ich komme endlich am Diaz Point an und endlich sehe ich auch wieder Menschen. Allerdings ist das Cafe geschlossen und ich bekomme kein Stück Kuchen mehr, nur ein Foto vom Leuchhturm.

Leuchtturm am Diaz-Punkt, Lüderitz

Dafür gibt es von etwas anderem dort mehr als genug: Wind. Es ist so windig, dass der Seegang schon sehr hoch ist und man auf dem Weg zum Diaz Kreuz fast weggeht wird. Auf dem Weg dorthin, begegnen mir Leute, die auch mit dem Wind kämpfen.

Diaz-Kreuz am Diaz-Punkt, Lüderitz

Auf der dem Monument vorgelagerten, winzig kleinen Insel aalen sich ein paar Robben in der Gischt der großen Wellen, die auf dem vorderen Teil des Mini-Eilands brechen.

Robben auf einem Felsen am Diaz-Punkt, Lüderitz

Nochmal etwas näher, aber leider leicht unscharf.

Nahaufnahme von Robben in der Gischt am Diaz-Punkt, Lüderitz

Nach dem sehr enttäuschenden Tagesauftakt, bessert sich meine Stimmung merklich, macht mir das Fahren in dieser wunderschönen Landschaft nämlich sehr viel Spaß. Als ich dann an die nächste Bucht fahre und Halifax Island inklusive der Pinguine sehe, ist alles vergeben und vergessen. Ich kann doch endlich Pinguine fotographieren, auch wenn man deutlich weiter weg ist als vom Boot aus.

Pinguinkolonien auf Halifax Island, Lüderitz

Ich erreiche die letzte Bucht des Tages, ist auch schon wieder recht spät geworden. Den Sonnenuntergang möchte ich in Lüderitz betrachten, daher halte ich mich nicht allzu lange in dieser schönen und – dem Namen entsprechend – großen Bucht auf.

Panorama der Großen Bucht, Lüderitz

Ich habe leider erst im Nachhinein gelesen, dass mitten in der Bucht ein Schiffswrack liegt (ich hab’s für ein Riff gehalten). Sonst hätte ich noch versucht, es besser drauf zu bekommen. So steige ich in mein Auto und fahre zurück nach Lüderitz. Hier merke ich, dass aufgrund der Form der Lüderitzbucht ein Bild „Sonne verschwindet im Meer“ nicht möglich ist, da die Sonne genau hinter einem kleinen Hügel untergeht. Spontan springe ich zurück ins Auto und fahre wieder in die Bucht, von der aus man Halifax Island sieht. Ich hoffe, dass die Insel im Abendlicht ein tolles Motiv abgibt. Das Auto wird an der Stelle der Bucht geparkt, an der die Sonne direkt über der Insel untergeht. Das Motiv ist so fanatastisch, dass ich schon ein Bild machen muss, bevor ich den Strand erreiche.

Sonnenuntergang über Halifax Island, Lüderitz

Ich gehe näher und kann kaum glauben, wie unglaublich schön die Szenerie ist.

Nahaufnahme von Halifax Island im Sonnenuntergang, Lüderitz

Das ist ein solcher Tag mit diesem Spektakel zu Ende geht, kann ich noch gar nicht fassen. Ich habe zumindest am Nachmittag unbewusst alles richtig gemacht. Man könnte von ausgleichender Gerechtigkeit sprechen :) !

Nahaufnahme von Halifax Island im Sonnenuntergang, Lüderitz

Panoramas am Meer sind dann schon echt schwierig, wie man an den Wellen sieht…

Panorama von Halifax Island im Sonnenuntergang, Lüderitz
Panorama von Halifax Island im Sonnenuntergang, Lüderitz

Der perfekte Abschluss eines nicht ganz so perfekten Tages…

Sonne versinkt hinter Halifax Island, Lüderitz

Als ich wieder zurück ins Hotel komme, ist es schon recht dunkel. Die nächsten Gäste laden gerade ihre Autos aus, ich grüße herzlich und werde zurückgegrüßt. Der Gastgeber fragt mich, ob ich bei den Tourveranstaltern Glück gehabt hätte und ich brauche eine Weile, bis ich mich erinnere, was er meint. Der Sonnenuntergang und der Nachmittag waren so schön, dass ich alles vorher am Tage gewesene schon fast vergessen hatte. Ich verneine dies, sage ihm aber, dass ich mir überlegt habe, morgen vielleicht nochmal einen Bootstrip zu machen. Es gibt da wohl noch ein anderes Boot, einen Motor-Katamaran. Nach dem Gespräch verspüre ich ein großes Hungergefühl, sodass ich mich wieder ins Hotel Sperrgebiet begebe, um dort zu essen. Das Essen ist zwar nicht so richtig großartig, dafür gibt’s dort Internet und es ist nicht weit von der Waterkant entfernt. Wieder zurück im Hotel, sehe ich meine Bilder durch und sorge dafür, dass beide Akkus geladen sind und das Fernglas bereitgelegt ist. Dann schlafe ich doch noch zufrieden mit einem Lächeln auf dem Gesicht und den Gedanken bei dem Sonnenuntergang ein.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 7: Lüderitzhalbinsel

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