Namtib Desert Lodge, Tirasberge

Als ich damals zum ersten Mal etwas über die Tirasberge gelesen habe, wusste ich sofort, dass dies ein Muss für mich sein wird. Daher habe ich mich sehr gefreut, als ich die Buchungsbestätigung für die Namtib und die Kanaan-Lodge bekam. Beim Frühstück freue ich mich schon auf die Fahrt dahin, denn auch die D707 soll ja eine der schönsten Pads ganz Namibias sein. Ich zahle und bedanke mich nochmals bei meinen Gastgebern für den schönen Aufenthalt, die frische Wäsche, allerdings verabschiedet sich Lüderitz nicht so herzlich von mir wie sie. Es ist ziemlich neblig und ich bin irgendwie froh, dass ich heute aufbreche.

Nebel im Hafen von Lüderitz

Ich fahre so gegen 9 Uhr los und lasse auf den knapp 200 km Teerstraße den Tempomaten sein ganzes Können zeigen. Je weiter ich ins Landesinnere zurückkehre, desto mehr lässt sich wieder der wunderschöne blaue Himmel, mittlerweile nur noch löeicht durchzigen von kleinen Schleierwolken. Die C13 Richtung Helmeringhausen ist einem erbärmlichen Zustand, aber da ich nach den 3 Tagen an einem Ort etwas vom vielen Fahren der Vortage gut erholen konnte, macht mir das heute nicht so viel aus, und so ist die Abbiegung auf die D707 auch bald erreicht. Ich bleibe an der Kreuzzung stehen, wo mich die Landschaft schon in ihren Bann zieht. Ich möchte aber möglichst früh in der Lodge sein und entscheide mich, direkt dort hin durchzufahren, ohne nochmal anzuhalten. Schon bald kommt die Einfahrt Richtung Namtib, an der ich aber mal wieder vorbeifahre, Running-Gag halt…! Als ich schließlich auf der Lodge ankomme, werde ich sehr freundlich von Thomas begrüßt. Ich fühle mich direkt wohl und herzlich aufgenommen, vor allem wegen des familär eingerichteten Haupthauses, in dem ich direkt ein Bierchen angeboten bekomme. Thomas leistet mir Gesellschaft, wir kommen ins Gespräch über seine Herkunft, meine Planungen und über die „gefakte Biosphärenreservat“-Bezeichnung der Lodge. Gefakt deshalb, da es in Namibia keine Möglichkeit gibt, ein Biospährenreservat so auszuloben, wie es von der UNESCO gefordert wird. Da dieses Modell aber auf das Farmgelände passt, habe man sich entschlossen, sich dieses Modell selber überzustülpen, also ohne offzielle Auslobung und die damit einhergehebende finanzielle Förderung. Ich finde es sehr löblich, da mir Umweltschutz sehr am Herzen liegt und ich gerade dieses Modell des Biosphärenreservates bevorzuge (ausführlich Beschreibung für Interessierte: http://de.wikipedia.org/wiki/Biosph%C3%A4renreservat).

Leider erfahre ich, dass es für den heutigen Tag keinen Nature-Drive mehr geben wird und der am morgigen Tag bereits ausgebucht ist. Ich könne aber die Botanische Wanderung machen, legt mir Thomas ans Herz. Ganz gespannt sage ich zu und er gibt mir ein Büchlein mit den Erklärungen der Pflanzen. Ich bin zwar nicht so der Botaniker, aber die ein oder andere interessante Pflanze wird schon dabei sein. Ich bringe also erstmal meine Sachen in mein Zimmer, packe meinen Rucksack mit Wasser, Fernglas und Fotoapparat, ziehe meine Trackingklamotten an und meinen Hut auf. Auf dem Weg begegnet mir eine 4-köpfige Gruppe, an der ich freundlich grüßend aber mit schnellem Schritte vorbei rausche. Gerade in der Natur liebe ich das Alleinsein. Das Gefühl, der Natur nah zu sein, ist in meinen Augen kein Gruppengefühl, so schlage ich einen forschen Schritt und bringe einigen Abstand zwischen sie und mich. Ich muss dann aber auch ordentlich durchpusten, da die ersten Meter ziemlich steil sind. Als ich wieder halbwegs bei Puste bin, mache ich das erste Panorama von dieser wirklich schönen Gegend.

Blick auf die Namtib Desert Lodge vom botanischen Wanderweg aus

Der Walk ist bislang nicht wirklich berauschend, da viele Blumen, Sträucher und Bäume entweder nicht mehr oder noch nicht blühen und sehr trocken aussehen. Ist halt nicht so wirklich die beste Zeit für Pflanzen, diese Trockenzeit…!

Dann schrecke ich ein paar Klippschliefer auf, die sofort fliehen und in sicherer Entfernung dennoch wieder blicken lassen. Ich mag diese kleinen Fellbälle, vor allem die witzige Mischung aus „Feigheit“ und „Neugier“.

Klippschliefer in den Tirasbergen, Namtib Biosphärenreservat

Nach ca. 30 Minuten Wegstrecke entlang nicht wirklich interessanten Pflanzen, führt der Pfad aus den steinigen Berghängen in eine Ebene, die mir mit ihrer plötzlichen auftauchenden Schönheit den Atem verschlägt.

Panorama einer Savanne in den Tirasbergen, Namtib Biosphärenreservat

Ich gehe etwas weiter hinein in die Ebene und die Schönheit will nicht aufhören, sie steigt mit jedem Stückchen Sicht, die der Berg zur Rechten freigibt.

Große Panoramaaufnahme einer Savannenlandschaft in den Tirasbergen, Namtib Biosphärenreservat

Beflügelt von so einer schönen Landschaft, bekomme ich dann doch auch Lust, etwas die Pflanzen zu fotographieren. Aber da ich – wie schon gesagt – kein Botaniker bin, weiß ich nicht mal (mehr), wie die Pflanzen heißen (bzw. hab’s wieder vergessen).

Pflanzen auf dem botanischen Wanderweg, Namtib Biosphärenreservat

Und hier in rot:

Pflanzen auf dem botanischen Wanderweg, Namtib Biosphärenreservat

Das lustige Rumprobieren mit dem Nahaufnahmemodus und dem Autofokus:

Pflanzen auf dem botanischen Wanderweg, Namtib Biosphärenreservat
Pflanzen auf dem botanischen Wanderweg, Namtib Biosphärenreservat

Zum Abschluss des Botanischen Rundgangs sehe ich, wie sich weiter oben den Hang rauf etwas bewegt. Ich bleibe stehen, schaue durchs Fernglas und sehe folgendes Tier:

Ein Klippspringer steht auf einem Felsen und beobachtet mich, Namtib Biosphärenreservat

Der Abend naht und ich begebe mich zum Ort, von dem wir den Sonnenuntergang beobachten und fotographieren wollen. Ich höre dann auch auf zu Schwafeln, versprochen 😀 !

Sonnenuntergang über der Savannenlandschaft in den Tirasbergen, Namtib Biosphärenreservat

Etwas näher,…

Nahaufnahme der Savannenlandschaft in den Tirasbergen bei Sonnenuntergang, Namtib Biosphärenreservat

und noch näher,…

Nahaufnahme der Savannenlandschaft in den Tirasbergen bei Sonnenuntergang, Namtib Biosphärenreservat

als Panorama,…

Panoramanahaufnahme der Savannenlandschaft in den Tirasbergen bei Sonnenuntergang, Namtib Biosphärenreservat

die Sonne geht unter,…

Nahaufnahme der Savannenlandschaft in den Tirasbergen bei Sonnenuntergang, Namtib Biosphärenreservat

und weiter unter,…

Nahaufnahme der Savannenlandschaft in den Tirasbergen bei Sonnenuntergang, Namtib Biosphärenreservat

und dann ist sie fast verschwunden!

Nahaufnahme der Savannenlandschaft in den Tirasbergen bei Sonnenuntergang, Namtib Biosphärenreservat

Nach diesem schönen Tagesausklang begeben wir uns alle zum Abendessen, was traditionell am Tisch der Gastgeberfamilie gereicht wird. Als ich damals davon hier im Forum gelesen habe, wusste ich nicht so genau, ob ich das gut finden würde. Thomas und seine Frau machen das aber super und schaffen es, sehr schnell das Eis zu brechen. Es sitzen viele interessante Menschen an einem Tisch, es wird viel geredet und gelacht. Da zwei Österreicher am Tisch sitzen, ich leider immer noch nicht das Ergebnis des Fußball-WM-Qualifikationsspiels Österreich – Deutschland in Erfahrungen bringen konnte, und das Thema gerade das Verhältnis Deutschland/Österreich ist, frage ich laut „Apropos Deutschland/Österreich, kennt jemand das Ergebnis des Fußballspiels?“ und ernte Lachen, aber leider kein Ergebnis. Das Essen schmeckt wunderbar und als Thomas mir ein weiteres Bier reicht, verkündet er, dass Deutschland 2:1 gewonnen hat, er habe gerade kurz mal im Internet nachgeschlagen. Ich bedanke mich für das Bier und das Ergebnis. Ich bin erleichtert, denn obwohl ich ca. 10000 km weit weg bin, steckt in mir halt auch ein großer Fußballfan und ich hatte schon die Befürchtung, dass es wieder mal eng werden würde.

Mir gegenüber sitzt ein französisches Päarchen, die leider nicht viel von der deutschssprachig-dominierten Unterhaltung verstehen können, daher entschließe ich mich, sie etwas in das Gespräch miteinzubeziehen. Die Beiden sind in meinem Alter, stellen sich als sehr nett heraus und wir plaudern darüber, was wir so zu Hause beruflich machen, was wir schon hinter uns haben und was unsere nächsten Stopps sind. Halt die typischen Konversationsstarter zum Eisbrechen. Wir bemerken, dass wir einen ziemlichen ähnlichen Reiseplan haben und dass wir uns vermutlich noch mal über den Weg laufen werden. Dann ist aber schon fast 22 Uhr und der Abend geht für meinen Geschmack leider zu schnell zu Ende. Ich hätte gerne noch etwas geplauscht, vor allem, weil das Haupthaus so gemütlich ist. Aber die anderen Reisenden sehen das anders und ziehen sich ziemlich schnell in ihre Zimmer zurück.

Ich hatte eigentlich etwas mehr von den Tirasbergen erwartet und der Tag ging mir etwas schnell zu Ende.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 9: Namtib Biosphärenreservat

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