Soussusvlei und Sesriem

Um Punkt 7 Uhr sitze ich am Frühstückstisch, früher geht es leider dort nicht, und ich wollte definitiv nicht mit leerem Magen in eine Sanddünen-Wüste fahren. Ausgecheckt hatte ich vorher schon. Nach ein paar Happen und einer Tasse Kaffee mache ich mich dann um 7:30 auf den Weg und erreiche den Eingang zum Soussusvlei gegen 8:30. Die Sonne ist schon lange über die Dünen aufgestiegen und die Temperaturen beginnen rasend zu steigen. Nach dem Erwerb des Permits stehen noch die 60 km Wegstrecke auf der geteerten Straße an. Die Fahrt entlang der Dünen ist schon beindruckend, es wird aber noch beeindruckender, als die Straße eine leichte Biegung macht und man nun von beiden Seiten von riesigen Sandwänden umgeben ist. Ab und an lassen sich auch hier in dieser unwirtlichen Gegend Tiere blicken.

Strauß vor Düne von der Teerstraße Richtung Soussusvlei

Tiere vor Dünen, ein unbeschreiblich schöner Anblick:

Oryx vor Düne von der Teerstraße Richtung Soussusvlei

Die Dünenwände sind selbst bei diesem gleißenden Licht ein umwerfender Anblick:

Panorama der Dünen entlang der Teerstraße Richtung Soussusvlei
Panorama der Dünen entlang der Teerstraße Richtung Soussusvlei
Panorama der Dünen entlang der Teerstraße Richtung Soussusvlei

Ich fahre an Düne 45 vorbei, da mir Deadvlei und Soussusvlei wichtiger sind. Kurze Zeit später ist der 2×4-Parkplatz erreicht, der Wagen wird abgestellt und eine seltsame Entscheidung, ins Deadvlei zu laufen, gefällt. Ich laufe los und sehe aus dem Augenwinkel, dass ein Nissan X-Trail mit hoher Geschwindigkeit in die Sandpiste reinfährt, aber nach gefühlten 5 Meter liegenbleibt und sich eingräbt. Der Fahrer steigt fluchend aus und mein Helferinstinkt setzt ein und ich nähere mich dem Fahrzeug. Nachdem ich meine Hilfe anbiete, setzt er sich wieder ans Steuer, aber wir schaffen es nicht, den Wagen rauszuschieben. Der Wagen kommt erst frei, als sich einer der Shuttle-Service-Fahrer ans Steuer setzt und wir mit 3 Leuten schieben. „Genau deswegen habe ich trotz 4×4 den Wagen stehen lassen, und das zurecht!“, denke ich mir und gehe zum Auto zurück. Ich nehme dies als Zeichen, dass ich doch das Shuttle in Anspruch nehmen sollte, kauf mir ein Ticket und warte mit anderen Gästen. Wieder kommt man ins Gespräch, wieder erzählt man die gleichen Geschichten. „Nimm nächstes Mal ein Tonband mit und spiele es ab“, blitzt eine Idee in meinen Gedanken auf. Wir warten nicht sehr lange, dann kommt ein Fahrzeug und wir dürfen einsteigen. Die Piste wäre wirklich nichts für meine nicht vorhandene 4×4-Erfahrung gewesen und nach 4 km erreichen wir den Parkplatz am Deadvlei.

Der Anblick von Big Daddy ist majestätisch:

Panorama der Big Daddy-Düne am Deadvlei

Es ist sehr windig und der Sand wird über den Kamm der Dünen geweht:

Nahaufnahme der Sandverwehungen auf der Big Daddy-Düne, Deadvlei

Der kurze Marsch zum Deadvlei ist um 10 Uhr bei 37 Grad schon recht stressig, vor allem weil ich es einem anderen Touristen nachmache und Barfuss auf dem teilweise heißen Sand gehe. Das Vlei selbst ist schon ein sehr skurriler Ort.

Tote Bäume im Deadvlei vor der Big Daddy-Düne

Als ich genau hinschaue, sehe ich auf der Düne Menschen und ich denke, „Wahnsinn, da wäre ich bestimmt gestorben, bevor ich da oben angekommen wäre!“. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz breitet sich die gesamte Dünenlandschaft vor meinen Augen aus.

Panorama von Big Mama auf dem Rückweg vom Deadvlei

Von der kleinen Anhöhe aus kann man auch schon das Soussusvlei sehen.

Düne trifft auf Parkplatz trifft auf Soussusvlei trifft auf Big Mama-Düne

Wir warten noch ca. 15 Minuten auf das Shuttle und fahren dann zum Soussusvlei weiter. Als wir dort ankommen, fragt mich der Fahrer etwas überraschend, ob ich aussteigen will. Ich bin sehr verwirrt, da ich dachte, wir alle würden hier aussteigen, aber niemand anderes will hier raus. Ich steige trotzdem aus und mache einige Bilder vom Vlei. Hier ein kleines Panorama.

Panorama vom Soussusvlei und Big Mama-Düne

Ich warte nun wieder auf das Shuttle und bin etwas enttäuscht von dieser Gegend. Allerdings keimt in mir die Ahnung, dass ich mich wesentlich ausführlicher mit dem Ort und den hier möglichen Aktivitäten hätte auseinandersetzen sollen. Ich komme mir etwas planlos vor, als ich nach 20 Minuten endlich in ein Shuttle steige und wieder zum Auto zurückkehre. Auf dem Rückweg wollte ich Düne 45 noch einen Besuch abstatten und so biege ich von der Hauptstraße ab und parke mein Auto unter dem Baum am Parkplatz.

Mächtig ragt die Düne in den blauen Himmel.

Frontalansicht der Düne 45, Soussusvlei

Dann finde ich die Motive, über die ich bei meinen Vorbereitungen gestolpert bin.

Toter Baum vor Düne 45, Soussusvlei

Normalerweise versuche ich mir keine – oder zumindest nur ganz wenige – Bilder von den Orten anzusehen, die ich besuche, um mir immer mein eigenes Bild zu machen. Allerdings war das bei Soussusvlei wirklich unmöglich, vor allem weil die Bilder auch allesamt so wunderschön waren.

Toter Baum und Springböcke vor Dünenlandschaft, Düne 45

Beim Fotographieren frage ich mich, wie oft dieser Baum wohl schon aufgenommen worden ist:

Nahaufnahme eines Baums vor Dünen- und Hügellandschaft am Fuße der Düne 45

Ich habe mal etwas von der Auffassung gelesen, dass wenn man ein Lebewesen fotographiert, ihm die Seele entzogen wird. Angenommen, ein Baum hat eine Seele, dann hat dieser Baum wohl keine mehr… 😀 !

Baum vor Dünen- und Hügellandschaft am Fuße der Düne 45

Ich habe dem Baum zweimal die Seele entzogen und bin leicht beschämt bei dem Gedanken daran, dass ich umgehend Buße tun muss. Und wie macht man das in der Wüste am Besten? Man besteigt eine Düne bei fast 40 Grad. Gesagt, getan…

Erhöhter Blick von Düne 45 auf die umliegenden Dünen- und Graslandschaft

und nach ca. 30 Metern meldet sich eine höhere Macht durch den Schmerz in meinen Beinen und der Schnappatmung in meinen Lungen, dass ich genug Buße getan habe. Wer bin ich schon, dass ich diese höhere Macht anzuzweifeln vermag?

Blick auf den zurückgelegten Weg auf der Düne 45 bei 38° im Schatten um ca. 13 Uhr (doofe Idee!)

So gehorche ich und steige wieder runter. Im Schatten des Baumes finde ich eine Wurzel, auf die ich mich setzen kann. Ich trinke umgehend einen ganzen Liter Wasser in einer ziemlich kurzen Zeit und versuche einen Herzkranzgefäßkatar zu vermeiden. Ich setze mich dann wieder ins Auto, da mir einfällt, dass es eine Klimaanlage hat. Die angenehme Kühle tut mir gut und ich fahre Richtung Ausgang. Kurz davor sehe ich ein Schild zum Sesriem Canyon und entscheide mich spontan, auch dahin zu fahren, da ich ja eh dafür bezahlt habe. Allerdings habe ich den Flip-Flop-Modus unterschätzt, in dem ich schon bin, also keine große Lust auf Wanderschuhe und Gekraxel habe. Die Entscheidung fällt auf ein paar Fotos von oben.

Blick über den Sesriem Canyon

Danach fahre ich aus dem Park raus und Richtung Weltevrede Guestfarm, an der ich ja schon zweimal vorbei gefahren bin auf dem Weg nach Solitaire. Die Anlage ist schön und den Rest des Tages verbringe ich am Pool, zusammen mit einem deutschen Päarchen, die ich aber erst nach einiger Zeit anspreche. Die beiden sind sehr nett und wir verstehen uns gut. Sie erzählen mir, dass sie morgen nach Swakopmund fahren und von dort einen Rundflug über die Dünen bis zum Meer buchen wollen. Ich bin ein wenig neidisch, muss bestimmt ein unvergessliches Erlebnis sein. Ist aber leider nicht so wirklich in meinem Budget, vor allem ist eine Buchung als Alleinreisender kaum verlässlich machbar. Den ganzen Tag über bietet die Gästefarm Kaffee und Kuchen an und nach zwei Stunden Sonnenbad kommt ein kleines Hungergefühl in mir auf. Als ich den Essensraum betrete, treffe ich das Päarchen aus Duisburg wieder. Wir reden über das, was die beiden im Soussusvlei am Vortag und heute erlebt haben und die Erkenntnis, dass ich sehr schlecht geplant habe und noch schlechter informiert war, trifft mich wie ein Stich ins Herz. Einziger Trost bleibt der Gedanke, dass ich bei einer Rückkehr nach Namibia eh in die Gegend hier wollte und es „nochmal richtig“ nachholen werde.

Als sich der Tag seinem Ende zuneigt und sich kleinere Wolken am Himmel zeigen, lässt sich erahnen, dass der Sonnenuntergang gut werden würde. Die Sonnenkugel steht tiefrot kurz über dem Horizont und die Wolken brechen das Licht spektakulär.

Sonnenuntergang von der Veranda meines Zimmers im Weltevrede Guesthouse

Allerdings schaffe ich es trotz vieler Einstellungen nicht, die rote Farbe der Sonne zu retten.

Sonnenuntergang von der Veranda meines Zimmers im Weltevrede Guesthouse

Beim Abendessen werde ich an den Tisch zu den Deutschen vom Pool eingeladen. Wir unterhalten uns sehr nett und das Essen, angerichtet als Buffet, schmeckt mir vorzüglich. Wir trinken noch einen Absacker und wir verabschieden wir uns voneinander. Da ich auch am nächsten Tag nach Swakopmund fahre, hoffen wir auf ein Wiedersehen am Atlantik. Ich sortiere noch meine Bilder und lege mich dann schlafen.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 12: Soussusvlei

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