Swakopmund: Living Desert Tour

Nach den beiden relaxten Tagen brenne ich vor Lust auf die Touren, an denen ich in den nächsten beiden Tagen teilnehmen werden. Heute steht eine Namib-Tour mit dem Veranstalter „Living Desert Adventures“. Im Vorfeld habe ich erfahren, dass Tommy und Chris, die jetzt konkurrierende Touren veranstalten, früher eine gemeinsame Firma hatten und diese Art Touren zusammen angeboten haben. Nach einem Streit der beiden, sind dann zwei Tourveranstalter daraus hervor gegangen. Da Tommys Tour allerdings ausgebucht war, bin ich froh, dass ich heute an der Tour von Chris teilnehmen kann. Ich soll um 8 Uhr abgeholt werden, also gehe ich recht pünktlich frühstücken und warte typisch deutsch ab 7:55 Uhr an der Straße bis 8:20, bis endlich der Jeep vor dem Veronika’s anhält. Douglas begrüßt mich herzlich, ich stelle mich ebenso vor und steige vorne zu ihm ins Auto. Ich bin der erste, der abgeholt wird, sodass ich freie Platzwahl habe. Wir holen noch einige andere Teilnehmer ab und fahren dann mit insgesamt drei Autos in die Wüste. Wir halten allerdings schon recht bald an, die Fahrer lassen Luft aus den Reifen und Chris nutzt die Zeit für die Begrüßung.

Er erklärt uns als erstes den Ablauf des Vormittags. Wir werden einige Stopps einlegen, an denen er etwas zur Landschaft, dem Ökosystem oder ähnlichem erzählt und währenddessen halten seine beiden Mitarbeiter nach Tierspuren Ausschau und versuchen, diese Tiere dann aufzuspüren. Dann folgt eine kurze Vorstellungsrunde, bei der jeder seinen Namen sagt und sich eventuell eine fiese Frage oder Bemerkung von Chris einfängt. Zu mir meinte er, ich wäre „The lonely Helge“, man würde meinen Augen ansehen, dass ich einsam wäre. Ich lache darüber, da mir aber auch keine witzige Erwiderung einfällt. Nach ein paar witzigen Spitznamen hält Chris seine Hassrede auf Quadbikes. Ich bin angetan von so viel Begeisterung, Leidenschaft und Opferbereitschaft für den gefährdeten Naturraum der Namib bei Swakopmund.

Danach wird’s aber dann handfest. Er fängt an, uns über „Milch und Müsli“ zu erzählen, dem morgendlichen Dunst von See her und den Samen, Pollen und Biomaterialien, die der Wind entweder aus Südwest oder aus dem Inland in die Namib trägt. Beides zusammen ermöglicht das pflanzliche Leben, die wiederum die Habitate für die Tiere in der Namib bilden. Wir erfahren, wieso die Lee-Seite einer Düne immer um die 30 Grad steil sind, was uns zu unserem ersten Tier bringt. Er zeigt uns ein Loch im Sand.

Der Bau einer Dancing White Lady-Spinne, Living Desert Adventure Tour

Es ist der Gang einer (Dancing) White Lady Spider, der Beutetiere anlocken soll. Er gräbt ein wenig weiter und plötzlich steht da eine Spinne und ist wirklich nicht in bester Laune:

Drohgebärde einer Dancing White Lady-Spinne, Living Desert Adventure Tour

Wir dürfen alle Zoombilder von der Spinne machen. Chris erklärt uns dabei, dass wir tunlichst nicht den Zoom der Kamera benutzen sollen, sondern mit dem Nahaufnahme-Modus die Kamera zum Tier bringen. Mit meiner recht unhandlichen Lumix schaffe ich es aber nicht so nah ran, also schalt ich doch den Zoom dazu.

Nahaufnahme einer Dancing White Lady-Spinne, Living Desert Adventure Tour

Denn wenn man zu nah kommt, passiert dann sowas:

Das passiert, wenn die Kamera einer Dancing White Lady-Spinne zu nahe kommt, Living Desert Adventure Tour

Nachdem sich alle Teilnehmer ordentlich im Sand gewälzt haben, um eine kleine, weiße Spinne zu fotografieren (wobei ich mir tierisch blöd vorgekommen bin !), wendet sich Chris einer weiteren Spur im Sand zu, die einer seiner Mitarbeiter markiert hat. Nach kurzem Graben hält er diesen kleinen, putzigen Kerl in der Hand.

Ein Gecko auf der Chris' Hand, Living Desert Adventure Tour

An dem kleinen Kerl ist wirklich ein Fotomodell verloren gegangen. Zwar haut er ab und mal an, aber man merkt deutlich, dass er normalerweise nachtaktiv ist.

Ein Gecko posiert für die Kameras, Living Desert Adventure Tour

Als alle ihre Fotos gemacht haben, lässt Chris den sehr schönen Gecko frei und er buddelt sich sofort wieder ein.

Ein Gecko vergräbt sich im Sand, Living Desert Adventure Tour

Chris meint dann, dass wir endlich wieder einsteigen sollen, da ja bald unsere Tour losgehen würde…! Wir steigen also ein und fahren weiter. Plötzlich bremst der erste Wagen, Chris springt aus dem Auto und bittet uns dann mit einem Wink, leise und vorsichtig auszusteigen. Er hat nämlich folgendes gesehen:

Ein Chamäleon in einem Busch der Namib, Living Desert Adventure Tour

Es handelt sich um ein recht junges, männliches Chamäleon. Es ist noch ziemlich dunkel, weil es noch recht früh am Morgen ist.

Nahaufnahme eines Chamäleons im Namibsand, Living Desert Adventures Tour

Da sie Kaltblüter sind, müssen sie sich bewegen, um „in Wallung zu kommen“. Und nach seinem „Moonwalk“ ändert es dann auch seine Farbe:

Chamäleon setzt sich in Bewegung und verändert die Farbe, Living Desert Adventures Tour
Chamäleon setzt sich in Bewegung und verändert die Farbe, Living Desert Adventures Tour
Chamäleon setzt sich in Bewegung und verändert die Farbe, Living Desert Adventures Tour

Nach einer kleinen Made, die sich das Chamäleon mit seiner langen Zunge schnappt, hat es auch schon keinen Hunger mehr, ich habe davon leider kein Foto und wir fahren weiter. Chris meint erneut, dass wir endlich wieder einsteigen sollen, da ja bald unsere Tour losgehen würde…!

Nach kurzer Fahrt halten wir wieder an und an einem kleinen Busch kann man schon erkennen, was dort lauert:

Zwergpuffotter eingegraben im Namibsand unter einem Busch, Living Desert Adventures Tour

Auch hier halte ich erfurchtsvoll Abstand und benutze den Zoom:

Nahaufnahme einer im Namibsand eingegrabenen Zwergpuffotter, Living Desert Adventures Tour

Chris macht für andere Teilnehmer mit kleinen Kompaktkameras umwerfende Nahaufnahmen und ich ärgere mich etwas, dass ich meine Coolpix zu Hause gelassen habe. Dann präsentiert Chris die Zwergpuffotter in voller Pracht.

Züngelnde Zwergpuffotter in voller Pracht, Living Desert Adventures Tour

Er meint, dass wäre ein ausgewachsener Vertreter seiner Art, in der Namib seien die Tiere halte alle etwas kleiner. Sie ist ca. 30 cm lang und ich bin beeindruckt von ihrer Schönheit.

Zwergpuffotter setzt sich in Bewegung, Living Desert Adventures Tour
Zwergpuffotter flüchtet, Living Desert Adventures Tour

Das schwarze Ende des Schwanzes dient der Schlange als Lockmittel, wenn die Schlange unter dem Sand auf der Lauer liegt. Wenn ein Beutetier kurz vor seiner Lauerstellung doch in eine andere Richtung läuft, lässt sie ihr Schwanzende – was aussieht wie ein Beutetier ihres Beutetiers – aus dem Sand ragen und lockt damit das Beutetier wieder in ihre Richtung. Wenn das Beutetier in Reichweite ist, schlägt sie zu. Chris kreist mit seinen Armen dann über der Schlange und wie auf sein Kommando vergräbt sich die Schlange wieder im Sand, Wahnsinn. Danach lässt er sie ihre Seitwärtsbewegung auf einer Düne machen, von der die Schlange ihren englischen Namen „Sidewinder Snake“ hat. Sie vergräbt sich wieder unter einem nahegelegen Busch und wir lassen sie dann in Ruhe. Wieder bei den Autos sehen wir dann das andere Ende der Nahrungskette, so zum Beispiel eine beinlose Echse (Fitsimmon’s Burrowing Skink)…

Beinlose Echse (Fitsimmon’s Burrowing Skink), Living Desert Adventures Tour

ein Siberfischlein,…

Silberfischlein, Living Desert Adventures Tour

und ein Tok-Tokkie:

Tok Tokkie-Käfer im Namibsand, Living Desert Adventures Tour
Nahaufnahme des Tok Tokkie-Käfers, Living Desert Adventures Tour

Und das hier ist übrigens Chris, zusammen mit diesem Käfer:

Chris mit einem Tok Tokkie-Käfer, Living Desert Adventures Tour

Wir finden noch ein weiteres, dieses Mal etwas größeres Chamäleon.

Älteres Chamäleon in einem Busch, Living Desert Adventures Tour
Nahaufnahme eines Chamäleons, Living Desert Adventures Tour

Die sich unabhängig von einander beweglichen Augen finde ich immer wieder faszinierend:

Chamäleons auf Chris' Hand, Living Desert Adventures Tour

Ich habe das Glück, dass dieses Chamäleon wesentlich mehr Hunger hat und ich mehr Möglichkeiten habe, seine Fütterung zu fotographieren. Die Zunge dieser Biester ist aber so schnell, dass das Bild leider unscharf ist.

Chris füttert ein Chamäleon, Living Desert Adventures Tour
Die lange, ausgefahrene Zunge eines Chamäleons beim Fressen, Living Desert Adventures Tour
Chamäleon frisst Mehlwurm, Living Desert Adventures Tour

Dann zeigt uns Chris noch etwas, was ich mich tatsächlich beim ersten Anblick der Dünenlandschaft gefragt habe. Die Dünen sind oft mit einer grauen Schicht überzogen. Ich hatte es auch für Verunreinigungen gehalten, er beweist uns aber, dass es sich um Eisen handelt.

Chris gewinnt Eisen aus dem Namibsand, Living Desert Adventures Tour
Eisenspäne aus dem Namibsand an einem Magneten, Living Desert Adventures Tour

Immer wieder hat Chris gesagt, dass wir wieder einsteigen sollen, da die Tour ja bald erst losgeht und als wir dann ins Dünenmeer fahren, weiß ich, dass man es nicht nur als Running-Gag verstehen konnte. Hier ist auch gut das Eisen auf den Dünen zu erkennen:

Panorama des küstennahen Dünenmeers, Living Desert Adventures Tour

Der Ausblick auf ein kleines Vlei:

Großes Panorama eines Vleis im küstennahen Dünenmeer, Living Desert Adventures Tour

Schon beeindruckend, solche Ausblicke hatte ich mir von Soussusvlei erhofft und nicht bekommen. Umso froher bin ich, dass ich es jetzt nach Herzenslust fotographieren kann.

Panorama des küstennahen Dünenmeers, Living Desert Adventures Tour
Geländewagen vor dem küstennahen Dünenmeer, Living Desert Adventures Tour

Der Sand der Dünen ist deutlich jünger als im Soussusvlei, daher ist er so gelblich:

Panorama des küstennahen Dünenmeers, Living Desert Adventures Tour

Ein toller Anblick, wenn die gelbe Wüstenlandschaft auf das blaue Meer trifft.

Das Dünenmeer trifft auf das richtige Meer, den Atlantik, Living Desert Adventures Tour

Beim letzten Stopp unterhalte ich mich noch mit einem australischen Päarchen, die auch bei mir im Auto sitzen. Ich frage sie, wie deren weitere Tour noch so aussieht und wir stellen fest, dass wir sowohl in Halali als auch Okaukuejo am gleichen Datum gebucht haben. Wir verabschieden uns mit der Hoffnung, dass wir uns dort wiedersehen werden.

Den Nachmittag verbringe ich recht unspektakulär im Vorgarten vom Veronika’s und unterhalte mich wieder sehr nett mit Nicole. Zum Abendessen entschließe ich mich alleine ins Lighthouse zu gehen, das Orxysteak war gestern einfach zu lecker. Auch heute ist das Ambiente schön und das Essen lecker. Ich erfreue mich noch an den schönen Bildern, die mir am Vormittag gelungen sind und freue mich auf die morgige Ganztagestour nach Sandwich Harbour.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 15: Living Desert Adventures

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