Von Aus nach Lüderitz

Wie am Vortag geplant, mache ich nach dem Frühstück und einem kurzen Gespräch mit dem Guide an der Rezeption zum „Schutztruppen“-Trail in die Aus Mountains auf, über 10 km bergauf und bergab. Auf dem Plan standen einige sehr interessante und vielversprechende Wegpunkte, dazu gehörte der Viewpoint auf eine wüstenhafte Ebene, die Geisterschlucht und die „German Ramparts“, also von der damaligen deutschen Schutztruppe errichtete Schutzwälle. Ich mache mich also frohen Mutes, frisch eingecremt und mit Wasser und Essen ausgestattet, auf den Weg. Am Campingplatz führt der Weg direkt bergauf in die zentralen Bereiche der Aus Mountains. Kurz nach den letzten Stellplätzen bietet sich dann folgendes Bild.

Buschlandschaft in den Aus Mountains, Klein Aus Vista

Nach dem ersten steileren Stück bergauf, muss ich ordentlich durchpusten, aber während meiner ersten, kleinen Pause wandert mein Blick zurück.

Blick zurück auf die B4 und die Campsite von Klein Aus Vista

Ich erreiche ein kleines Hochplateau, von dem sich ein toller Ausblick auf die Straße Richtung Lüderitz bietet.

Steinansammlungen vor weiter Ebene und Hügellandschaft, Klein Aus Vista

Unterwegs begegnen mir immer wieder kleine Lebenwesen…

Nahaufnahme des Insekts in den Aus Mountains, Klein Aus Vista
Tok Tokkie-Käfer in den Aus Mountains, Klein Aus Vista
Riesiger Käfer in den Aus Mountains, Klein Aus Vista

Nach ca. einer Stunde erreiche ich die Abzweigung zum Viewpoint, der einen tollen Ausblick auf eine wüstenhafte Ebene bietet. Obwohl ich immer wieder die Schilder übersehe, schaffe ich dennoch irgendwann zum Ausguckspunkt und bin hin und weg von diesem tollen Anblick.

Großes Panorama von der wüstenhaften Ebene in den Aus Mountains, Klein Aus Vista

Alleine dafür hat es sich schon gelohnt.

Panorama von der wüstenhaften Ebene in den Aus Mountains, Klein Aus Vista

Am Horizont entdecke ich eine starke Wolkenbildung und es sieht im Sucher meiner Kamera fantastisch aus. Ich hoffe, ich konnte es auch einigermaßen rüberretten.

Wolkenbank am Horizont in den Aus Mountains, Klein Aus Vista

Beim Abstieg vom Viewpoint gehe ich um einen Felsen und sehe nur noch Fell…

Kliffschliefer in den Aus Mountains, Klein Aus Vista
Nahaufnahme von einem Kliffschliefer in den Aus Mountains, Klein Aus Vista

Immer wieder bleibe ich stehen und bewundere die wenigen Pflanzen, die sich um so farbenfroher in dieser staubig, steinige Landschaft behaupten und Farbe ins Land bringen.

Pflanzen in den Aus Mountains, Klein Aus Vista
Pflanzen in den Aus Mountains, Klein Aus Vista
Pflanzen in den Aus Mountains, Klein Aus Vista
Pflanzen in den Aus Mountains, Klein Aus Vista
Pflanzen in den Aus Mountains, Klein Aus Vista

Nach ca. 3 Stunden erreiche ich dann endlich die Geisterschlucht und ich bin schon ziemlich kaputt. Als ich dann aber diesen Anblick sehe, erwachen meine Lebensgeister neu.

Panorama der Geisterschlucht in den Aus Mountains, Klein Aus Vista

Ich mache mich an den Abstieg hinab in die Geisterschlucht und merke, dass bergab gehen auf so einem kleinen Weg eine ziemliche Plackerei ist und wesentlich anstrenger und unsicherer ist, als bergauf zu laufen. Fluchtend, da ich immer wieder ausrutsche, erreiche ich endlich das Tal. Das Auto von gestern ist auch noch da, allerdings sieht es in der gleißenden Mittagssonne nicht ganz so spektakulär aus…

Auto vor der Geisterschlucht in den Aus Mountains, Klein Aus Vista

Kurz zur Geschichte dieses Autos: Die Einschusslöcher sind von der Polizei, die zwei Diamantendiebe auf der Flucht von Lüderitz bis hier her verfolgt und gestellt haben. Die beiden Diebe starben im Kugelhagel, wie man sich unschwer vorstellen kann. Daher auch die Bezeichnung „Geisterschlucht“, nun ja, Mythos halt.

Ich halte mich nicht lange auf, da ich wirklich an meine Grenzen kommme. Es scheint so, als hätte ich mich etwas überschätzt. 10 km sind für mich wirklich lang und ich wünsche mir eigentlich nur noch, dass ich endlich wieder im Desert Inn ankomme. Es liegen aber noch bestimmt 1/3 der Wegstrecke vor mir. Als nächstes stehen die Schutzwälle auf dem Plan, was mich noch motiviert weiterzugehen. Umso demotivierter bin ich, also sich mir folgender Anblick bietet.

Deutsche Verteidigungsstellung in den Aus Mountains, Klein Aus Vista

Ich hinterfrage mich, was ich denn erwartet hätte, etwa so einen Betonbunker wie an der Küste der Normandie oder im Pas de Calais? Aber zumindest etwas mehr als ein paar aufeinandergestapelte Steine. War ich da zu naiv? Ich beantworte mir die Frage mit „Nein“ und ziehe etwas enttäuscht weiter.

Völlig fertig komme ich nach 5 1/2 Stunden Fußmarsch komplett entnervt wieder im Desert Inn an und melde mich artig zurück. Ich kaufe mir noch zwei Flaschen Wasser, von denen ich eine mehr oder weniger sofort austrinke, es handelt sich im Übrigen um 1 Liter Flaschen… ! Ich verabschiede mich, ausgecheckt hatte ich vor dem Antritt des Fußmarsches ja schon, und mache ich auf den Weg zu den Wüstenpferden. Nach ca. 20 km auf der Straße nach Lüderitz fahre ich natürlich erst mal wieder an dem Schild, auf dem dick „Desert Horses“ steht und ein Pfeil nach rechts abgebildet ist, vorbei, drehe nach 300 m und biege endlich richtig ab. Der Weg ist eine komplette Katastrophe, schlimmer als die Gravelroads im Fish River Canyon Park. Laut der Dame an der Rezeption vom Desert Horse Inn ist 16 Uhr die beste Zeit für das Beobachten der Pferde. Ich komme an und es sind erstmal keine Pferde am künstlichen Wasserloch. Doch nach 5 Minuten warten, punkt 16 Uhr, kommen drei Pferde aus der Wüste und trotten Richtung Wasserloch.

Wüstenpferde auf dem Weg zum Wasserloch von Garub

Die Pferde fangen auch sofort an, etwas zu trinken.

Nahaufnahme der Wüstenpferde beim Trinken am Wasserloch von Garub

Nach gut 10 Minuten Wassertrinkens und Fortjagens eines forschen Vogels machen sich die Pferde wieder auf den Weg in die Wüste und der Spuk ist vorbei. Da es schon 16:15 Uhr ist, gehe ich zurück zum Auto und fahre wieder Richtung Lüderitz. Ich möchte gegen 17 Uhr im B&B „Zur Waterkant“ sein und ich vermute, dass ich noch das ein oder andere mal aussteigen werde, was dann auch so kommt…

Erster Blick auf die Dünenlandschaft auf dem Weg nach Lüderitz, B4

Die ersten Dünen türmen sich auf und ich merke, wie der Wind zunimmt.

Dünenmeer der Namib entlang der B4 nach Lüderitz

Und prompt wird man auch gewarnt.

Warnhinweis an der B4 auf dem Weg nach Lüderitz

Warum gewarnt wird, wird mir auch bald klar.

Sandverwehungen auf der Straße auf dem Weg nach Lüderitz, B4

Der Wind ist bald so stark, dass ich zwar gerne aussteigen würde, der Sand aber beim Öffnen der Tür sofort ins Auto weht, aua, auch in meine Augen. Ich probiere es mit dem Fenster der Fahrertür, aua, nein, das geht auch nicht. Das Fenster bleibt also auch zu.

Dünenmeer entlang der B4 auf dem Weg nach Lüderitz

Dann überfahre ich die letzte große Düne und sehe endlich das Meer. Der Anblick fasziniert mich.

Erster Blick auf den Atlantik auf dem Weg nach Lüderitz, B4

Als ich in der Waterkant einchecke, sitzt ein deutsches Ehepaar direkt vor meinem Zimmer, zu denen ich mich direkt geselle, nachdem ich meine ganzen Sachen in mein Zimmer geschafft habe. Marlies und Sebastian heißen die beiden, und der Fakt, dass ich mich an ihre Namen erinnere, weißt schon darauf hin, dass wir uns nicht das letzte Mal begegnet sein sollten. Wir verstehen uns auf Anhieb prächtig, wir trinken gemeinsam ein Bierchen auf der Terasse mit dem tollen Blick auf den Hafen von Lüderitz und der schon tiefstehenden Sonne. Danach gehen wir gemeinsam essen und ziehen uns dann zurück, da wir am nächsten Morgen gemeinsam auf die Bootstour mit dem Segelschiff Sedina gehen werden. Der Gastgeber meldet alle Gäste dort vorsorglich an, sodass man den Platz auch sicher hat. Man könnte aber auch absagen. Aber mir gefällt diese Vorgehensweise!

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 6: Aus - Lüderitz

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