Zur Anib Kalahari Lodge

Am diesem Morgen stehe ich auf und gehe in den Frühstücksraum. Urig mit Holzmöbel eingerichtet und freundlich vom Personal begrüßt, fängt der Tag schon mal sehr schön an. Das Frühstück ist gut, ich unterhalte mich mit einem jungen Mann am Nebentisch, der auch alleine an seinem Tisch sitzt. Er erzählt mir, dass er am Ende seiner Reise ist. Das ist in Windhoek wohl öfters so, dass Menschen aufeinander treffen, die ihre Reise noch vor sich bzw. schon hinter sich haben. Sehr gebannt lausche ich seinen Ausführungen.

Nach dem üppigen Mahl packe ich meine Sachen und bereite mich auf den Aufbruch vor. Auf der Veranda sitzt noch ein Päarchen, die ihren Trip plant. Ich geselle mich dazu und erfahre, dass die beiden aus meiner Heimatstadt Duisburg kommen. Wie schön klein die Welt manchmal ist :) ! Wir tauschen unsere Reisepläne aus und merken, dass wir sehr viele Überschneidungen haben und dass wir uns vermutlich öfters über den Weg laufen. So sollte es denn auch kommen!

Ich checke so gegen 9 Uhr aus und überlege mir dabei schon, dass ich hier am Ende meiner Reise gerne wieder herkommen würde. Da mir der Vermieter am Vortag mitgeteilt hatte, dass ich eventuell den X-Trail tauschen müsste, mein Anruf leider nicht beantwortet wurde, war ich unsicher, wie es nun weitergehen sollte. Ich entschließe mich, auf Nummer sicher zu gehen und nochmals zum Hertz-Schalter am Flughafen zu fahren und nachzufragen, ob so alles okay sei. Als ich dort ankomme, spreche ich mit einem netten Mitarbeiter, der mir versichert, dass die beiden Autos der gleichen Autogruppe angehören und ich damit losfahren kann. Gesagt, tun getan, mache ich also auf den Weg in die Nähe von Mariental. Auf dem Weg vom Flughafen zurück nach Windhoek führt eine Teerstraße, die C23, nach Dorbabis. Ich entschließe mich kurzfristig – nach einem Blick auf die Karte – , diese Straße zu nehmen. Ich glaube, es war die richtige Entscheidung, denn sie führt durch eine wahnsinng tolle Landschaft. Ich steige mehrmals aus, um Fotos zu machen.

Warnschild an der C23 Richtung Dorbabis
Panorama der Landschaft, C23

Ich fahre über eine Brücke und sehe einen ausgetrockneten Fluss und denke mir, „den fotographier ich mal, sieht man ja nicht alle Tage.“ Dass ich damit den Hauptzustand von fast allen Flüssen aufnehme, sollte mir aber ziemlich schnell bewusst werden. Namibia ist halt ein sehr trockenes Land, und ich muss unwillkürlich an den Regen im Überfluss in Hamburg denken und bin etwas verlegen…

Ausgetrocknetes Flußbett, C23

Ich fahre weiter, muss aber immer wieder anhalten, da ich diese – meinen Augen gänzlich neue – Landschaft in mich aufsauge. Allerdings will auch mein digitales Auge daran teilhaben, so schnapp ich mir die Kamera und mache wieder Panoramaaufnahmen von dieser tollen Umgebung.

Panoramablick von einer kleiner Anhöhe, C23
Ausblick auf ein ausgetrocknetes Flussbett

Nach einer Weile komme ich an eine Kreuzung und ich muss die Teerstraße verlassen und zum ersten Mal auf eine Gravelroad abbiegen. Früher oder später hätte ich mich dem eh stellen müssen, aber mit dem X-Trail habe ich auch weniger Befürchtungen. Was mich am Anfang sehr nervös macht, ist das Krachen der aufgewirbelten Steinchen im Radkasten und ich frage mich, wie ich den Wagen jemals ohne neue Kratzer zurückgeben kann… ! Auch wenn’s ein Rental ist… ! Das Landschaftsbild ändert sich kurz nach dem Abbiegen: Roter Kalahari-Sand schimmert immer mal wieder durch, die Hügellandchaft zieht sich etwas zurück.

Erste Gravelroad südlich von Dorbabis

Nicht nur die Landschaft ändert sich, sie wird auch lebendiger. Immer wieder bewegt sich was am Wegesrand, läuft etwas über die Straße oder lässt sich was in der Landschaft erahnen. Dadurch stellt sich noch heftiger dieses Gefühl ein, endlich in Afrika angekommen zu sein. Das war mir persönlich so wichtig, dass man beim Fahren durch die Landschaft Tiere sieht. Ist das doch so anders als in Deutschland.

Kudus auf der Düne aus rotem Sand
Erdmännchen neben der Straße

Dann erreiche ich gegen ca. 16:00 die Anib Kalahari Lodge. Ich werde mit einem Getränk freundlich begrüßt, checke ein und frage nach den Aktivitäten, die ich hier unternehmen könne. Mir wird mitgeteilt, dass der Sundown-Gamedrive bereits um 15:30 Uhr los ist. Schade, schade, hätte ich wohl gerne gemacht. Ich buche dann aber den morgendlichen Game-Drive und Abendessen, beziehe danach mein Zimmer, was wirklich schön ist. „Die Anlage ist wirklich schön, aber es muss doch noch mehr geben, als in den Pool zu gehen“, denke ich mir so. Also frage ich die nette Frau an der Rezeption und sie erzählt mir etwas von den Nature Walks. Ich lasse mir die drei Alternativen aufzeigen, schnappe mir meinen Rucksack plus Kamera und entscheide mich für den mittellangen (7,5 km) langen Zebraweg. Ich gehe den Weg entlang und genieße die Landschaft und sehe meinen ersten Springbock.

Springbock beim Nature-Walk, Kalahari Anib Lodge

Ich bin aufgeregt beim Fotografieren, da er weit weg und ich noch nicht genau weiß, was der Zoom meiner Kamera wirklich kann bzw. ob ich den auch gut bedienen kann. Nachdem der Springbock verschwindet, gehe ich weiter und es lassen sich nach und nach immer mehr Tiere blicken.

Größere Springbockgruppe beim Nature-Walk, Kalahari Anib Lodge
Oryx beim Nature-Walk, Kalahari Anib Lodge

Dann neigt sich der Tag seinem Ende und ich bekomme etwas zu sehen, was mir auch sehr wichtig war: Die wunderbare afrikanische Landschaft im Sonnenuntergang. Ich finde, dass gerade diese Savannen- und Baumlandschaft im Abendlicht noch mal das Doppelte an seiner Schönheit hinzugewinnt. Beim Anblick dieser Landschaft in diesem Licht fühle ich mich geeehrt, dies genießen zu dürfen. Ehrfurchtsvoll mache ich Fotos und versuche das Gefühl mit der Kamera aufzusaugen.

Sonnenuntergang auf der Kalahari Anib Lodge

Dann verschwindet die Sonne hinter dem Horizont, ich erreiche im letzten Dämmerlicht die Lodge und melde mich zurück. Beim Betreten meines Zimmers komme ich in den Genuss folgenden Anblicks:

Wunderschöne Farben nach Sonnenuntergang, Kalahari Anib Lodge

Vor dem Abendessen mache ich mich noch frisch und gehe dann zu Tisch. Ich lerne ein nettes schweizerisches Päarchen kennen, die mich an ihren Tisch einladen. Wir fanden die Essenspräsenstation in 3 Sprachen sehr witzig, vor allem auf San. Auch wenn es etwas den Hauch von Touristenunterhaltung hatte. Das Essen schmeckt mir gut, genau wie das Tafel Lager, was ich heute ausprobiere. Da es etwas herber als das Windhoek Lager ist, beschließe ich, beim Tafel Lager zu bleiben. Die beiden Schweizer wollen früh zu Bett gehen und schlagen meinen Vorschlag nach einem Bierchen in der Bar ab. Ich nehme mir aber ein Betthupferl mit und setze mich unter den Sternenhimmel vor meinem Zimmer und höre Musik. Wahnsinn, dieser Anblick. Ich versuche, diesen Himmel mit meiner Kamera zu fotografieren, muss mir aber eingestehen, dass es damit nicht so gut geht. Ich kann mit dem Programm nur 30 sek belichten und dies schien nicht auszureichen, um die Michstraße in ihrer vollen Pracht aufzunehmen. Sei’s drum. Ich gehe auch etwas früher als am Vortag zu Bett, da der Morgen-Gamedrive um 6 Uhr anfangen soll. „Mache ich hier eigentlich Urlaub? So früh stehe ich zu Hause selbst an einem Arbeitstag nicht auf!“, denke ich noch, bevor ich einschlafe.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 2: Windhoek - Kalahari Anib Lodge

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