Weltevrede bis Swakopmund

Heute steht eine ziemliche lange Fahrt von ca. 250 km von der Weltevrede nach Swakopmund an, wo ich mich im Veronika Bed & Breakfast einquartiert habe. Daher wurde heute mal etwas länger geschlafen, und nach der morgendlichen Dusche ein ausladendes Frühstück zu sich genommen. Der werte Herr ist gesättigt, das Auto ist gepackt, also gehe ich mit leicht mulmigem Gefühl zur Rezeption um Auszuchecken. Ich weiß nämlich nicht mehr so genau, ob die Lodge Kreditkarten akzeptiert und falls nicht, ob ich ausreichend Nam$ am Mann habe. Ich bin etwas erleichtert, als die Gastgeberin sagt, dass ich mit Karte bezahlen kann und reiche ihr meine Mastercard. Sie schiebt die Karte in das Gerät und als sie ein komisches Geräusch von sich gibt, werde ich wieder etwas nervös. Die Karte wurde zwar nicht abgelehnt, allerdings scheint „der Host nicht erreichbar“ zu sein. Ohne große Hoffnung reiche ich ihr meine andere Karte, bei der diesselbe Fehlermeldung erscheint. Ich sage ihr, dass ich hoffe, genug Geld dabei zu haben. Sie gibt mir die Rechnung und zum Glück hatte die Lodge schon einen Anteil von meiner Kreditkarte abgebucht, die ich damals zur Reservierung hinterlegen musste. Davon wusste ich allerdings nichts mehr und ich weiß auch nicht, ob mir das so gefällt. Mein Bargeld reicht gerade so aus, um zu bezahlen. Gott sei Dank, denke ich, ist mein Tank wieder voll, allerdings liegen ja über 200 km vor mir, nur mit meinen Notfall-100-US-Dollar in der Tasche. Wenn da mal nichts schiefgeht…

Ich verlasse mit gemischten Gefühlen diese Unterkunft. Einerseits waren die Zimmer schon recht schön, das Essen ganz gut und ich hatte nette Menschen kennengelernt bzw. wieder getroffen. Aber der kühle Auftritt am gestrigen Tage und die seltsame Verabschiedung laden nicht direkt zum Wiederkommen ein. Ich fahre also wieder auf die Straße Richtung Solitaire, auf der ich vor zwei Tagen schon mal gefahren bin. Ich halte auch wieder in Solitaire an, um mal zu überprüpfen, ob ich dort Geld bekommen hätte. Der ATM ist natürlich außer Betrieb und ich fahre ohne neue Devisen weiter. Als ich an dem Schild „Gaub Pass“ vorbei fahre, erinnere ich mich an Jordanien, da war es nämlich auch üblich, in einen Pass reinzufahren (also runter), anstatt über ihn rüberzufahren. Ich muss unwillkürlich an die tollen schweizerischen Alpenstraßen denken und wie schön ich die Landschaft dort oben finde, was für eine deplatzierte Assoziation…! Ich fahre also runter (anstatt hoch) und bin dennoch überwältigt von der Schönheit. Auf der anderen Seite wieder hochgefahren, steige ich aus und mache ein Foto von der etwas anderen Pass-Straße.

Panorama des Gaub-Passes an der C14 auf dem Weg nach Swakopmund

Als Hobby-Geologe fand ich die versetzen Erdschichten ziemlich beeindruckend:

Panorama einer Hügellandschaft entlang der C14 auf dem Weg nach Swakopmund

Dann fahre ich weiter, aber komme nicht sehr weit, da ein Greifvogel direkt vor mir aufsteigt. Ich bin schnell genug mit der Kamera,…

Aufsteigender Greifvogel am Gaub-Pass an der C14 Richtung Swakopmund

bleibe dann auch etwas bei ihm und sehe ihm beim Kreisen zu. Die C-14 ist die bislang schlechteste Gravelroad und nervt mich ganz schön an. Ich komme kaum dazu rauszuschauen und mir die Gegend anzuschauen, denn jedes Mal, wenn ich aus dem Fenster schaue, übersehe ich ein Loch, ein Wellbrett oder große Steine. Daher bleibe ich ab und mal stehen und mache Fotos, um meine Laune aufzubessern. Dieser Landschaftstyp erinnert mich extrem an den Jordanien-Urlaub vom letzten Jahr, felsig-sandiger Untergrund mit sanften Hügeln, eine karge Schönheit, die zeigt, dass es noch mehr gibt als grünbewachsene Gras- und Hügellandschaften, wie sie es ja großflächig in Europa gibt.

Wüstenlandschaft á la Jordanien an der C14 Richtung Swakopmund

Der Kuiseb-Pass entschädigt mich dann wieder und meine Laune bessert sich etwas. Ich halte am Ausguckspunkt an, mache aber erstmal ein Foto von der Straße aus.

Versetzte Erdschichten am Kuiseb-Pass an der C14 auf dem Weg nach Swakopmund

Dann steige ich zum Ausguckspunkt hoch und der Blick ist einfach nur wunderschön. So eine komische Landschaft durfte ich noch nie erblicken.

Panorama vom Ausguckpunkt am Kuiseb-Pass auf die Hügellanschaft an der C14

Nach weiteren 2 Stunden Fahrt, der Überquerung des südlichen Wendekreise inklusive (was ich nicht gerafft habe und ich mich ärgere, dass ich kein Nerd-Foto gemacht habe!), erreiche ich – endlich wieder auf Teerstraße – Walvis Bay. Ich sehe eine risiege Düne und Menschen darauf, sodass sofort meine Neugier geweckt wird. Ich biege ab und fahre Richtung Düne. Es handelt sich um Düne 7, von der ich gelesen habe, dass man auf dieser Düne sandboarden kann. Ich persönlich wollte das nicht, aber anschauen wollte ich mir das dann doch.

Panorama von Sandboardern auf Düne7 bei Walvisbay

Der Ausblick in die Dünen nördlich von Düne 7 macht mir so viel Lust auf die nächsten Tage, vor allem die Living Desert Tour, die ich hier auf jeden Fall mitmachen wollte.

Panorama der Dünenlandschaft hinter Düne bei Walvisbay

Fast vergessen ist der Ärger über den Zustand der C-14 und ich fahre nach Walvis Bay, um dort kurz vor dem Abzweig nach Norden Richtung Swakopmund in eine Verkehrskontrolle zu geraten. Erinnerungen an Ketmanshoop werden wach, als die Polizistin mich bittet, das Fenster herunterzumachen und ihr meine Papiere zu geben. Sie fragt mich noch, wo ich hin will und wie lange ich dort vor habe zu bleiben. Ich beantworte brav die Fragen und werde dann mit einem „Welcome to Walvis Bay“ zum Weiterfahren aufgefordert. Die geteerte Straße zwischen Walvis Bay und Swakopmund führt oft ziemlich nah am Ozean entlang, was ich klasse finde. Kurz vor Swakopmund halte ich an und muss das einfach fotographieren.

Küstenstraße B2 von Walvisbay Richtung Swakopmund

Ich fahre noch ein Stück weiter, parke auf einem kleinem Parkplatz und klettere eine Küstendüne hoch. Am Horizont erkennt man schon Swakopmund.

Blick auf Swakopmund von Düne an der Küstenstraße B2

Beim Blick Richtung Südosten bietet sich ein berückend schöner Blick aufs Dünenmeer.

Blick in das Dünenmeer bei Swakopmund von Düne an der Küstenstraße B2 aus

Beim Abstieg von der Düne fällt mir erst auf, wie schöne diese Ecke kurz vor Swakopmund ist.

Blick auf die Brandung und das Ufer an der B2 Richtung Walvisbay

Ich erreiche gegen 14:30 das Veronika Bed & Breakfast und ich werde sehr herzlich von Nicole empfangen, die mir direkt ein Bierchen anbietet. „Kann die Frau Gedanken lesen?“, frage ich mich und bejahe es – zwar etwas zögerlich ob der „frühen Stunde“. Das Bier im Freien, der schöne Vorgarten und die nette Gesellschaft lassen mich endlich wieder etwas entspannen. Ich merke, dass mich diese C-14 wirklich fertig gemacht hat und dass es schon Nachteile hat, alleine zu reisen, in diesem Fall auch alles alleine fahren zu müssen.

Ich packe meine Sachen in mein Zimmer und geselle mich wieder zu Nicole, die immer noch im Vorgarten sitzt und Kaffee trinkt. Ich frage sie, ob sie mir beim Buchen von Veranstaltungen behilflich sein kann. Sie fragt nach, was ich mir denn so vorgestellt habe und ich entgegne, dass ich gerne die Wüstentour machen würde. Sie holt das Telefon und fragt, ob morgen noch etwas gehen würde. Beide Veranstalter sind ausgebucht, nur für den 18.9. wäre noch etwas frei. Bevor ich allerdings keinen Platz bekommen würde, sage ich zu.

Meine Gedanken wandern an meine Tourplanung, die 3 Übernachtungen in Swakopmund vorsahen, allerdings folgen dann zwei Tage, wo ich noch nichts gebucht habe. Ich lasse mich von Nicole noch etwas beraten, was es noch für Touren gibt. Sie schlägt diese Seal & Dolphin-Tour vor, von der ich auch schon gelesen hatte, aber die mich nicht in ihren Bann gezogen hat. Ich wollte ja eigentlich Richtung Skeleton NP oder Richtung Süden. Ihr fällt eine Tour nach Sandwich Harbour ein, für die sie mir ein Infoblatt überreicht. Ich finde die Tour auf Anhieb interessant, erbete mir aber etwas Bedenkzeit. Um an dieser Tour teilnehmen zu können, müsste ich wohl noch eine Nacht in Swakop dranhängen. Ich frage sie, ob ich meine Buchung um 2 Nächte verlängern könnte. Sie schaut nach und kann mir das positiv beantworten. Damit ist es für mich beschlossene Sache und mache dann Nägel mit Köpfen. Ich bitte sie, meine Buchung um 2 Nächte zu verlängern und mir für den 19. oder 20.9. einen Platz auf der Tour zu sichern. Sie sichert mir zu, dass sie sich darum kümmern wird, da der Tourveranstalter gerade nicht erreichbar ist. Ich fühle mich schon wieder sehr viel besser, jetzt, da einiges von meiner inneren To-Do-Liste abgehakt werden kann.

Es ist wirklich gemütlich, im Vorgarten zu sitzen und sich zu unterhalten, vor allem, weil man dort sofort mit allen Neuankömmlingen ins Gespräch kommt. So kommen gerade neue Gäste an und setzen sich zu uns. Es handelt sich um eine Dame, die etwas älter als ich sein dürfte. Es stellt sich heraus, dass sie eine gute Freundin von Nicole ist, die gerade aus Südafrika zu Besuch ist, aber auch berufliche Gründe hat. Wir lernen uns kennen, unterhalten uns nett und es stellt sich heraus, dass sie Swakopmund ziemlich gut kennt. Da schon der Abend naht (wie die Zeit vergeht), frage ich, wo sie denn Abendessen geht und sie mir sagt, sie würde sich mit ihren Eltern treffen, die aus Deutschland eingeflogen sind und im Kückis essen gehen. Sie fragt mich, ob ich mich anschließen wolle. Etwas verblüfft von dem Angebot sage ich zu. Danach gehe ich auf mein Zimmer, um mich ausgehfertig zu machen, also ab unter die Dusche und rein in die Abendklamotten. Während des Gesprächs übers Abendessen fanden wir es eine tolle Idee, die Tiger Reef Bar dem Kückis vorzuziehen und mussten dazu noch ihre Eltern überreden. Wir gehen ins Kuckis und erzählen den Eltern von unserem Plan. Dem Vater ist es sichtlich unangenehm, die Mutter ist sehr aufgeschlossen für Neues. Wir packen also alles zusammen, der Vater bezahlt sein schon getrunkenes Bier und wir machen uns auf zum Strand. Die Bar ist eigentlich ziemlich cool, nur bei dem Wetter nicht so (es war sehr windig und bewölkt). Ich hole erstmal eine Runde „Innere Wärme“, also Alkohol für alle Beteiligte, allerdings konnte dies den Dealbreaker der geschlossenen Küche nicht verwinden. Telefonisch reservieren wir uns gerade noch den letzten Tisch im Kückis. Nach dem Bier und der Autofahrt zum Kückis marschieren wir wie geprügelte Hunde zurück in das Etablissement, das wir keine Stunde vorher in Vorfreude auf ein Essen am Strand verlassen hatten. Das Essen, Springbock-Filet mit Bratkartoffeln, ist aber wirklich hervorragend, das Bier schmeckt gewohnt lecker. Ich komme mir aber irgendwie komisch vor in dieser Konstellation, ein Single-Mann zusammen mit einer Single-Frau und ihren Eltern am Abendessenstisch. Aber die Eltern sind nett und wir verstehen uns alle gut.

Nach dem Essen fahren wir wieder zurück ins B&B, wo Nicole mich schon erwartet, um mir mitzuteilen, dass die Tour nach Sandwich-Harbour steht, und zwar am 19., was mich sehr glücklich macht, da der morgige Tag für einige weitere To-Dos zur Verfügung steht, zum Beispiel Wäschewaschen und eventuell am Nachmittag noch ein Ausflug zu den Robben oder den Welwitscha Drive. Der Plan, das Auto so oft wie möglich in Swakopmund stehen zu lassen, geht also hervorragend auf. So kann ich mich wirklich auch von der Fahrerei erholen. Wir trinken gemeinsam noch einen Absacker und ich ziehe mich gegen 23 Uhr endlich mal wieder annähernd zu meiner Zeit zurück (ich bleibe in der Woche meist bis nach Mitternacht auf!).

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 13: Swakopmund

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