Die Fjorde Musandams

Ich stehe um 5:30 Uhr auf, da ich um 6 Uhr abgeholt werden soll. Ohne Frühstück und nur eine kurze Dusche und Zähneputzen später warte ich in der Lobby des Hotels auf den vereinbarten Pickup. Ich bin etwas nervös, ob das auch alles so klappt, denn davon hängt nichts geringeres als der weitere Verlauf meiner Reise ab. Diesen Tagestrip, der eigentlich abends wieder nach Dubai zurückkehren sollte, will ich als „kostengünstigen One-Way-Transfer“ nach Khasab nutzen, da es leider kaum Möglichkeiten gibt, anders nach Khasab zu kommen, da Musandam bekanntlich bereits omanisches Staatsgebiet ist. Ich hatte im Vorfeld mit dem Tourveranstalter abgesprochen, ob es möglich ist, meinen Koffer mitzubringen und mich am Abend nicht wieder zurück nach Dubai zu bringen. Die Absprachen waren positiv, jetzt ist aber der Zeitpunkt gekommen, wo es sich auch bewahrheiten musste. Um 6:30 Uhr betritt jemand die Lobby und ich vermute sofort, dass er wegen mir hier ist und so ist es auch. Wir reichen uns die Hände, er nimmt meinen Koffer und packt ihn in sein Auto, das mir etwas klein für eine Tagestour erscheint. Wir fahren sogleich los und er erzählt mir, dass wir noch zwei weitere Tourteilnehmer abholen und uns dann mit dem eigentlichen Transportmittel, einem Kleinbus, treffen werden. Nach einem kleinen Abstecher in die unpolierten Bereiche Dubais (die gibt es doch tatsächlich!) treffen wir dann ca. 30 Minuten später auf den Kleinbus, der schon recht voll ist. Meinen Koffer muss ich mit nach vorne nehmen und ich freue mich etwas diebisch darüber, nicht hinten sitzen zu müssen. Der Trip startet dann endlich und wir fahren Richtung Musandam. Die Fahrt auf dem Highway ist langweilig, da man zwar den Golf erahnen, ihn aber nicht direkt sehen kann. Wir erreichen den Grenzübergang zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Oman, der Fahrer schnappt sich unsere Pässe und bittet uns mit rein zu gehen. Allerdings werden wir kurze Zeit später hinaus gebeten und warten, bis alles geregelt ist. Das war aber erst die Ausreise, wir fahren 50 Meter weiter und der Fahrer muss jetzt noch die Einreise in den Oman regeln. Wir warten dieses Mal im Bus, die Angelegenheit ist aber nach 15 Minuten erledigt und wir haben alle unsere Stempel im Pass.

Der größte Unterschied zwischen dem Oman und den VAE zeigt sich nur 5 Minuten nach der Einreise. Die Straße wird vom Highway zur sogenannten „Khasab Coastal Road“ und das ist auch genau das, was sie ist. Die Straße bildet quasi den Strand, führt also direkt am Wasser entlang.

Die Khasab Coastal Road

Die auf der rechte Seite des Autos aufragenden bräunlichen Berge und die zur linken Seite tiefblaue See bieten ein wunderbares Farbspiel.

Die Khasab Coastal Road mit den Fjorden Musandams

Die Straße windet sich immer wieder um hohe, steilabfallende Bergwände und manchmal führt die Straße auf kleine Anhöhen.

Die Khasab Coastal Road steigt etwas an

Von diesen kleinen Anhöhen bieten sich immer wieder tolle Ausblicke.

Die Khasab Coastal Road von einem kleinen Scheitelpunkt mit Blick auf die Fjorde

Spätestens jetzt ärgere ich mich, dass ich diese wunderbarste Straße, die ich bisher gefahren bin, nicht selber befahre und dementsprechend nicht anhalten kann, wo ich will. Ich muss alle Bilder aus dem fahrenden Auto schießen. Kurz vor unserem ersten Teilziel, dem Hauptort Khasab, windet sich die Straße um eine malerische Bucht.

Die Khasab Coastal Road entlang einer Bucht

Wir erreichen dann Khasab und fahren direkt zum Hafengelände, wo schon unsere Dhau auf uns wartet. Mein Koffer kann glücklicherweise im Auto bleiben, ich habe die essentiellen Dinge für den heutigen Tag in meinem Tagesrucksack. Wir werden von einer deutschsprachigen Reiseführerin begrüßt und dabei merke ich, dass die Reisegruppe zu 90 % aus Deutschen besteht. Uns wird erklärt, dass wir in den größten der Fjorde Musandams, dem sogenannten Khor Shamm, fahren werden und einige Stopps einlegen werden. Und das hier ist sie:

Deutsche Reiseführerin bei der Bootstour durch die Fjorde Musandams

Ich unterhalte mich mit meinen Sitznachbarn, einem holländischen Päarchen aus Frauen und einem holländischen Päarchen aus Männern, die aber nicht zusammen gehören. Aber immer wieder unterbreche ich das Gespräch, um Fotos von dieser wunderbaren Fjordlandschaft zu machen.

Blick auf die Einfahrt in den größten Fjord Musandams, Khor Shamm

Ich werde auf die vielen Fotos angesprochen, die ich so mache. Ob ich denn überhaupt den Moment genießen könne, den Anblick, der sich vor uns bietet. Ich sage ihr, dass ich immer mal wieder die Kamera weglege und natürlich den Trip in all seinen Zügen genieße. Aber immer wieder muss ich bei diesen Anblicken zur Kamera greifen.

Eine andere Dhau liegt im Fjord Khor Shamm

Dann sehen wir plötzlich, wie eine baugleiche Dhau gleicher Farbe stehen bleibt und die Erwartung auf dem Boot steigt, denn es spricht sich schnell rum, dass die ersten Delphine gesichtet worden sind. Und tatsächlich, wir sehen die ersten Delphine:

Delphine im Fjord Khor Shamm

Diese so eleganten Tiere lieben es, in den Bug- und Heckwellen der massigen Schiffe zu schwimmen.

Delphine in der Bugwelle einer Dhau im Fjord Khor Shamm

Mir gelingt leider nur eine Nahaufnahme eines getauchten Delphins.

Nahaufnahme eines Delphines im Fjord Khor Shamm

Und so schnell wie sie kamen, so schnell waren sie auch wieder weg. Aber ich machen noch ein letztes Bild von Delphinen in der Heckwelle der Schwester-Dhau.

Delphine in der Heckwelle einer Dhau im Fjord Khor Shamm

Nachdem sich die erste Aufregung des Tages gelegt hat, schaue ich zurück auf den Eingang des Fjordes.

Blick zurück auf die Einfahrt zum Fjord Khor Shamm

Wir fahren weiter, aber nur ca. 15 Minuten später entdecken wir weitere Delphine in einer kleinen Bucht.

Delphine im Fjord Khor Shamm
Delphine im Fjord Khor Shamm
Delphine im Fjord Khor Shamm

Leider kommen die Tier nicht zu den Booten, so entschließt sich der Captain weiterzufahren. Als wir wieder fahrt aufgenommen haben, fährt dieser Geselle recht nah an uns vorbei und er beäugt uns etwas unverständlich.

Einheimischer im Fjord Khor Shamm

Tatsächlich wurde uns mitgeteilt, dass die Menschen, die hier in den Fjorden leben, lieber alleingelassen werden wollen. Diese Einstellung geht sogar soweit, dass die Einheimischen mit Einsatz von Schusswaffen davor warnen, sich den Fischerdörfern nicht zu nahe zu kommen. Ich kann ja verstehen, dass Menschen nichts mit Touristen zu tun haben wollen, sie aber zu beschießen, das geht aber dann doch etwas weit… ! Die meisten dieser Dörfer im Fjord sind nur auf dem Wasserwege zu erreichen und als ich das erste größere Dorf sehe, verstehe ich auch direkt, wieso das so ist.

Fischerdorf im Fjord Khor Shamm

Der Fjord weitet sich etwas und gibt einen unheimlich schönen Blick auf sich preis.

Panorama des Fjordes Khor Shamm

Wir fahren an einem Überbleibsel aus britischer Kolonialzeit vorbei, der sogenannten Telegraph Island, auf der früher – wie der Name ja impliziert – eine Telegraphenstation war, die die Kommunikation zwischen dem britischen Heimatland und Indien sichern sollte.

Telegraph-Island im Fjord Khor Shamm

Auf einer weiteren kleinen Insel befindet sich eine Fischerhütte, denn der Fjord bzw. der gesamte Golf ist sehr fischreich.

Fischerhütte im Fjord Khor Shamm
Nahaufnahme einer Fischerhütte im Fjord Khor Shamm

Wir fahren in eine kleine Bucht ein, in der die andere Dhau schon vor Anker liegt. Damit haben wir den ersten Schnorchelspot erreicht.

Dhau liegt in einer kleinen Bucht zum Schnorcheln vor Anker

Ich ziehe mir das geliehene Schnorchelzeug an und springe ins Wasser. Das Wasser ist schön warm, fast etwas zu warm für meinen Geschmack. In der Nähe des Schiffes befinden sich eine größere Anzahl an Fischen, da sie aber auch angefüttert werden. Ich sehe einen recht großen blauen Fische, das war’s aber dann auch. Trotz der andauernd beschlagenen Taucherbrille hat es Spaß gemacht. Wir werden wieder an Bord gerufen, denn es ist Mittagsessenzeit. Das Essen ist lecker, es gibt Reis, Hühnchen, Salat, Humus und Brot. Der Hunger ist also gestillt und den satten Leuten wird noch ein Tee zum Nachtisch gereicht. Wir legen ab und fahren weiter in den Fjord hinein. Nach nur weiteren 30 Minuten erreichen wir die zweite Schnorchelstelle.

Dhaus liegen vor einer Insel zum Schnorcheln vor Anker

Wir haben das südlich-westliche Ende des Fjordes erreicht. Die Berge ragen hier sehr hoch in den Himmel und trennen an dieser Stelle den indischen Ozean vom Persischen Golf.

Panorama des südlichen Endes von Khor Shamm

Ich gehe ein zweites Mal schnorcheln und hier gefällt mir der sandige Untergrund wesentlich besser, da er dem Wasser eine wunderschöne türkise Farbe verleiht. Dem Fischreichtum tut das allerdings nicht so gut, denn ich sehe wesentlich weniger Fische als am ersten Spot. Als ich wieder auf dem Schiff bin, werden wieder Fische angefüttert.

Fische im Fjord Khor Shamm
Nahaufnahme von Fischen im Fjord Khor Shamm

Auf dem Rückweg fahren wir noch etwas näher an den einem Fischerdorf vorbei, bei dem es anscheined erlaubt ist. Ich mache noch ein paar letzte Aufnahmen vom Dorf.

Fischerdorf im Fjord Khor Shamm
Nahaufnahme eines Fischerdorfes im Fjord Khor Shamm

Wir sehen sogar noch ein paar Delphine, allerdings sind sie etwas weiter weg und nähern sich auch nicht.

Delphine im Fjord Khor Shamm

Als wir anlegen, fahre ich mit der Reiseführerin in das Büro. Ich informiere mich noch über die Allrad-Bergtouren, die der Veranstalter auch anbietet. Allerdings sind wohl für den morgigen Tag keine Touren gebucht, sodass es mich den doppelten Preis kosten würde, falls der Guide mit mir alleine fahren würde. Ich sage, dass ich’s mir überlegen werde, aber jetzt gerne zu meinem Hotel möchte. Meinem Wunsch wird folge geleistet und keine 10 Minuten später stehe ich vor dem Khasab Hotel und checke ein. Ich habe Hunger, benötige aber erstmal omanische Währung. Ich gehe in die Stadt und finde eine Wechselstube. Ich wechsele die restlichen Dirhams in omanische Rial und suche mir einen Imbiss. Ich bestelle etwas und esse kurze Zeit später. Als ich den Laden verlassen will, spricht mich ein Omani an, er würde gerne ein Bild mit mir für seine Facebook-Freunde machen wollen. Ich nutze die Gunst der Stunde und sage: „Aber dann möchte ich auch ein Foto mit ihm zusammen haben.“, denn ich habe von meinen Arbeitskollegen ein paar Aufgaben bekommen. Dazu gehört unter anderem ein Bild mit einem Scheich oder zumindest mit einem Mann in arabischen Gewändern. Lange Rede, kurzes Bild:

Ein Einheimischer bat mich um ein Foto mit ihm zusammen

Auf dem Weg zurück zum Hotel, laufe ich an der aufwändig beleuchteten Moschee vorbei. Die muss ich einfach noch fotografieren.

Moschee von Khasab bei Nacht
Moschee von Khasab bei Nacht

Den Abend möchte ich mal wieder mit eine Shisha ausklingen lassen, allerdings ist das nicht so leicht. Ich frage im Hotel an der Rezeption nach, ob es irgendwo ein Shisha-Cafe gibt. Die Damen wissen von keinem, fragen aber den Fahrer des Hotels, ob er etwas kennt und tatsächlich, er kennt eins und könne mich dorthin fahren. Ich bin einverstanden und er setzt mich vor einem unscheinbaren weißen Gebäude ab, vor dem aber unverkennbar Leute Shisha rauchen. Der Fahrer gibt mir seine Handynummer und bittet mich, ihn anzurufen, falls ich früher als die vereinbarte Stunde nach Hause möchte. Ich steige aus und betrete das Gebäude und frage nach einer Shisha und bedeute, dass ich sie draußen rauchen möchte. Mir wird irgendwie vermittelt (nämlich nicht auf englisch!), dass ich mich schon mal draußen hinsetzen soll. Kurze Zeit später kommt auch dann in der Tat die Shisha. Selbst WLAN bietet der Laden an, was sich aber nicht benutzen lässt. Wäre auch zu schön gewesen. Ich genieße aber das Gefühl, hier in einem Schuppen voller Locals zu sitzen. Das war definitiv kein Touri-Laden! Als ich gehen möchte, bezahle ich lächerlich wenig für das Wasser, den Tee und die Shisha. Auch das Abholen klappt hervorragend. Ich kehre ins Hotel zurück und spreche noch ab, ob morgen ein Tour in die Bergwelt Musandams vom Hotel angeboten wird. Das entscheidet sich allerdings erst morgen, da ich wohl zur Zeit der einzige Interessent bin. Hoffend begebe ich mich ins Zimmer, um zu schlafen.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 4: Musandams Fjorde

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