Schloss, Souq und Sonnenberg

Der Jebel Shams, der „Berg der Sonne“, ist das Ziel der heutigen Etappe und gilt unumwunden als ein Highlight jeder Omanreise, da er mit dem Wadi Nahkl den sogenannten „Grand Canyon Omans“ bildet. Von dem Hochplateau auf 2000 Metern unterhalb von Omans höchstem Berg aus lassen sich unzählige atemberaubende Anblicke genießen sowie etwaige spektakuläre Trails begehen. Bevor ich aber wieder in die berückende Schönheit der omanischen Bergwelt eintauche, stehen noch zwei kulturelle Highlights des Flachlandes auf dem Programm.

Nizwa ist die heimliche Haupstadt des Oman, da die kulturell so reiche Stadt einen riesigen Einzugsbereich von Menschen aus der Umgebung hat. Der Viehmarkt gilt als eines der größten Spektakel des Landes, das auch bei Touristen extrem beliebt ist. Allerdings ist das Jibreen Hotel, das seit zwei Tagen meine Basis ist, eine gute halbe Stunde Autofahrt entfernt. Auf dem Weg dorthin liegt der erste Halt des heutigen Tages, und zwar die Festung Hisn Tamah in Bahla. Die gewaltige Festung überragt die Oase und ist schon aus der Ferne weithin gut zu erkennen, sodass ich mich schon zu meinem ersten Fotostop veranlasst sehe.

Festung Hisn Tamah aus der Ferne

Ich stelle das Auto auf dem Parkplatz ab und begebe mich Richtung Eingang. Dort werde ich allerdings abgewiesen, allerdings verstehe ich nicht so ganz wieso. Da das heutige Tagesprogramm sehr voll ist, entscheide ich mich gegen eine Diskussion und für den nächsten Tagespunkt, die Festung und den Souq von Nizwa. Vom Parkplatz aus mache ich aber noch ein Foto der Festung.

Festung Hisn Tamah vom Parkplatz aus

Nach einer Autofahrt von ca. 30 Minuten ist Nizwa auch schon erreicht und der riesige Parkplatz von dem Eingang zur Souq bietet ausreichend viel Platz. Das Auto ist alsbald abgestellt und der schattige Eingangsbereich erreicht. Auch wenn es noch früh ist, tut der Schatten schon gut, denn es ist trotzt der frühen Stunde schon recht heiß.

Nizwa Souq

Der Souq besteht aus vielen kleinen Gässchen und vielen kleinen Lädchen, durch die ich mich hindurch winde.

Tonhändler, Nizwa Souq

Denn zunächst möchte ich das Fort besichtigen, von dem man einen tollen Blick über die Oase am Fuße der Berge hat. Geschäftstüchtige Omanis begegnen einem auf dem Weg dorthin.

Nizwa Souq

Die Festung im Herzen des Souq besteht aus einem riesigen, runden Wehrturm, der die Oase in alle Richtungen beschützen konnte. Mächtig ragt er in den blauen, wolkenlosen Himmel.

Mächtiger Wehrturm von Fort Nizwa

Der Eingangsbereich ist umgebaut worden und bietet jetzt ein Museum und einen gemütlichen Sitzbereich.

Museum im Festungsbereich des Fort Nizwa

Nachdem ich den Eintritt bezahlt habe, betrete ich durch einen Aufgang den Innenraum des Wehrturms, in dessen Mitte ein großer Fahnenmast stolz die omanische Flagge ins Firmament hisst. Hier wird deutlich, wie gut dieser Wehrtum die Umgebung in alle 4 Himmelsrichtungen schützen konnte.

Panorama des Innenraums der obersten Ebene des Wehrturms

Die vier Aufgänge ermöglichten die Aussicht und die Bekämpfung in einem 360 Grad Radius. Heute ist dies Gott sei Dank nur noch gut für den Panorama-Fotografen, der Panoramas in alle Himmelsrichtungen machen kann. Erst der Blick nach Süden und Osten,…

Panorama von Nizwa von den Balustraden des Wehrturms

und nach Norden und Westen:

Panorama von Nizwa von den Balustraden des Wehrturms

Da es schon wieder recht diesig ist, mache ich noch ein Panorama mit mehr Zoom.

Panorama von Nizwa von den Balustraden des Wehrturms

Von hier oben bietet sich ein schöner Anblick auf die Moschee, die direkt neben der Festung steht.

Moschee von Nizwa vom Wehrturm aus

Ich verlasse die Festung und umrunde die Festung, um zur Moschee zu gelangen. Der Eingangsbereich ist sehr schön.

Eingang der Moschee von Nizwa
Gläubige kommen vom Gebet aus der Moschee von Nizwa

Hinter der Moschee schließt sich eine kleine Parkanlage an, in der die Omanis den Alltag genießen.

Parkanlage neben der Moschee in Nizwa

Im Schatten der Bäume sitzen einige ältere Omanis und diskutieren lebhaft.

Omanis sitzen zusammen und diskutieren

Von hier aus passen die Moschee und die Festung auf ein Bild.

Panorama vom Nizwa Fort und der Moschee

Der Souq bietet viel Krimskrams und viele enge Gassen,…

Geschäfte in der Nizwa Souq

aber auch tolle Gewürzstände und -händler. Ich betrete einen Laden und lasse mich von dem netten Händler etwas beraten. Ich kaufe dann eine Currymischung und etwas, was er mir aufschwatzt. Ich frage ihn, ob ich von ihm ein Bild machen darf und er gibt mir die Erlaubnis dazu.

Gewürzhändler im Souq von Nizwa

Die kulturellen Highlights des Flachlandes sind somit abgegrast und ich mache mich wieder auf in Omans Bergwelt. Auf dem Weg in einer der wohl schönsten Bergoasen, die Bergoase Misfah, sollen noch laut meines Reiseführers die wohl schönsten Felsgravuren des Landes zu finden sein. Den sogenannten Coleman’s Rock erreicht man über eine ziemliche schlechte Straße. Schon wieder bin ich froh, dass ich ein Allradfahrzeug habe. Die erste Wegmarke, ein Straßenschild mit dem Hinweis „Hassan Bin Sult“, ist erreicht und ich biege rechts ab. Schon bald sehe ich einen großen Felsen, der prominent herausragt.

Der Coleman's Rock ragt in den blauen Himmel

Am Fuße dieser Felsen befindet sich ein 10 Meter hoher Felsblock, auf denen sich die Felsgravuren finden lassen.

Stein mit Felsgravuren

Die Felsgravuren sind wirklich überraschend detailgetreu.

Felsgravuren zeigen erstaunlich detailliert eine menschliche Gestalt
Nahaufnahme des Gesicht der Felsgravur

Die Bergstraße nach Misfah beginnt nördlich der Oasenstadt Al-Hamra, auf den sich von dieser Straße ein wunderschöner Anblick bietet, wenn man genug Höhe erreicht hat.

Panorama von Al-Hamra von der Straße nach Misfah aus

Kurz hinter der Passhöhe geht es rechts ab in die neuen Stadtkern, von dem sich ein Anblick auf die im Gegenhang befindlichen alten Ortskern bietet. Und ich muss schon sagen, dass hier der Reiseführer nicht übertrieben damit übertrieben hat, diese Bergoase als eine der schönsten des Landes zu bezeichnen.

Panorama vom alten Stadtkern Misfahs

Ich klettere noch ein Stück weiter und von dort bietet sich ein noch schöner Blick.

Panorama von altem und neuen Stadtkern Misfahs

Die Straße führt auf und an, als sie den flachsten Teil des Wadis, der neuen und alten Ortskern voneinander trennt, passiert. Von dieser Seite ist der Anblick auf den neuen Ortskern sogar noch schöner und atemberaubender als der Blick von der anderen Seite.

Panorama vom neuen Stadtkern Misfahs

Von meiner Position aus kann man mit genug Zoom auch den Alltag in den Terassenfeldern beobachten.

Nahaufnahme der Plantagen

Ein Gebäude inmitten der Terassenfelder erregt meine Aufmerksamkeit, auch wenn ich nicht herausfinden kann, wofür die Unterkunft benutzt wird.

Nahaufnahme eines Gebäudes in der Plantage

Nach diesem tollen Ausflug in die Berge fahre ich wieder zurück ins Tal, da heute ja noch das „Dach des Oman“ auf mich wartet, der höchste Berg, der Berg der Sonne, der Jebel Shams. Dort werde ich auf über 2000 Metern zwei Nächte verbringen. Wieder im Tal kann man von einer kleinen Anhöhe die alten Lehmsiedlungen von Al-Hamra erkennen.

Panorama der alten Lehmsiedlung von Al-Hamra

Auch auf die Palmenhaine der Oase lassen sich von hier aus überschauen. Die Größe dieser Palmenplatage ist schon überwältigend.

Panorama der Oase Al-Hamra

Ich fahre einen Damm hinauf, der die Stadt vor den todenden Fluten schützen soll, die manchmal hier aus dem Hochgebirge nach starken Regenfällen runtergehen. Allerdings ist es so trocken, dass es mir schwer fällt, mir vorzustellen, wie das wohl aussehen mag. Der Weg führt dann lange Zeit erstmal topfeben in das Gebirge hinein.

Weg zum Jebel Shams

Aber allmählich wird auch die Straßenführung hügeliger, aber noch ist es nicht steil. An einer scharfen Linkskurve befindet sich ein Parkplatz, von dem auf das Wadi Ghul schauen kann. Tief hat sich der Fluss in das Gestein hereingefressen und bildet ein tiefes Flußtal von ca. 20 Metern. Da es seit dem Sommer aber noch nicht so wirklich geregnet hat, ist der Fluss ausgetrocknet. In dieser Zeit bietet das Flussbett die Möglichkeit, das Wadi Nakhl hochzufahren, der schließlich am Ende den großen Canyon bildet, den man von der Hochebene unterhalb des Jebel Shams beobachten kann, den sogenannten „Grand Canyon Omans“. Dieser Abstecher ist allerdings nur für Allradexperten empfohlen, sodass ich mich nur dafür entscheide, einen Fotostopp zu machen.

Der Blick auf den alten Stadtkern Wadi Ghuls:

Blick auf die alte, verlassene Ortschaft Wadi Ghul
Panorama der alten, verlassenen Ortschaft Wadi Ghul

Der neue Stadtkern thront über dem tief eingefressenen Flussbettes des Wadi Ghul.

Der neue Stadtkern von Wadi Ghul

Die Straße führt nun direkt hinein in die Berge und am Horizont türmen sich schon die Gebirszüge empor.

Panorama eines Gebirgszugs auf dem Weg zu Jebel Shams

Immer wieder laufen Ziegen über die Straße, für die man bremsen muss. Was andere nervt, finde ich als total gelungene Abwechslung zum deutschen Autofahrer-Alltag, auch wenn ich gar kein eigenes Auto mehr im Alltag habe. Nun steigt die Straße steil in die Berge hinauf, das Allradfahrzeug ist aber zuverlässig und stark. Noch ist die Straße geteert und führt auf ein sehr hohes Plateau hinauf. Hier bietet sich ein Blick in ein Nebental.

Blick von einer Passhöhe in ein Seitental des Jebel Shams

Kurz nach diesem Hochplateau endet die alphaltierte Straße und das Abenteuer Jebel Shams beginnt. Meine erste Gravel-Mountainroad wartet auf mich und ich bin schon etwas nervös, wie sich die Fahrt anfühlt. Aber nach den ersten Minuten legt sich die Nervosität und ich genieße das Auf und Ab der Bergstraße.

Gravelroad hoch zum Jebel Shams

Und wer denkt, dass es ein einsames Bergabteuer ist, der sieht sich getäuscht. Die Infrastruktur dort oben muss ja versorgt werden, außerdem ist es natürlich auch ein beliebtes Tagesziel für Touristen.

Viel Betrieb auf der Gravelroad hoch zum Jebel Shams

Das Hochplateau befindet sich auf 2000 Metern Höhe und es gibt zwei Höhencamps, in denen Unterkünfte für Touristen angeboten werden. Ich habe beide Camps jeweils für eine Nacht gebucht, da beide ziemlich ähnlich ausschauten, ähnlich gut bewertet waren und ähnlich viel kosten. Ich checke zunächst in meine Unterkunft ein und stelle meine Koffer in mein neues Domizil. Das Araberzelt, in dem heute schlafe, sieht ziemlich gemütlich aus, auch wenn ich es etwas Respekt vor der Kälte habe, die ja hier nachts Einzug erhält. Aber das sind Sorgen für später, ich steige wieder ins Auto, um zum Hauptaussichtspunkt über den Canyon des Wadi Nahkl zu fahren. Als ich den Aussichtspunkt erreiche, ist er voller Menschen, daher entscheide ich mich, zunächst zu einem anderen Punkt zu fahren. Dieser ist menschenleer und der Anblick ist einfach majestätisch. Allerdings fühle ich meinen Respekt vor Höhe wieder ganz deutlich, denn der Punkt ist überhaupt nicht abgezäunt!

Der »Grand Canyon Omans« (Wadi Nahkl) von einem anderen Aussichtspunkt
Panorama vom »Grand Canyon Omans« (Wadi Nahkl) von einem anderen Aussichtspunkt
Wadi Nahkl von einem anderen Aussichtspunkt

Allerdings versucht an diesem Punkt eine sehr aufdringliche alte Frau, ihre Habseligekeiten an den Mann zu bringen. Auch mehrmalige Ablehnungen entmutigen sie nicht und sie kommt immer wieder an. Etwas genervt fahre ich zurück zum Hauptaussichtspunkt, der nun leer ist. Ich kann in Ruhe knipsen.

Wadi Nahkl vom Hauptaussichtspunkt

Dann hält wieder ein Auto und es steigen einige Touristen aus, mit denen ich kurz mit ihnen ins Gespräch komme und die sich als Tschechen erweisen. Dem jungen Mann drücke dann meine Kamera in die Hand und lasse mich vor dem riesigen Canyon ablichten.

Ich vor dem »Grand Canyon Omans« (Wadi Nakhl)

Ich fahre noch etwas hin- und her, auf der Suche nach anderen Aussichtspunkten. Auch hier oben leben Menschen von ihren Ziegen, die hier frei rumlaufen. Freilaufende Ziegen voo einem riesigen Abgrund ist ein tolles Motiv, wie ich finde.

Ziegen laufen auf dem Hochplateau herum

Nach der Erkundung des Hochplateaus fahre ich zurück ins Jebel Shams Heights Resort, in dem ich mich über die Wanderwege der Gegend informiere. Ich plane für den nächsten Tag den Wanderweg in den Canyon, der an einem kleinen Gehöft am Ende der Straße des Hochplateaus anfängt und dann immer knapp unterhalb des Canyonrandes zum mittlerweile aufgegeben Ort Sab führt. Der nette Mitarbeiter des Resorts teilt mir aber noch mit, dass hier vom Resort einen kleinen Wanderweg entlang eines Wadis gibt, der bis zum Canyon führt. Ich nehme mir den Weg noch vor, komme aber nur noch bis zu der Staumauer des kleinen Flußes. Ich kehre um, da es schon dunkel wird. Beim Abendessen stellt sich heraus, dass ich tatsächlich der einzige Gast des gesamten Resorts bin, da ich wohl genau zwischen zwei großen Wandergruppen gebucht habe. Gestern war das Resort laut des Mitarbeiters ausgebucht und morgen soll es wieder ausgebucht sein. Auch wenn ich mich noch recht lange mit dem netten Mann unterhalte, verabschiedet er sich bald und ich habe niemanden mehr, mit dem ich mich unterhalten kann. Da merke ich zum ersten Mal, dass man beim Alleinreisen sich auch mal einsam fühlen kann. Dennoch versuche ich mich etwas zu unterhalten und versuche meine ersten Nachtbilder. Aufgrund meiner mangelnden Kenntnis der Kamera scheitere ich allerdings. Enttäuscht und einsam ziehe ich mich dann zurück und schlafe trotz des tollen Tages etwas unzufrieden ein.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 10: Nizwa, Misfah, Jebel Shams

 

Leave a comment