Über den Suma’il Pass Richtung Nizwa

Nach dem langen Marsch vom Vortag freue ich mich nach dem Frühstück auf den Allradwagen, den ich am Flughafen abholen möchte. Und ganz besonders freue ich mich auf die so faszinierende Bergwelt des Oman und die kulturell reiche, und daher heimliche Haupstadt, Nizwa südlich des mächtigen westlichen Hadschar-Gebirges gelegen. Ich fahre also mit dem Taxi zum 40 km entfernten Flughafen und hole mir am Hertz-Schalter das riesige Allradgefährt, der mich die nächsten 5 Tage begleitet. Zwar sind die meisten Pisten im Hadschar-Gebirge geteert, aber für die Fahrten hoch auf des Saiq-Plateau, zum Jebel Shams und durch das Wadi Bani Awf eignet sich ein Allradfahrzeug deutlich besser. Auf dem Weg hoch zum Saiq-Plateau ist sogar ein Checkpoint, der allen nicht allradfähigen Mietfahrzeuge die Weiterfahrt verwährt. Ich bin ob der Größe des Wagens doch sehr verblüfft, hatte ich doch mit einem wesentlich kompakteren Wagen gerechnet. Sei’s drum, schönes, größes Auto bedeutet viel Spaß beim Fahren! Und ich begebe mich auch so gleich auf die Autobahn Richtung Nizwa, denn ich bin schon etwas spät dran und ich habe einige Stopps auf der eigentlich recht kurzen Fahrtstrecke von ca. 200 km vor.

Erster Stopp ist die Oase Fanja, in der das Highlight die alte, aufgebebene Lehmsiedlung ist, zugleich der ehemalige Stadtkern des Ortes. Laut meines Reiseführers führt eine Straße direkt nach der Brücke rechts in den Ort und von dort zum alten Stadtkern. Der Ausblick von der Brücke auf das fast trockene Flussbett, die Palmen und die dahinterliegenden bräunlichen Berge ist fantastisch.

Blick von einer Brücke in Fanja

Ich steige wieder ein, finde die Abzweigung und biege ab, nur um zu erkennen, dass von hier aus mein Reiseführer nichts weiter beschreibt und ich durch den Ort irre. Die Straßen des Ortes sind extrem eng und führen durch dichte Palmenhaine, die eine wirklich einmalige Atmosphäre beim Autofahren hervorrufen. Allerdings kann man die Szenerie durch die engen Straßen kaum genießen, da man sehr gut auf Gegenverkehr und auf Menschen auf der Straße aufpassen muss. Ich komme an eine Stelle, an der ein Wehrturm über den Fluss wacht. Das Farbspiel ist einfach traumhaft!

Wehrturm am Fluß in Fanja

Dennoch habe ich nicht das gefunden, was ich suche und kurve weiter durch den Ort. Ich muss mir eingestehen, dass ich nicht gut vorbereitet bin. Ich dachte, es wird schon kein Problem sein, das Schloss und den alten Stadtkern zu finden. Ausgeschildert ist aber nichts und das regt mich schon etwas auf. Nun ja, allen Ärgernissen zum Trotz, ich finde einfach nicht den richtigen Weg und die engen Straßen bereiten mir mit dem großen Allrader Sorgen. Ich will ja nicht gleich am ersten Tag eine Macke in die Karre fahren und so gebe ich nach 30 Minuten Sucherei und Flucherei auf und fahre das nächste Ziel an, das Fort von Bidbid. Die Straße Richtung Bidbid ist schnell gefunden und Bidbid ist auch nicht weit von Fanja entfernt. Auch hier ist das Problem, dass das Fort nicht ausgeschildert ist und so irre ich wieder durch den Ort. Ich finde aber eine kleine, schöne Anhöhe, von der sich ein toller Blick auf den Ort erhaschen lässt.

Panorama vom Ort Bidbib und dessen Palmenhainen

Gott sei Dank ist in den OpenMaps-Karten und der iPad-App „PocketEarth“, in der eine Offline-Verwendung von Kartenmaterial möglich ist, das Fort eingezeichnet und ich finde es bei einem näheren Blick auf die digitale Karte dann auch. Der Weg dahin ist aber auch wieder ein Grund zum Aufregen. Kein einziges Hinweisschild deutet auf die Attraktion des Ortes hin, ebensowenig ist der Eingang gekennzeichnet. Ich stelle das Auto einfach irgendwo vor dem Fort ab und suche dann den  Eingang, den ich nach ca. 10 Minuten auch finde. Ich weiß zwar nicht, wie man hiermit Geld verdienen kann, dennoch zahle ich den Eintritt gerne. Das Fort ist in einem sehr gutem Zustand. Ich erklimme nach einem Abstecher in den Innenhof dann die Außenmauer. Hier eröffnet sich eine grandioser Ausblick über die Fortmauern auf die Oase.

Panorama des Forts von Bidbid

Mein Blick schweift 360 Grad über den Ort, einfach tolle Farben.

Panorama vom Fort aus mit Blick über Bidbid

Einer der Wachtürme ist höher als alle anderen, daher muss ich diesen sofort erklimmen und der Ausblick wird dadurch nur noch besser, da er zusätzlich den Blick auf das ausgetrocknete Fluss preis gibt.

Panorama vom Fort und der Oase Bidbid
Panorama vom Fort und der Oase Bidbid

Ich steige wieder hinunter auf die Ebene der anderen Wachtürme und begehe einen schmalen Vorsprung in der Fortmauer, der sich komplett um den Innenhof zieht. Von dort oben bietet sich ein schöner Blick auf die Wasserversorgung des Forts.

Wasserversorgung des Fort in Bidbid

Danach steige ich in den Innenhof hinab und verabschiede mich freundlich vom „Wächter des Forts“ und er wünscht mir eine gute Weiterreise. Nach diesem netten Ausflug geht die Fahrt weiter entlang der Route 15 Richtung Nizwa. Dieser tiefe Einschnitt zwischen dem westlichen und dem östlichen Hadschar-Gebirge bietet wirklich ein absolute traumhafte Kulisse aus braunrötlichen Bergen und Hügelketten, Palmenhainen und hellem Schotter, blauem Himmel und weißen Wölkchen.

Gebirgszug entlang der Suma'il Pass-Straße

Die Straße führt immer wieder an tollen Anblicken vorbei und ich muss mich etwas bremsen, nicht bei jedem dieser tollen Anblick zu bremsen. Manchmal geht es aber nicht anders und es lohnt sich ja immer wieder.

Oase vor einer Felswand mit Wachtürmen

Von der Route 15 kann man noch einen Abstecher zur Oase Suma’il machen, die mehrere Ortsteile hat. Eigentlich wollte ich von oben einen Abstecher machen, verpasse aber die Ausfahrt und muss notgedrungen weiterfahren. Ich merke aber erst jetzt, dass die nächste Ausfahrt erst genau die Ausfahrt, auf die wieder auf die Route 15 nach dem Abstecher hätte fahren wollen. Und obwohl ich es hasse, zwei mal den gleichen Weg zu beschreiten, entscheide ich mich dennoch dazu, den Abstecher zu machen und so fahre ich bei nächster Möglichkeit ab. Die Straße führt durch die mehreren Ortsteile von Suma’il und vorbei an zwei großen, imposanten Forts. Zunächst wachen die mächtigen Wehrtürme von Alayat Suma’il über das schmale Wadi, beide Türme sind mit einer Mauer verbunden.

Panorama vom Alayat Suma'il

Ein paar Kilometer weiter thront dann noch das beeindruckende Sufalat Suma’il auf einem Hügel direkt neben der Straße.

Fort Sufalat Sumai'il thront auf einem mächtigen Felsen

Ich beschließe, diesem Fort einen Besuch abzustatten, allerdings wird gerade anscheinend umgebaut, sodass die mächtigen Tore verschlossen sind.

Das geschlossene Eingangstor des Sufalat Suma'il

Ich ziehe dann unverrichteter Dinge von dannen und kehre zur Route 15 zurück. Mein nächster Halt soll ein kleiner Ausflug in die Natur sein, der mit einem kleinen Abenteuer anfangen soll. Ich möchte in das Wadi Qurai, was man wohl nur über eine Faladsch erreicht, die in 3-4 Meter Höhe über dem Flussbett über selbiges führt. Zur Information: So eine Faladsch ist nicht wirklich breit und wenn man sich vertritt, geht’s 4 Meter in die Tiefe. Das könnte für Alleinreisende in abgelegenen Gegenden schon ein Adrenalinmoment werden. Ich freue mich aber auf die Herausforderung, meinem Respekt vor Höhe ein Schnippchen zu schlagen! Nach einiger Sucherei und einem ungeplanten Ausflug in die Nachbarschaft finde ich dann doch endlich den Ort, den der Reiseführer beschreibt. Ich stelle das Auto ab, denn ab hier heißt es zu Fuß weitergehen und schon bald stehe ich an der genannten Stelle.

Faladsch-Brücke im Wadi Qurai

Ich setze ruhig einen Fuß vor den anderen, die Höhe und der Tritt auf den Faladsch-Rändern stellt kein großes Problem dar, nur die riesigen Wespen, die es sich ausgerechnet in der Mitte der „Faladsch-Brücke“ gemütlich gemacht haben und nicht sonderlich erfreut sind, mich zu sehen, stören etwas meine Konzentration beim „einen Fuß vor der anderen setzen“. Ich schaffe es aber ohne große Probleme, die Wespen lassen mich Gott sei Dank in Ruhe passieren. Danach windet sich der Wasserkanal das Wadi hinauf. Ich folge folgsam und werde mit einer sehr schönen Naturkulisse belohnt.

Naturkulisse entlang der Faladsch im Wadi Qurai

Beim Anblick der sich durch das Wadi schlängelnden Faladsch muss ich an die Menschen denken, die sich dieses Konstrukt erstens erdacht und zweitens dann auch noch umgesetzt haben. Ein uraltes, aber gut funktionierendes Konstrukt, das bis heute wichtige Arbeit leistet. Und ein Foto ist es natürlich auch wert!

Faladsch schlängelt sich durch das Wadi Qurai

Ich beschließe noch ca. 10 Minuten weiterzulaufen, das letzte Foto zu machen und dann umzukehren. Gedacht, getan!

Panorama der Naturkulisse im Wadi Qurai

Auf dem Rückweg über die Faladsch-Brücke begegnet mir noch ein Omani, wir grüßen uns herzlich und ich steige wieder ins Auto ein. Eigentlich wollte ich heute noch Nizwa einen Besuch abstatten, aber das wird zeitlich sehr eng. Ich fahre nur kurz in den Ort, um mich mit den Örtlichkeiten schonmal vertraut zu machen (z.B. wo man parken kann) und beschließe dann ins Hotel zu fahren. Auf dem Weg fahre ich an einer Moschee vorbei, die schon die nächtliche Beleuchtung eingeschaltet hat.

Moschee an der Straße nach Bahla

Ich checke ins Hotel ein, esse noch etwas und mache mich dann nach einer abendlichen Internetsitzung im kostenlosen WLAN des Hotels Jibreen auf den Weg ins Bett.

Alle Bilder zu diesem Post in der Fotogalerie: Tag 8: Maskat - Nizwa

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